Kultur

Karikaturenstreit | 01.03.2010 16:00 | Lars Eriksen

Die dänische Entschuldigung

Politiken wird heftig angeriffen, weil sie sich für die Mohammed-Karikaturen entschuldigen will. Im Gegenzug lassen die muslimischen Organisationen ihre Klage fallen

Die dänische Zeitung Politiken hat sich am Freitag bei acht muslimischen Organisationen für die Beleidigung entschuldigt, die der Nachdruck der kontroversen Mohammed-Karikaturen in den Augen vieler Moslems darstellte. Im Gegenzug ließen die Organisationen ihre Klage gegen die Zeitung fallen. Die Vereinbarung zwischen der Zeitung und den Vertretern von 94.923 Nachkommen des Propheten sieht vor, dass Politiken eine Entschuldigung abdruckt, in der sie sich für den Affront entschuldigt, den die Zeichnungen darstellten.

Sie verzichtet aber nicht auf ihr Recht, die Karikaturen abzudrucken und entschuldigt sich auch nicht dafür, dies im Rahmen ihrer Nachrichten-Berichterstattung getan zu haben. In einer gemeinsamen Erklärung gaben beide Seiten bekannt, sie seien mit der außergerichtlichen Einigung sehr zufrieden und hofften, diese könne „ein wenig dazu beitragen, die gegenwärtig sehr gespannte Lage zu aufzulockern“.

Der Entschluss stieß allerdings bei vielen dänischen Medien und Politikern auf große Ablehnung. Der Chefredakteur der Zeitung Jyllands-Posten, die die Karikaturen 2005 als erste abgedruckt hatte und vom selben Medienkonzern herausgegeben wird wie Politiken, erklärte, das Schwesterblatt habe im Kampf um die Meinungsfreiheit versagt und sprach von einem „traurigen Tag“ für die dänische Presse.

Kurt Westergaard, einer der Karikaturisten, der wegen seiner Zeichnung Anfang Januar zuhause überfallen worden war, sagte, die Zeitung habe die Meinungsfreiheit verraten. „In Dänemark spielen wir nach bestimmten Regeln, von denen wir nicht abrücken, und eine davon stellt die Meinungsfreiheit dar“, sagte er der Zeitung Berlingske Tidende. „Politiken hat Angst vor terroristischen Übergriffen. Ich kann das sehr gut verstehen. Das ist äußerst bedauerlich.“

Die Vorsitzende der rechtsgerichteten Dänischen Volkspartei, Pia Kjærsgaard, sprach von einer absurden Situation. Sie forderte alle dänischen Blätter dazu auf, die Karikaturen aus Protest gegen die von Politiken mitgetragene Einigung erneut abzudrucken. „Es ist äußerst beschämend, dass Politiken-Chefredakteur Tøger Seidenfaden die westliche Presse- und Meinungsfreiheit verraten hat. Ich kann mich davon gar nicht genug distanzieren.“

Eine absurde Situation

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Helle Thoring-Schmidt, kritisierte die Entscheidung von Politiken ebenfalls: „Es ist verrückt. In den Medien gibt es jeden Tag Material, das von irgendjemandem als anstößig empfunden werden kann. Gerade deshalb brauchen wir doch die Meinungsfreiheit.“

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Im vergangenen Jahr hatte sich der saudi-arabische Anwalt Faisal Yamani mit der Forderung an elf dänische Zeitungen gewandt, sie sollten die Mohammed-Karikaturen von ihren Internetseiten entfernen, eine Entschuldigung abdrucken und versprechen, die Karikaturen niemals wieder zu verwenden. Zunächst hatte Seidenfaden diese Forderung mit der Begründung zurückgewiesen, die Zeitung habe die Pflicht gehabt, die Karikaturen im Rahmen ihrer Berichterstattung abzudrucken, als Westergaard das Opfer eines mutmaßlichen Mordanschlages geworden war.

Yamani, der nun für die Nachkommen Mohammeds die Einigung aushandelte, zeigte sich über die außergerichtliche Einigung zufrieden. „Es wäre dabei falsch, von einem Sieg zu sprechen. Beide Seiten haben den Punkt erreicht, an dem sie die Hintergründe des Geschehenen verstehen. Politiken zeigt mit der Entschuldigung Mut, auch wenn es gar nicht in ihrer Absicht lag, jemanden zu beleidigen.“

Die dänische Zeitung Jyllands-Posten veröffentlichte im September 2005 eine Reihe von Karikaturen des Propheten Mohammed und wollte damit erklärtermaßen der Meinungsfreiheit eine Lanze brechen. Zunächst zeigten die Karikaturen wenig Wirkung. Als sie dann aber von norwegischen Zeitungen nachgedruckt wurden, entbrannte ein Sturm von Protesten, die im Nahen Osten auch gewalttätig verliefen. Im Februar 2006 eskalierte dann die Gewalt, als auch Zeitungen in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien die Karikaturen nachdruckten. Die Redaktionsräume von Jyllands-Posten mussten aufgrund von Drohanrufen mehrfach geräumt werden.

Die Proteste griffen auf andere arabische Länder über. Saudi Arabien, Libyen und Syrien boykottierten dänische Waren wie Lego und Bang & Olufsen. 2006 wurde die dänische Botschaft in Damaskus niedergebrannt, weitere wurden angegriffen und Westergaard musste abtauchen. Seine Zeichnung eines bärtigen Mannes, der eine Bombe im Turban trägt, wurde diejenige, über die die Menschen am meisten diskutierten, dabei, so Westergaard, habe er mit der Zeichnung nicht notwenig Mohammed darstellen wollen.

In der islamischen Tradition wird der Entwurf und das Zeigen des Propheten als Blasphemie bewertet.
 

Übersetzung: Holger Hutt
 
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Artikelaktionen
Kommentare
el greco schrieb am 01.03.2010 um 19:36
eine karikatur überzieht, überzeichnet bewusst personen, gegebenheiten, usw. aus gesellschaftlichen, politischen, sportiven, kulturellen...bereichen, sie ist zunächst ein
künstlerisches mittel um zu kritisieren, aufmerksamkeit zu erregen, auf unebenheiten, unstimmigkeiten, ungleichheiten, usw. hinzuweisen, ob nun aus tatsächlich politischer motivation oder künstlerischer verspieltheit heraus, die ergebnisse sind
schlussendlich eine form künstlerisch-freitheitlicher meinungsäusserung.

über die jahrhunderte hinweg entstanden allerlei beispiele grotesker, unsachgemäßer, wiederlicher, unangebrachter, staatssystemtreuer, staatssystemkritischer, aber auch amüsanter, treffsicherer und unterhaltsame überzeichnungen.

wo setzen bei den betrachtern das stilverständnis und die schmerzgrenzen der toleranz an?
ab wann fühlen sich rezpienten, gruppierungen...persönlich angegriffen.
überall und nirgends, weil stets eruierbar die menschen, individuen, gruppierungen, gleichgesinnte, interessenvertreter...ebensolcher divergierender meinungs- und genuinen geschmacksbildern unterliegen und ihnen nicht
immer von vornherin vorurteilsfrei ausgesetzt sind.

präsentiert ein künstler pornographisches, ob fotografien, plastiken oder dergleichen, wird es mit sicherheit gegensätzliche auffassungen von unterschiedlichen menschengruppen geben.
die einen empfinden es als widerlich, geschmack- u. einfallslos, andere wiederum als kunstvoll-einfallsreich und unbedingt sehenswert.

wird ein bombentragender, humpelnder, mit einer gasmaske gekreuzigter religionsgründer
überzogen dargestellt beginnt sich bei den gruppierungen nichts anderes als obengenanntes abzuspielen.

natürlich tummeln sich gedanklich-plumbe "schmierer", reine provokatuere herum, denen es weniger um eine persönliche meinungsbildung sondern vielmehr um bitterböse provokationen geht, aber warum sollte man ihnen deswegen eine der ältesten menschlichen ausdrucksformen - nämlich das zeichnen, kritzeln...- verbieten oder sie gar mit morddrohungen überhäufen.

ein kabarettist überzieht personen, gegebenheiten...mit hilfe der sprache, ob nun in form niveauloser tiefschläge oder sprachartistischer raffinesse, was im fall dieter hildebrandts sogar zu einem partiellen tv-auftrittsverbot (bayerisches fernsehen) führte.
(eine für mich persönlich sehr bedenkliche reaktion innerhalb einer staatsordnung "freitlicher grundrechte".

wenn grenzenlos gewaltbereite gruppierungen heiligenbildnisse und karikierte puppen öffentlich anprangern, bespucken, , auf ihnen herumtrampeln, sie verbrennen, wenn sie menschen vor laufenden kameras bzw. videoaufzeichnungen bei lebendigem leib köpfe abtrennen, sollten sich diese nicht über striche echauffieren, dann müssen sie mit dementsprechenden gegenreaktionen - ob nun mehr aus blinder wut oder künstlerischer ambition heraus - rechnen.
ein blatt bzw. eine zeichnung tötet niemanden, sieht man einmal von den folgen unzähliger couragierter und mutiger menschen in totalitären systemen ab.
umgekehrt dasselbe meinungs(reaktions)spiel: karikaturen in unterschiedlichster ausdrucks- und stilform jeglicher art.
es ist eine art pattsituation, keiner will der "schwächere" sein, vergeben, geschweige denn nachgeben.

jeder sieht sich als etwas auserwähltes, ganz besonderes, gut, dann soll er es mit friedlichen mitteln beweisen und praktizieren.
und wieder zeigt sich hier eine der älstesten menschlichen reaktionen und verhaltensweise.
von bestimmten interessenslagern aufgehetzte mengen, blinde wut...

für mich gehört die karikatur ("gute", fragwürdige, wiederliche...beispiele hin und her)zu einer der höchsten formen der kritik mithilfe künstlerischer mittel und des individuellen ausdrucks.
das überzeichnen setzt im idealen fall gute menschliche, gesellschaftliche, kulturelle...kenntnisse voraus.

niemand hat das recht deswegen die todessprache anzudrohen und sie im schlimmsten fall auch tatsächlich auszuführen.

in einer zivilisierten welt sollte die form der diskussion geführt und im alltäglichen miteinander, zuhören, verstehen...praktiziert werden.
sicherlich, ein großes und vielleicht auch zu weltfremdes, naives wunschbild unserer zeit.
el greco schrieb am 01.03.2010 um 19:38
p.s: von rechtspopulisten zeitungen und gruppierungen distanziere ich mich aufs schärfste.
Carl Gibson schrieb am 01.03.2010 um 20:02
Virtuos kommentiert, el greco!
Ein "Plädoyer für die Freiheit" aus künstlerischer Sicht!

Die freie "Meinungsäußerung" ist ein heiliges Recht, das zu allen Zeiten von mutigen Geistern gegen den Ungeist ihrer Zeit eingesetzt wurde. dafür brannten sie auf dem Scheiterhaufen.

Darf die demokratische Presse sich erpressen lassen?
Nach der Presse werden Staaten erpresst!?

Noch ein Wort zur "satirischen Provokation" in bildlicher Darstellung, speziell in der Karikatur:
Wie haben die Protestanten das dekadent gewordene Papstum (Borgia) gesehen?
Der Papst und "Antichrist" wurde als "Esel" dargestellt!

Trotzdem sollte man heute darauf achten, dass in aufgehetzter Zeit bestimmte Kunst, die überhaupt nicht blasphemisch oder intolerant wirken will, zu hetzerischen Zwecken instrumentalisert wird.
Auch die "Freiheit" kann missbraucht werden.
Carl Gibson
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.03.2010 um 23:33
Während die Hetz-, Schimpf- und Schandkanonaden gegen uns Westler, alle "Ungläubigen", in unzähligen Madrassen gelehrt und in Tausenden Moscheen gepredigt, geflissentlich überhört bzw. als Folklore abgetan werden, "entschuldigt" sich nun eine dänische Zeitung für den Abdruck von Karikaturen, die viele Moslems als untragbar ansehen, im Gefolge von Morddrohungen, Warenboykott gegen ein ganzes Land, eines Mordanschlags.
Das ist, von der Politik komplett im Stich gelassen, also einerseits verständlich wie andererseits schändlich.
In Afghanistan sollen junge Deutsche bluten, um Tausende Kilometer fern der Heimat vorgeblich Frauenrechte etc. zu schützen, während es in Wirklichkeit nur um geostrategische Interessen geht, und zuhause stellt sich kein (un-)verantwortlicher Politiker gerade hin und erklärt, dass man bei uns eben nicht nur über den hier sehr viel mehr verehrten Jesus Christus und den Papst sowie das Christentum allgemein, sondern eben auch über Mohammed und den Islam Scherze machen bzw. diese auch scharf und satirisch angreifen dürfe.
Sicherlich darf man das in Saudi-Arabien und anderen moslemischen Ländern nicht, deren Sache; wir aber verlieren so Stück um Stück all das, was seit Martin Luther über Voltaire und die Aufklärung bis in die Neuzeit in Europa unter großen Opfern erkämpft wurde: unsere Freiheit.
Wer das will, der möge es auch bitte so sagen.
Ich werde ihm weder dafür noch sonst jemandem für die unzähligen Male, als vielleicht meine "religiösen Gefühle" von irgendjemandem in Deutschland oder auf der weiten Welt verletzt wurden, mit Mord drohen.
Mit heftigem Widerspruch wird er aber rechnen müssen; und das ganze Geeiere von wegen, das sei ja etwas ganz Anderes und irgendwie nicht vergleichbar, und man müsse ja irgendwie sonstnochwas von Verständnis und Augenmaß und Toleranz (wie bitte?)...blablabla, wird ebenfalls als die feige Heuchelei entlarvt werden, die sich so nunmal entwickelt hat, besser so entwickelt wurde, derer viele wahrscheinlich durchaus unbewusst aufgesessen sind, aber beileibe nicht alle, zumal nicht deren Protagonisten.
Man muss sich nicht wundern, dass Netzseiten wie "politically incorrect" regen Zulauf erhalten, wenn die eigene gewachsene Kultur Europas in dieser Weise Leuten geopfert wird, die ihrerseits die "Toleranz" des Islam für uns vorhaben.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.03.2010 um 23:52
Nachtrag
Noch ein wenig Klartext: Wieso sollte ich orchestrierte oder auch tatsächlich persönlich empfundene Wut von Menschen in Ländern, wo wahrscheinlich vor diesen Karikaturen kaum einer wusste, wo Dänemark überhaupt auf dem Globus zu finden sei, wie auch von solchen hier in Europa, die vielleicht schon davon gehört haben, dass man dort Speck mag und gerne mal einen Aquavit zwitschert, in irgendeiner Weise zum Maßstabe nehmen, solange diese nicht gegen Hände- und Köpfeabhacken sowie für gleiche Frauenrechte auf die Straße gehen?
Unvorstellbare, regelhafte Grausamkeiten sind kein Thema, aber wenn der Prophet "beleidigt" wird, dann sollen wir Westler uns alle noch fürchterlich schuldig fühlen und Abbitte leisten?
Leben wir denn im Tollhaus?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 00:16
Nachtrag II
"In der islamischen Tradition wird der Entwurf und das Zeigen des Propheten als Blasphemie gewertet."
Das beeindruckt mich ja ganz gewaltig. In meiner persönlichen Tradition wird das Steinigen einer "Ehebrecherin" als gemeinschaftlich begangener Mord gewertet, wöfür jeder einzelne Beteiligte entsprechend zu bestrafen ist.
Und die Ehelichung einer Sechsjährigen und deren Entjungferung im Alter von neun Jahren wird von mir als, wenn von den Eltern eingewilligt wurde, Kindersexsklavenhandel gewertet; andernfalls als Kindesentführung zum Behufe des fortgesetzten sexuellen Missbrauchs; den anschließenden "Vollzug der Ehe" werte ich in meiner Tradition als schweren Kindesmissbrauch, unabhängig davon, ob eine Vergewaltigung im engeren Sinne noch nötig wurde, oder auch nicht (Aische).
Habe ich jetzt etwas gesagt, das die Redaktion lieber löscht, da ich etwa gegen "Netiquette" oder "AGB" verstieß?
War das Verbreiten einer publizistisch untragbaren, gar "gefährlich reaktionären" Rechtsauffassung?
Fritz Teich schrieb am 02.03.2010 um 00:27
Ich fand die Karikaturen nicht so gut. Kuenstlerisch und ueberhaupt. Eben diese merkwuerdige Bewegung, die uns vor angeblichen Gefahren einer Religion warnen will. Der blanke Hass.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 01:22
Ich habe meine Kommentare für den Fall deren Zensur nicht nur gespeichert, sondern auf meinem Blog www.unzensiert.zeitgeist-online.de/ dazu auch noch gesondert darauf verwiesen, dass der feine Anwalt, der diese Sache für die moslemischen Organisationen ausgehandelt hat, ein Saudi-Araber ist.
Da kennt er sich dann wohl nicht nur mit dänischem Recht aus und weiß dessenthalben wohl auch, was er im Sinne streng koranischer Toleranz vorzubringen hat.
weinsztein schrieb am 02.03.2010 um 01:45
Meiner Meinung lohnt keine weitere Kommentierung dieses Artikels von Lars Eriksen. Der Inhalt ist dünn. Seine Sprache ("Die Vereinbarung zwischen der Zeitung und den Vertretern von 94.923 Nachkommen des Propheten sieht vor, dass ...") scheint mir nicht so ganz frei von Vorurteilen zu sein.

Der Beitrag bedient einen "islamkritischen" Eiferer, der sich binnen zwei Stunden gleich vier mal hier eintrug. Und der sich sonst gern des Neonazismus verdächtiger Plattformen wie die der "Junge Freiheit bedient.
Alien59 schrieb am 02.03.2010 um 07:12
Da muss ich mich deiner Meinung anschließen.

Und außerdem fragen: stellen sich denn diese Verteidiger der hehren Meinungsfreiheit zur Verunglimpfung des Propheten auch ebenso eindeutig auf die Seite derer, die anti-israelische Karikaturen herstellen und verbreiten? Erst kürzlich gab es da in Köln Ärger wegen einer ausgestellten Zeichnung. Da habe ich aber von Meinungsfreiheit wenig gehört....
Calvin schrieb am 02.03.2010 um 02:11
Puh, gut dass ich mir um politische Korrektheit bei meinem Beitrag keinen Kopf machen muss.

Es werden zahlreiche Themen angerissen und miteinander vermischt und das macht es schwer, zu einer klaren Linie zu finden.

1. Wieviele Muslime können überhaupt lesen und schreiben?
2. Wie viele haben keine Arbeit und damit viel Zeit für Blödsinn?

Müssen wir Medienkritik aus einer Kultur des Bilderverbots ernst nehmen?

Fahnenverbrennen gehört ja nun auch nicht unbedingt zum guten Ton, von Botschaften anzünden ganz zu schweigen.

Mögen wir die Pressenfreiheit? Die "Bild" handelt doch auch gerne in deren Namen und sie ist ein Schandfleck der Nation (weswegen sie übrigens nicht mehr den Namen "Zeitung" tragen darf).
Es gibt im Rahmen der Pressenfreiheit Dinge, die Erlaubt sind und andere, gegen die man sich juristisch zur Wehr setzen kann.
Auch innerhalb einer demokratisch verfassten Nation sind das Regeln, die sich im Fluss befinden.
Wir haben aber bisher die Erfahrung gemacht, dass schlimmer als die Pressefreiheit die Zensur ist und uns daher mit dem kleineren Übel abgegeben.

In Kulturen, in denen der Ehrbegriff noch eine größere Bedeutung hat als die, die er bei uns vor 100 Jahren besaß,
ist ein rationaler Umgang mit Medieninhalten oft etwas schwieriger.
Und natürlich darf man auch getrost die Frage in den Raum stellen, ob Pressefreiheit nicht auch einen Verantwortungsvollen Umgang damit gebietet. National, aber eben auch international, weil durch die heutige Vernetzung informationen ein viel größeres Verbreitungspotential haben.

Und dass Jyllandsposten als -gelinde gesagt- Konservatives Blättchen sich zum Hüter der Pressefreiheit aufspielen wollte (und vielleicht wieder will) ist sowieso ein Witz.
Bei dem Spiel der hochkochenden Emotionen gewinnen die verursachenden Medien auf jeden Fall (auch wenn der ein oder andere Reporter in einer dunklen Gasse dresche bekommt) Aufmerksamkeit und Auflage.

Wollen wir von solchen Käsblättern aus dem rechten Randbereich unsere Pressefreiheit verteidigen lassen?
Das ist doch lächerlich.

Auf der anderen Seite kann es auch nicht angehen, im eigenen Land um sein Leben fürchten zu müssen, nur weil man der Meinung ist, die Verschleierung der meisten muslimischen Frauen sei das beste für die ganze Welt. Weil, das ist ja Meinungsfreiheit.
Fro schrieb am 02.03.2010 um 15:46
Pressefreiheit muss sein, aber keine Freiheit zur Hetze.

Der Terror einiger islamistischer Organisationen hat mit dem Islam als Religion überhaupt nichts zu tun. Ebenso, wie Bush seinerzeit seine Kriege als gottgewollt hinstellte, machen es die fanatischen Islamisten, indem sie sich auf Allah berufen. Religionen und ihre Götter werden missbraucht.

Besonders übel fand ich die finstere Mohammeddarstellung mit Turbanbombe. Die erinnerte mich in ihrer Machart an die verzerrten Judendarstellungen in der NS-Zeit.
Ich hänge keiner Religion an, aber das berührt sogar mich. Und genauso widerlich hätte ich es gefunden, wenn man Jesus als GI-Kämpfer in verzerrter finsterer Darstellung im Dienste Bush`s veröffentlich hätte.
Die Karikatuern sind geeignet, den Menschen ein ganz bestimmtes Bild vom Islam in die Köpfe zu pflanzen und Ängste zu schüren.
I.D.A. Liszt schrieb am 02.03.2010 um 18:23
@ Fro:

Dem kann man nur eins hizufügen: "Dem ist nichts hinzuzufügen."
zelotti schrieb am 02.03.2010 um 16:00
Nun ja, es war ja eine bewusste Provokation der Karikaturisten. Wasser auf den Mühlen der Islamkritiker.

@Fro: So empathisch haben sich die Kritiker der Karikaturen damit nicht auseinandergesetzt.
Fro schrieb am 02.03.2010 um 16:48
@zelotti

Ja, was die daraus gemacht haben, ist noch eine andere Geschichte.
Carl Gibson schrieb am 02.03.2010 um 17:09
Ein aufgeklärter, toleranter Mann von Welt wird eine andere Kultur und Religion so hinnehmen, wie sie ist, wenn er sich untere andere Völker begibt, in andere Länder reist.
Er wird nicht mit seinem "modernen" Menschenbild und seiner nachreformatorisch-aufgeklärten Weltsicht an eine archaisch-feudale, gar "primitive" Kultur heran treten, um sie verändern zu wollen. Er kann sie nur akzeptieren. In religiös definierten Tabus herumrühren und herumstochern ist deplatziert, weil jeder so sein darf, wie er es will.
Treffen Kulturen aufeinander wie heute hier und sonstwo auf der Welt, kommt es zu Reibereien, zu Provokationen und Anfeindungen, nur weil einer die (religiös-kulturelle) Eigenheit des anderen nicht akzeptieren will.

Von Gott (Allah) und seinem Propheten Mohammed soll man sich kein Bild machen - so wollen es die arabischen Völker, die Moslems, der Islam. Es zeugt von Empathie, dass zu respektieren, auch wenn man sonst gern Autoritäten, Symbole, Werte etc. kritisch hinterfragt und in Frage stellt.
Die eigene Freiheit (des westeuropäischen Christenmenschen und Aufklärers endet dort, wo die Freiheit der anderen (Moslems, Juden, Buddhisten, Taoisten etc. beginnt.
Weshalb provozieren? Weshalb eine Grenze überschreiten, die die Intimsphäre (das Verhältnis des anderen zu Gott) überschreitet?

Nur wer bewusst "hetzen" will, sucht diese Konfrontation!

Wir können nicht die Kulturen und Religionen so nivellieren und harmonisieren wollen, dass alles zu einem Brei wird. Jedem das Seine!
Legitim ist allerdings die Fragestellung, ab welchem Punkt die "universellen Menschenrechte" angesprochen und eingefordert werden sollen. Was im Ausland, in der Heimat anderer Völker zulässig ist, muss hier nicht auch "so" toleriert werden, wenn es nicht zu Parallel-Gesellschaften kommen soll und zu argen Diskrepanzen im Rechtsbereich.
Wo Reformen notwendig sind, etwa auf dem Gebiet der Frauen-Rechte, sollen sie im Ursprungsland umgesetzt werden, durch die Opposition dort, wobei die Bedingungen vor Ort respektiert werden müssen. Ein westliches "Demokratieverständnis" in archaisch-halbfeudale Länder tragen und dort implementieren zu wollen, ist eine "reine Illusion". Die Sowjets machten diese Erfahrung in Afghanistan - und die USA mit ihren willigen Verbündeten wird sie auch machen und desillusioniert abziehen wie einst aus Vietnam. Ich plädiere nach wie vor für mehr "interkulturelle Sensibilität", wenn nicht noch mehr Porzellan zerschlagen werden soll. Carl Gibson
zelotti schrieb am 02.03.2010 um 20:51
Ja und Nein. Es geht hier ja um Auseinandersetzungen an der "Heimatfront". Im übrigen sollte man vielleicht nicht unbedingt Bevölkerung und Regime gleichsetzen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 23:17
Bemerkenswert an dieser Diskussion hier ist, dass mit Ausnahme meiner Wenigkeit bislang kein Diskutant explizit Stellung dazu bezogen hat, ob die Mohammed-Karikaturen, unabhängig von deren ästhetischer oder persönlich-moralischer Beurteilung, an sich statthaft waren und damit im Sinne der Meinungsfreiheit zu verteidigen seien oder eben nicht; damit wurde zur Kernfrage, zur Krux, zum Eigentlichen der Sache, mit unterschiedlichen Akzenten zwar, einfach nichts Verbindliches gesagt.
Man ist so ein bisschen für, aber auch ein bisschen gegen zuviel Meinungsfreiheit, hält sich alle Hintertüren offen, erzählt allgemein von Respekt und interkulturellem Dialog, aber legt sich lieber mal in keiner Weise fest.
Das verwundert nicht: Zwar hat man wohl berechtigtermaßen keine große Angst, dass demnächst Millionen beleidigter Göllers Fahnen und Botschaften anzünden und mit Äxten auftauchen, aber angesichts einer Religion, die man als Linker außer bezüglich der Aspekte Rassismus und Nationalismus (die der Koran meines Wissens tatsächlich nicht vorgibt) in fast allen Aspekten traditionell als "faschistoid" oder glattweg faschistisch begreifen müsste, allein schon ob ihres totalitären Absolutheitsanspruches und der Stellung der Frau, scheint einem doch etwas mulmig zu werden, was man aber doch wieder nicht wirklich zugeben darf im Sinne dessen, dass eine klare Grenzlinie zu ziehen wäre, und da man natürlich auch nicht unangenehm auffallen will.
Also verliert man sich im Üngefähren, "irgendwie Linken", filibustert und setzt darauf, dass man eigentlich gar nicht wirklich etwas mit dem Thema zu tun habe, fordert von der eigenen Gesellschaft Toleranz und nochmals Einfühlungsvermögen, während der Gegenseite keinerlei klare Signale gesetzt werden, wo denn deren Begehr nach Vorherrschaft in Kultur und Recht bei uns tatsächlich ende.
Das nenne ich Dialektik der Verdunkelung.
Calvin schrieb am 03.03.2010 um 00:15
@Magnus Göller

Einverstanden. Dann will ich mal klar Stellung beziehen: Eine Karikatur hat, genau wie Satire, die Funktion, eine Situation pointiert und auch durchaus übertrieben darzustellen. Das ist in Deutschland und dem größten Teil von Europa erlaubt (wobei ich nicht weiß, inwieweit der Tatbestand der Volksverhetzung dabei berührt wird [gibt doch bestimmt einen Juristen in der Community;])

Da diese Karikaturen nicht in einer Saudischen Zeitung oder einem anderen muslimischen Land erschienen, ist auch nicht deren Presserecht anzuwenden bzw. auf deren Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. Ein Einfühlsamer Mensch könnte und sollte dies vielleicht tun, muss dies rechtlich aber nicht.

In unseren Medien darf absolut brutal und ungeschönt mit heiklen christlichen Themen umgegangen werden -dann auch ganz klar genauso mit islamischen. Das hat dann halt Konsequenzen, bei denen man sehen muss, wie man sich verhält. Jedenfalls kann dabei viel Geschirr in den Beziehungen zu diesen Ländern kaputt gehen. Aber rechtlich finde ich das Okay: Die Pressefreiheit ist ein fundamentales, zu schützendes Gut, auch wenn in ihrem Namen viel Schund und Schabernack getrieben wird.

Und der "Westen" ist ja nun auch schon seit einigen Jahrzehnten damit beschäftigt, Muslime an dieser Welt zu erschießen.
Das macht mich stärker betroffen, als der etwaige ruppige Umgang mit religiösen Gefühlen.

Oder sollen wir sagen, "Wir verstehen euch total, eure Probleme, religiösen Gefühle etc. und haben euch total Lieb; aber wegen einiger Differenzen und der Lotterie der Natur steht ihr blöderweise auf der falschen Seite. Blöderweise für euch, weil wir haben die viel besseren Waffen und die Bereitschaft, sie gegen euch einzusetzen. Aber nehmt das nicht persönlich, wir verstehen euch und essen auch einmal im Monat Kebab."

So, ich denke, damit habe ich genug Stellung bezogen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.03.2010 um 01:27
Danke, lieber Calvin,
das ist deutlich.
Und ich bin mit Ihnen darin völlig eins (und sage das schon immer und überall), dass wir moslemischen Ländern nichts aufzuzwingen haben, schon gar nicht mit Waffengewalt.
Grüße
MG
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.03.2010 um 02:04
Ich will noch anfügen, lieber Calvin, ich teile auch Ihre Verachtung der diesbezüglichen westlichen Heuchelei, die allerdings von den einschlägigen Kriegstreibern selbst stammt und, zumindest in Deutschland, trotz gewaltiger Propaganda und der bellizistischen Übereinstimmung aller großen Parteien außer der Linken, keinen Rückhalt im Volke findet.
Immerhin ein Lichtblick.
weinsztein schrieb am 03.03.2010 um 02:25
Getretner Quark
wird breit
nicht stark.

Soeben las ich den 7. Göller. Starkes Beispiel für den Kampf um Meinungshoheiten. Links blinken, strammrechts abbiegen;)
Calvin schrieb am 03.03.2010 um 03:11
Aus euren Animositäten halte ich mich raus;)

Eigentlich könnte uns der ganze Kram auch ziemlich egal sein, wenn wir nicht so voller Sendungsbewusstsein wären und die Muslime nicht so verdammt viel Erdöl hätten, auf das wir noch angewiesen sind.

Es ist eine einfache Sache: Was sehen wir als innere Angelegenheiten eines Landes an und was nicht? Und die Einmischung in Gesellschaften unter dem vordergründigen Vorwand, sie demokratisieren zu wollen führt zu Konflikten. Kauft unsere Produkte und habt die Führer, die uns gegenüber loyal sind. Außerdem, wer kann Amerikas Demokratie nach Bush jr. noch ernst nehmen? Den Staat muss man ernst nehmen, da für haben sie zu viel Macht, aber das System...

Es geht bei solchen Dingen neben der Ökonomie, verschiedenen Wertvorstellungen etc. auch um Respekt. Man könnte sagen, wenn die uns nicht respektieren, dann tun wir das auch nicht. Und, hihi, wie lustig, wie die durchdrehen, wenn wir Mohammed hinter einer Ziege abbilden (was ich persönlich weniger verwerflich finde, als hinter einem 9 jährigen Mädchen, aber mich fragt ja keiner).
Vielleicht haben wir als Gesellschaft, oder zumindest viele von uns, keine Werte mehr, die solche Emotionen auslösen.

Das muss nicht schlecht sein, aber dann könnten wir nach dem Motto verfahren, was stört es den Mond, wenn ihn der Hund anbellt? Einfach zurückstrahlen!

Aber offenichtlich sind viele dazu nicht in der Lage. Und für die Medien, wie gesagt, ein Bombengeschäft. Das aber auch sie treffen kann: Die Einheimischen Unternehmen bedanken sich dann vielleicht bei ihren Zeitungen, dass wegen einer tollen Kampagne mal wieder ein Boykott verhängt wurde, dass ihre Geschäftspartner verärgert sind etc. Dann kommt es auf dieser Schiene zurück, und die Pressefreiheit bleibt gewahrt.

Es ist eine Frechheit, zu verlangen, wir müssten unser System ändern, weil einige sich darin nicht benehmen können. Genauso wie es eine Frechheit unserereins ist, unsere Wertmaßstäbe befolgt sehen zu wollen. Und genau da gilt: Bei unüberbrückbaren Wertedebatten sollte man sehr behutsam miteinander umgehen. Wenn einige Medien das nicht wollen, dann kann man sie nicht gesetzlich dazu zwingen, aber es gibt viele andere Mittel, sie zur Vernunft zu bringen.

Wenn euch ein 5 Jähriger Junge mit aller Kraft gegen das Schienbein tritt, tretet ihr dann mit voller Kraft zurück?

Die Regeln unserer Kultur sind sehr verschieden, und wir können nicht erwarten, dass sie verstanden werden. Und wenn sie verstanden werden, müssen sie noch lange nicht auf Verständnis stoßen.
Und dennoch kann man vernünftig miteinaner umgehen.

Die Paar Verrückten in den beteiligten Gesellschaften, sind nun mal die, die am lautesten Bellen und gerade das, macht sie für Massenmedien Interessant. Die leisen Töne sind da langweilig.

Also, haben wir Geduld mit unseren Heißblütigen Nachbarn! Erklären wir ihnen in aller Geduld, dass es bei uns Menschen gibt, die soetwas schreiben dürfen, ohne gleich gesteinigt zu werden. Und das deswegen nicht alle so denken. Und es auch wahnsinnig nette und tolerante Menschen unter uns gibt. Sie können ruhig schreien und mit den Zähnen klappern, aber ändern werden sie das nicht.
Und das es nicht bedeutet, wir wären mit diesen Hetzern einverstanden, nur weil sie ihre Meinung herausschreien dürfen.
Rahab schrieb am 03.03.2010 um 09:16
wenn ich den recht mageren bericht über das eigentliche geschehen richtig verstehe, dann haben nachkommen des propheten mit hilfe und im rahmen dänischen rechts die redaktion/eigentümerschaft der zeitung zu einer vergleichsweisen einigung bewegt. und wenn ich das ungeschriebene weiter richtig verstehe, dann bewegte sich das ganze nicht auf der ebene 'verletzter religiöser gefühle' sondern auf der, welche hierzulande "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" heißt.
so what? die alternative wäre wohl ein erheblicher wirtschaftlicher schaden gewesen. also tat die zeitung das, was andere auch tun. sie hat eine abwägung vorgenommen.
man mag das beklagen. aber verurteilen? und gar so schrill und völlig neben der sache?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.03.2010 um 00:39
Welche "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener", liebe Rahab (es müsste wohl, wenn von Ihnen immerhin mal löblicherweise die Großschreibung beachtet wird, "Angedenken" heißen), soll denn hier vorgelegen haben?
Der im Dschihad im achten Jahrhundert in Spanien Gefallenen Krieger des Propheten, oder wessen?
Sie sind noch nicht einmal in der Lage, vom Thema einigermaßen klug oder zuwenigst sprachlich richtig abzulenken.
Filibustern alleine reicht nicht, und wenn Sie sich schon in Verschleierung versuchen, dann bitte etwas professioneller, sonst ist es zu langweilig.


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