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Die letzten beiden Tage wurde man regelrecht überschwemmt mit einem auf Carta veröffentlichten Artikel, der da lautete: „<a href="http://carta.info/168
Die letzten beiden Tage wurde man regelrecht überschwemmt mit einem auf Carta veröffentlichten Artikel, der da lautete: „Die Medienkrise ist auch eine Krise der kommerziellen Blogs„
Lesenswert sei er, wegweisend, erhellend und all das Zeugs.
Ich habe mir daraufhin dieses Internet ausgedruckt und heute Morgen beim Kaffee gelesen und schüttel heute Abend immer noch mit dem Kopf. In dem Artikel steht gar nichts, was nicht bereits vor mehreren Jahren besprochen wurde.
Schlimmer noch, es geht eigentlich immer noch um genau das Gleiche. Beim Upload-Magazin hätte man dank der eigenen Hinweise auf eigenes Material anhand der Jahreszahlen durchaus drauf kommen können.
Diese Feststellung ist auch bereits das grundsätzliche Problem der kommerziellen Blogs in Deutschland. Nicht nur, dass sich die Blogosphäre am liebsten mit sich selbst beschäftigt, sie redet auch immer wieder und wieder über das gleiche Thema. Mit anderen Worten, aber keinen neuen Ideen. Das, was an Neuerungen auftaucht, gab es Monate vorher schon anderswo auf der Welt und ist entsprechend erprobt.
Man lebt und trottet in ausgetretenen Bahnen vor sich her. Die manifestierte Perspektivlosigkeit offenbarte dann spätestens das deutsche Internetmanifest. Weder war der Name Programm noch gab es Details. Entwickelt hat sich daraus aber etwas, nämlich die Feststellung, dass die immer gleichen Leute den immer gleichen Blödsinn nach außen Posaunen und in ihrer Besetzung die Diskussion über die breite Öffentlichkeit nicht in die Tiefe treiben können oder auch wollen. Da mag man bei Carta noch seltene Lichtblicke finden, ansonsten aber nicht.
In besagtem Artikel wird ein Fazit gezogen, welches bisher nicht wahrgenommen wurde: Blogs sollen zu Zeitungen mutieren. Die kleineren, flexibleren Plattformen sollen nichts anderes tun als sich zu einer Miniredaktion entwickeln, die vor allem eine niedrigere Kostenbasis hat. Aus dieser Position heraus besteht eine wesentlich höhere Chance auf Profitabilität als bei einer aufs Internet umgelegten Zeitung. Zumal das alles wesentlich authentischer wirkt und viel mehr Sympathie erntet.
„Professionelle Blogs = Zeitungen“
Das war die Message. Also eine Form der problemlosen Zeitung. Vor allem aber so spezialisiert, dass man nur einen Themenbereich abdeckt. Also der Teil einer Zeitung, halt nur internettig geschrieben.
Das nennt sich dann Innovation und Fortschritt. Wenn ich mich künftig informieren möchte, muss ich dann zu jedem Themenbereich 2-3 Blogs lesen. Dabei sterben aber die Zeitungen, also muss ich die auch noch lesen. Die bieten mir dann alle Themen, aber nicht internettig geschrieben und aufbereitet.
Ist das dann noch ein Blog und nicht eher schon ein Magazin? Dann wäre es eher eine Internetmagazinkrise, über die wir hier reden. Kommerzielle Blogs sollen genau das sein, was der Verfasser rät, dass sie es nicht nur sein sollen. Ein Meinungen verkündendes Medium. Würde man genau diesen Ansatz wählen, dann stellt sich im nächsten Schritt zum Beispiel die Frage, warum Interessengruppen sich für ihre Plattformen nicht z.B. einen Schreiberling leisten sollten. Also einen Blogger, der auf ihrer Linie ist und das ohnehin betreibt.
Für Zeitungen im Internet würde das die Frage umkehren, die man sich zurzeit stellt. Die Gemeinschaft der Leser leistet sich professionell schreibende Mitglieder innerhalb ihrer Gemeinschaft.
Werbung, in dieser Denkform, wäre dann nicht mehr als verkündendes Element ausgerichtet, sondern als Sponsoring. Als Partner mit einer Gemeinschaft und dies dient der Refinanzierung der journalistischen Angebote, die diese Gemeinschaft professionell generiert haben möchte.
Neue Werbeformen, für neue Publizistikmodelle. Content, der aus gesellschaftlichen Bewegungen heraus generiert wird.
Warum müssen Gemeinschaftsblogs gemeinsam sein? Jeder Autor kann für sich sein, und man nutzt eine gemeinsame Vertriebsplattform, die sich über Social Networks verbreitet und entsprechend gut verlinkt ist. Warum müssen Artikel Artikel sein? Sie könnten sich genauso gut zu thematischen Wikis weiterentwickeln und die User darüber mehr (ein)binden.
Es gibt sehr viele Dinge, die man tun könnte, wenn man denn wirklich professionell aus einem Blog heraus arbeiten möchte. Es wird aber weder getan noch wirklich diskutiert. Man wartet, was kommt und hofft, dass sich dann alles weiterentwickelt und dabei das goldene Ei für einen selbst gelegt wird. Derweil lamentiert es sich gut, über die Krise, und freut sich noch besser, über die sterbenden Zeitungen.
Es ist kein gescheiter Geschäftsplan zu sagen: „Ich schreibe jetzt im Internet über Tech und kassiere Werbung.“
Generell hat sich für Blogs in den letzten Jahren eine Menge geändert. Kleinigkeiten, die man früher in seinen Blog schrieb, landen heute eher bei Twitter oder Facebook. Dadurch verschwindet aus den Blogs ein Teil der Persönlichkeit, die sie charmant machten. Es wird also technischer und themenfixierter. Der Vorteil ist, dass Artikel dabei an Tiefe gewinnen (können).
Der Markt wird dadurch übersichtlicher und Blogs werden endlich als das wahrgenommen, was sie schlussendlich sind: Ein Stück Software zur Befüllung einer Website. Es muss nicht zwangsläufig als Tagebuch daherkommen. Es kann alles sein oder auch nichts.
Eine ziemlich gute Veröffentlichungssoftware wohlgemerkt, die sehr viel ermöglicht. Als Plattform aber sehr unflexibel, da Blogs bisher nur als Raumstation in den unendlichen Weiten liegen und sich sehr schwer tun, den Wandel zu Raumschiffen zu vollziehen, die flexibel und vor allem schnell überall andocken und ablegen können. Die der flexibelste Teil des Internets sind, was die Darstellung betrifft. Die aber ihre direkte Verkündungsmacht an die Waves, Twitters und Facebooks dieser Welt abgeben, in dem sie sich ihnen anschließen und es ihnen komplett überlassen. Als Anfang.
Wer das nicht versteht und wer das nicht verstehen will, den hole der Markt.
P.S.: Regionalcontent ist ein oft bemühter Trend. In einer gloablisierten Welt, ist Content in deutsch als solcher einzustufen.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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