Der kompromisslose Medienmogul hat nicht länger die Geduld, die zu hohen Kosten von seinen Journalisten produzierten Inhalte umsonst wegzugeben und will deshalb kühne Schritte unternehmen, um die finanziellen Wolken zu vertreiben, die die Presselandschaft derzeit verdunkeln.
„Wir wollen plattformneutral, aber niemals umsonst sein“, sagte Murdoch, als er gestern bekannt gab, wie er seine News Corporation aus dem Verlusttief zu befreien gedenkt: „Wir sind überzeugt, mit dem digitalen Verkauf von Zeitungsinhalten beträchtliche Einnahmen erzielen zu können.“
Ein Spitzenteam der News Corp, zu dem Murdochs Sohn James und der Dow-Jones-Chef Les Hilton gehören, ist derzeit auf der Suche nach der lukrativsten Methode zur Errichtung einer „Gebührenbarriere“ für die Internetportale des Konzerns. Gleichzeitig soll sie den Verlust von Lesern so gering halten, dass nicht auch die Anzeigenkunden fliehen. Murdochs Ansicht nach hat der Zusammenbruch des Print-Anzeigengeschäfts den Zeitungen kaum Möglichkeiten gelassen.
„Das Ausmaß des Geschäftsrückgangs hat eine Veränderung nur umso dringlicher gemacht“, so der 78-Jährige. „Die Anzeigenerlöse werden niemals wieder so hoch sein, wie einst im Printbereich.“
Anzeigenerlöse gehen weiter zurück
Murdoch hatte bereits im Mai angedeutet, dass er in Richtung Online-Gebühren denke. Doch nachdem sein Medien-Imperium nun für das vergangene Geschäftsjahr den gewaltigen Jahresverlust von 3,4 Milliarden US-Dollar hinzunehmen hatte, kündigte er an, den Schritt bis zum Ende des Geschäftsjahres im Juni 2010 durchzuführen.
Die britischen Blätter der News Corp, einst verlässliche Geldmühlen, erlitten eine Rückgang der Jahresend-Anzeigenerlöse um 14 Prozent. Weltweiten fielen die Gewinne der Zeitungssparte des Konzerns von 786 Millionen Dollar auf 466 Millionen Dollar.
Der News Corp-Eigentümer der ist nicht der einzige, der derartige Schritte erwägt. Auch die New York Times und der Independent haben, mehr oder weniger eifrig, angedeutet, die Möglichkeiten hinsichtlich einer Erhebung von Gebühren zu prüfen. Analysten hingegen sind der Auffassung, solch ein Schritt gehe mit großen Risiken einher.
„Bisher ging der Trend online dahin, dass wann immer Paywalls hochgezogen wurden, die Leute rasch woanders hin flohen, wo das Angebot vielleicht nicht genauso gut ist, aber gut genug erscheint“, erläutert der Zeitungsexperte Ken Doctor von der US-Beraterfirma Outsell. „Es gibt gegenwärtig reichlich Angebote da draußen, die gut genug sind.“
Medienexperten sind sich einig: Es muss etwas passieren
In welcher Form die Gebühren künftig genau erhoben werden sollen, ist noch nicht klar. Bei der New York Times denkt man eigenen Auskünften zufolge über ein „Verbrauchsmess-“ oder ein Mitgliedsschaftsmodell nach.
Die Mehrheit der Medienexperten ist sich einig, dass etwas passieren muss, wenn die Zeitungen überleben sollen. Der Finanzgelehrte Warren Buffet warnte kürzlich, den Zeitungen stünden potentiell „unendliche Verluste“ bevor, wenn es ihnen nicht gelänge, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat John Kerry seinerseits beobachtete, die Zeitungen erschienen inzwischen „wie eine vom Aussterben bedrohte Art.“
News-Corps-Boss Murdoch derweil verweist auf die jüngsten Exklusivberichte des britischen Telegraph über den Spesenskandal unter britischen Parlamentariern. Hierbei handele es sich um ein Beispiel für Journalismus, für den die Leser bezahlen würden: „Ich bin mir sicher, dass die Leute dafür gerne zahlen würden.“
Murdoch, der Konfrontationen selten scheut, machte deutlich, dass er sich für einen harten Kampf wappne. Doch: „Wir haben vor zu gewinnen.“