Kultur

Loveparade | 28.07.2010 15:00 | Anna-Lena Krampe

Digitaler Homo Faber

Die Amateur-Aufnahmen von der Loveparade machen es nur allzu deutlich: Die Digitalisierung der Welt hat die Kulturtheorie von einst auf den Kopf gestellt

Täglich tauchen neue Katastrophen-Videos von der Loveparade in Duisburg auf. Verwackelte Bilder zeigen Menschen, dicht an dicht gedrängt, schreiend, weinend. Sie werden über Geländer gezogen und fallen doch wieder in die Massen herab, kämpfen um ihr Leben. Und immer wieder blitzen auch Fotoapparate, werden Handykameras hochgehalten, die versuchen, das Schicksal Hunderter festzuhalten. Diese Amateur-Videos sind die einzigen Bilder kurz vor oder nach dem Unglück mit mittlerweile 21 Todesopfern. Sie verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit über Youtube, Twitter und andere Internetforen, werden zu Tausenden geklickt.
 

Tatsächlich hautnah dabei waren aber nur die Amateur-Filmer selbst, was schrecklich genug ist. Was bewegte diese Menschen, den Schrecken auch noch auf Video festzuhalten? Ein Kommunikationstheoretiker liefert in einer Nachrichtensendung eine Erklärung: Die Menschen filmten, um sich selbst vor der unmittelbaren Katastrophe zu schützen. Ich filme den Schrecken, um ihn nur mittelbar vor Augen zu haben. Die Linse als Filter zur Welt. Schon Max Frisch hat dieses Motiv seinem Walter Faber unterstellt. Die Figur fürchtet sich vor dem Zufall, der in sein geregeltes Leben eindringt. Plötzlich bringt ihn sein eigenes, einst rationales Leben durcheinander, es ängstigt ihn. Faber tritt die Flucht in eine technische, hochgradig rationalisierte und so vermeintlich sichere Welt an: Er fotografiert seine Eindrücke, um sich selbst vor ihnen zu schützen.


Mag dieser Ansatz zu Frischs Zeiten der anfänglichen Technisierung noch zutreffend gewesen sein, heute – und besonders im Fall der Katastrophe von Duisburg – ist er längst überholt. Die Menschen von heute, vor allem die jungen, wissen um die Möglichkeiten der digitalen Welt. Sie filmten das Unglaubliche nicht, um vor ihm zu flüchten oder es wegzuschieben. Sie filmten, um es greifbar zu machen, es festzuhalten. Heute lautet das Motto: Nur was ich sehe, kann ich auch glauben, ist auch wirklich passiert. Das Internet als Quelle, die die Sensationsgier vieler tausend User befriedigt, ihnen gibt, was Nachrichtensendungen dieses Mal nicht liefern können: das Gefühl, direkt dabei zu sein, den Schrecken hautnah zu spüren, Realität zu erleben. Die digitale Welt hat die Theorie von einst auf den Kopf gestellt.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
nachgetragen schrieb am 28.07.2010 um 16:18
Das ist eine sehr freundlcihe Sicht der Dinge. Meines Erachtens zählt zu den Motiven, solche Videos und Fotos zu machen, auch die Sucht nach den 15 Minuten Ruhm. Wenn schon nicht bei MTV oder DSDS, dann wenigstens über Youtube oder als Bild-Leserreporter.
Anna-Lena Krampe schrieb am 28.07.2010 um 17:12
Bzgl. der Ruhmsucht bin ich mir nicht sicher. Bei den tausenden Videos, die auf Youtube gepostet werden, gehen einzelne Urheber schnell unter und finden als dahinterstehende Personen kaum Aufmerksamkeit. Da stehen dann doch eher die Videos an sich mehr als die Urheber im Vordergrund.
Sensationslust spielt aber auf jeden Fall auch eine Rolle, keine Frage. Sonst fänden die Bilder in der großen Boulevardzeitungen (bei aller Kritik) wohl kaum so viel Zuspruch.
neonschein schrieb am 28.07.2010 um 17:26
Beides! Und wie praktisch! Ich kann mich mittels meiner Linse von der negativen Realität distanzieren, emotional ausklinken, und anschließend via YouTube kontrolliert positive Ersatzemotionen wie z.B. Ruhm, Ehre, Applaus und Stolz auf das eigene Werk, generieren/simulieren.
Sebastian Dörfler schrieb am 28.07.2010 um 18:07
Ich würde auch sagen, dass sich das nicht ausschließt - warum auch?
Frischs Ansatz ist großartig (danke dafür) und stimmt wahrscheinlich heute noch viel mehr. Denn natürlich will ich durch das Externalisieren meiner Innenwelt immer auch irgendetwas verarbeiten.
Im Extremfall geht das sogar soweit, dass man sein ganzes Gefühlsleben online stellt und hofft, dass es einen dadurch kurz mal in Ruhe lässt - heute kann man wahrscheinlich so gut vor sich flüchten wie noch nie.
Swindlie schrieb am 28.07.2010 um 17:50
Die Motive zur Dokumentation sind wohl genau so vielfältig, wie es Menschen sind.
Der eine filmt, um ein besonderes (negatives oder positives) Ereignis festzuhalten und auch anderen zeigen zu können, die nicht dabei waren- ein Reporter, Dokumentator
Der andere nutzt Sensationen, um von deren Effekt zu profitieren- ein Angeber
Der Dritte vielleicht sogar, um sich zu schützen und sich zu distanzieren - Filmen als Therapieversuch.

Auf der Seite der Betrachter dürfte sich übrigens ähnliches finden, auch hier sind die Motive wohl vielfältig.

Schneller Sortierversuch :
Wenn Motiv= Reporter oder Therapie, dann ist auch das Anschauen ok. Wenn Motiv=Angeber, dann ist Anschauen böse.
Thomas Mank schrieb am 29.07.2010 um 07:34
Ich stelle mir noch ein weiteres, vielleicht etwas komplexeres Motiv vor: Durch Teilen Eins werden. Damit meine ich, dass Handyaufnahmen ähnlich wie jede Teilhabe am Internet, sei es durch das schiere Lesen, das Posten in Foren, Chatten etc. neben der Kommunikation selbst auch das Gefühl einer Teilhabe an einer Art "höheren" Gemeinschaft in sich birgt, deren Existenz man als selbstverständlich angenommen hat und im doppelten Wortsinne "annimmt"; einer Gemeinschaft, deren auffälligstes Merkmal ihre schattenhafte Körperlichkeit ist und die sich vor allem in meinem GLauben an ihre Bedeutung realisiert. Allein schon das Aufnehmen - und somit Annehmen - selbst befriedigt starke Bedürfnis künftiger Teilhabe, ein quasi religiöses Ritual also, dem der Glaube an jene Gemeinschaftlichkeit zugrunde liegt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.07.2010 um 10:12
Das kann keine Therapie sein. Das ist eine irrige Annahme. Hier nur 'mal als eine ganz persönliche Bemerkung: die Kamera wirkt wirklich als eine Art Filter, - das stimmt soweit. Aber in den vielen Jahren in denen ich "sozial instabile Gesellschaftsriten", Auswüchse wie Kriege, soziale Unruhen und Demonstrationen fotografierte hatte war das keine Therapie, Es besteht dafür ein Markt und die Honorare waren viel höher als bei einer PK herum zu hängen.
Mit den Toten ist das dann wie mit den Blumen: wenn Du genug davon gesehen hast, gewöhnst Du Dich daran. Während aber bei Blumen immer noch Freude bleibt, steht beim Fotografieren von Desastern der Moment im Vordergrund andere daran teilhaben zu lassen, aufzuzeigen was eine Tsunami oder ein Krieg anrichtet, doch wieder ganz persönlich: was für das Foto gezahlt wird. Das hat sich seit dem "eingebetteten Journalismus" verändert und darum kommen wird heute keine Fotos mehr zu sehen wie die von Kappa oder Eddie Adams legendäres Foto:
Pulpit rock
GeroSteiner schrieb am 29.07.2010 um 23:35
Wer sehen will kann sehen.
World-Press-Photo
Fritz Teich schrieb am 29.07.2010 um 12:23
Ich denke, wenn es nicht blos um ein gesellschaftliches Ereignis geht, bei dem man ganz und gar mitmacht mit allen angesagten Mitteln, dass die Leute einfach das Gefuehl haben, dass etwas wichtiges stattfindet und es auf die Bilder ankommt. Psychologisiererei ist dabei ganz uninteressant. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter...
GrünDonnerstag schrieb am 29.07.2010 um 12:49
Ich denke, man muss hier sehr differenziert herangehen.
Der Filmer und der, der es schaut bedienen sicher gegenteilige, zumindest aber unterschiedliche Bedürfnisse.
Was jemanden dazu bewegt, Dinge aufnehmen, d.h. konservieren zu wollen, kann jemand, der sich nicht in der exakt gleichen Situatiion befand/befindet, nur ahnen, daher sind auch meine Annahmen rein spekulativ. Ich glaube aber, dass es sehr stark darum geht, das Gefühl des Extremen zu bewahren, als quasi autokatartischen Ritus - dass der Fotograf es des Geldes wegen tut, mag richtig sein, doch hat er ja vielleicht aus anderen Motiven angefangen, als er es denn jetzt tut.
Es kann aber auch um den bloßen Willen zu Ruhm, Aufmerksamkeit, etc. gehen.

Bei dem Zuschauer scheint mir das Motiv recht eindeutig: Man möchte dabeisein, sicher nicht bei der Katastrophe, aber doch beim Diskurs.
So ist es doch bei allen möglichen Dingen, die in digitaler Form im Netz kursieren und auf die sich dann soziale Bindungs- und Distinktionsmethodik projiziert.
Fritz Teich schrieb am 02.08.2010 um 09:39
<<
Ich glaube aber, dass es sehr stark darum geht, das Gefühl des Extremen zu bewahren, als quasi autokatartischen Ritus
>>

Aber warum nur an das Individuum denken? Gerade Raver sind doch soziale Wesen. Journalisten, die sich sowas ausdenken, vielleicht nicht.
Fritz Teich schrieb am 02.08.2010 um 09:46
<<
Aber warum nur an das Individuum denken?
>>

Diese Individualbetrachtung ist geradezu pathologisch, als ob es ein Sozialmonopol irgendeiner Art gaebe, ein Individuum nicht von sich aus sozial handeln koennte.
uk schrieb am 29.07.2010 um 14:13
Anna-Lena und ihr andern: Warum macht sich keiner die Mühe, mal einen der Filmer zu fragen? Der Kontakt über YouTube ist doch möglich. Dann lassen wir alle Spekulationen sein und versuchen zu verstehen. :)
nachgetragen schrieb am 29.07.2010 um 23:23
Nun, DIE Antwort ist jedenfalls ganz einfach: Weil ich mir weder solche Videos ansehen noch mir einen Youtube-Account anlegen werde.
merdeister schrieb am 04.08.2010 um 19:12
...nicht, dass es mit dem schnellen Urteilen dann plötzlich vorbei ist...
Sebastian Dörfler schrieb am 29.07.2010 um 23:45
Zu der Frage, wie wir mit den Loveparade-Videos umgehen, findet hier eine sehr interessante Diskussion statt: mspr0.de/?p=1550
Fritz Teich schrieb am 02.08.2010 um 09:44
Wer ist denn "wir"? Es gibt Chaosforscher, die sich diese Filme sehr interessiert angucken. Und mit anderen Filmen vergleichen, etwa aus Mekka. Der einschlaegige Prof der ETH Zuerich und andere. Man sieht, wie sich Menschen verhalten. Wie sich eine Masse stosswellenartig verdichtet. Wie letztens im Bereich der billigen Stehplaetze in Montreux, als Chick Corea die Buehne betrat, wenn man die Ereignisse vergleichen kann.
Uwe Theel schrieb am 04.08.2010 um 19:41
Meine Sicht:

Wenn eine Menschenmasse in Panik gerät, geraten nicht alle ihre Mitglieder in Panik.

Diejenigen, die wirklich in Todespanik geraten, werden nicht fotografieren.

Fotografieren werden diejenigen, deren Beruf es ist Äußergewöhnliches, Kritrikwürdiges oder sonst wirklich Aufmerksamkeit verdienendes zu dokumentieren, wenn nicht Hilfe zur Rettung möglich ist, die Priorität hätte.

Fotografieren werden diejenigen (Amateure), die kein Bewußsein von der wirklichen Gefahr der Situation haben, keine Empathie mit den wirklich in Todesgefahr Befindlichen haben, eben nicht helfen - wenn möglich - sondern sich distanzieren, bzw. schlicht senstions- und technikgeil sind, d.h. eine Weltsicht haben, wie sie "Reality-TV" als Praxis für den Konsumenten manipulativ eintrainiert.

Ob dieses "Sich-Distanzieren", wenn es ein Mittel der Selbsterhaltung wäre, d.h. nicht in Panik zu verfallen, das Mittel des Fotografierens des Horrors ergreifen kann oder muß, kann ich nicht beurteilen, mir aber nur schwer vorstellen, besonders in einer realen Situation, wie der in Duisburg.

Ich kann keine Prozentzahlen schätzen oder angeben, aber ich glaube nicht, dass alle, die Handys hatten, Menschen zu Tode kommen mit ansahen, aus objektiven Gründen nicht helfen konnten, fotografierten, selbst, wenn Sie es technisch gekonnt hätten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 04.08.2010 um 20:47
Uwe Theel
"keine Empathie mit den wirklich in Todesgefahr Befindlichen haben, eben nicht helfen - wenn möglich - sondern sich distanzieren, bzw. schlicht senstions- und technikgeil sind..."

Die Youtube-Klickzahlen bei (Extrem)unfällen gehen in die Millionen. Und scheinen diese Vermutung zu bestätigen. Je gewalttätiger, je mörderischer umso interessanter.

Meine Frage, jenseits aller Theorien, ist:Warum sind die, die diese jedem sichtbare und bedrohliche Stausituation wahrgenommen haben, nicht umgekehrt, um denen, die im Gedränge gefangen waren, Platz zu verschaffen?
Dieser Stau war ja doch nur möglich, weil immer mehr Menschen von beiden Seiten hineingedrängt sind. Warum?
merdeister schrieb am 04.08.2010 um 21:16
Das Video auf das ich in meinem Kommentar verlinke, beantwortet die Frage ziemlich gut.
Sarah Rudolph schrieb am 04.08.2010 um 22:17
Ich habe ein Video gesehen.
Nicht aus Sensationslust, um zu verstehen. Ich habe lange darüber nachgedacht und die ein oder andere Diskussion dazu verfolgt unter anderem die, die Sebastian weiter oben verlinkt hat. Es war auch das Video, um das es in der verlinkten Diskussion geht.
Es war gut, das gesehen zu haben, Weil es beim verstehen hilft. Weil es all die aufgestellten Theorien wiederlegt. Da ist niemand in rasender Panik über jemand anderen hinweggetrampelt. Da hatte niemand mehr Kontrolle über seinen eigenen Körper. Da hätte niemand einfach umdrehen und weggehen können. Weil es einfach nicht ersichtlich war, was da gerade passiert, bis es auf einmal zu spät war.
Und der Mensch, der das alles gefilm hat, hat nicht einfach emotionslos draufgehalten. er hat einfach nur seine Kamera nicht ausgemacht.
Da ist ein Mädchen, das kurz davor ist sich aufzugeben und einfach unterzugehen, er redet auf sie ein, schreit sie an, spricht ihr Mut zu. Hilft.
Ich habe jetzt lange überlegt, ob ich das wirklich schreiben soll und bin mir immer noch nicht sicher, ob das richtig ist.
Aber ich tue es jetzt einfach.
So vielen wird unrecht getan, so vielen, die traumatisiert sind, eben weil sie hilflos waren und nicht mehr helfen konnten.
Dass ihnen jetzt Rücksichtslosigkeit und Kälte vor geworfen wird - da muss mehr als wehtun.
Sarah Rudolph schrieb am 04.08.2010 um 22:18
Ich bin sehr sehr sicher, dass ich dieses Video nie wieder vergessen werde.
Magda schrieb am 04.08.2010 um 22:38
@ leelah - "So vielen wird unrecht getan, so vielen, die traumatisiert sind, eben weil sie hilflos waren und nicht mehr helfen konnten.
Dass ihnen jetzt Rücksichtslosigkeit und Kälte vor geworfen wird - da muss mehr als wehtun."

Ich bin - einem Link der nachdenkseiten folgend -auch auf eine Videodokumentation gestoßen ,die mir sehr nahe gegangen ist. Ich fand, der junge Mann ,der gefilmt hat, machte deutlich, dass die Welt nach diesen Erlebnissen nicht mehr die gleiche ist, wie vorher. Und schon dafür war es gut, zu dokumentieren.
Es wurde sehr beklemmend deutlich, wie sich solche Situationen zuspitzen und wie hilflos und schwach die einen ,wie rabiat dann wieder andere werden. Aber darüber Zeugnis abzulegen - in Zeiten, da man nur ein Gerät hinhalten und draufdrücken muss - das gehört in die Zeiten.
Magda schrieb am 04.08.2010 um 20:15
Ich denke , dass es sehr verschiedene Motive gibt, zu filmen. Die Kamera einzusetzen, das kann ja auch die Hoffnung vermitteln, davonzukommen, für später zu dokumentieren, davon zu berichten...
Sicher auch, sich emotional "auszuklicken", wie jemand schrieb, aber das versucht sicher jeder, der in solch eine bedrängte Lage kommt.

Außerdem: Die jungen Leute wachsen alle auf mit diesen jederzeit verfügbaren Aufnahmegeräten, die machen das gewohnheitsmäßig, um irgendwie "was zu tun" oder zu tun zu haben.
Aber, besonders die Bilder, die zeigen, wie junge Männer anderen geholfen haben, sind mir sehr zu Herzen gegangen. Alle, die einem anderen Menschen das Leben gerettet haben oder substanziell dazu beigetragen haben, haben ein Hochgefühl, sind eigentlich "glücklich", daher auch diese Aufnahmen. Das Leben geben und Leben riskieren - das sind die beiden Pole, die für Menschen besonders bedeutsam sind, sagt man.
(Dass sie das der Welt "mitteilen", von mir aus auch - was spricht dagegen. Die Menschen sind nicht Tag und Nacht unauffällige Altruisten.)

@ sachichma - " Es besteht dafür ein Markt und die Honorare waren viel höher als bei einer PK herum zu hängen."

Das ist eine andere Perspektive, die Sicht eines Profis, eines Reporters, der sich in die Situationen "begibt", nicht in ihr gefangen ist. Von daher haut das nicht hin.

Weiter hergeholt fällt mir noch Viktor E. Frankl ein, ein Psychologe, der sich durch seine KZ-Zeit "gerettet" hat, indem er ständig alles innerlich dokumentierte mit dem Gedanken, eines Tages steht er vor einem Auditorium und berichtet über diese Erfahrungen in seinem Leben auch aus professioneller Sicht. Dieses Abstand herstellen - es hat ihn gestärkt.
Magda schrieb am 04.08.2010 um 20:16
Ich denke , dass es sehr verschiedene Motive gibt, zu filmen. Die Kamera einzusetzen, das kann ja auch die Hoffnung vermitteln, davonzukommen, für später zu dokumentieren, davon zu berichten...
Sicher auch, sich emotional "auszuklicken", wie jemand schrieb, aber das versucht sicher jeder, der in solch eine bedrängte Lage kommt.

Außerdem: Die jungen Leute wachsen alle auf mit diesen jederzeit verfügbaren Aufnahmegeräten, die machen das gewohnheitsmäßig, um irgendwie "was zu tun".
Aber, besonders die Bilder, die zeigen, wie junge Männer anderen geholfen haben, sind mir sehr zu Herzen gegangen. Alle, die einem anderen Menschen das Leben gerettet haben oder substanziell geholfen haben, haben ein Hochgefühl, sind eigentlich "glücklich", daher auch diese Aufnahmen. ("Das muss die Welt erfahren", von mir aus auch - was spricht dagegen. Die Menschen sind nicht Tag und Nacht Altruisten.)

@ sachichma - " Es besteht dafür ein Markt und die Honorare waren viel höher als bei einer PK herum zu hängen."

Das ist eine andere Perspektive, die Sicht eines Profis, eines Reporters, der sich in die Situationen "begibt", nicht in ihr gefangen ist. Von daher haut das nicht hin.

Weiter hergeholt fällt mir noch Viktor E. Frankl ein, ein Psychologe, der sich durch seine KZ-Zeit "gerettet" hat, indem er ständig alles innerlich dokumentierte mit dem Gedanken, eines Tages steht er vor einem Auditorium und berichtet über diese Erfahrungen in seinem Leben auch aus professioneller Sicht. Dieses Abstand herstellen - es hat ihn gestärkt.
merdeister schrieb am 04.08.2010 um 21:14
Vielleicht hätte ich mir das Video auf SPON nicht ansehen sollen. Vielleicht sollte ich dieses Blog auch erst morgen Früh schreiben...also gar nicht. Raus muss es trotzdem.

Da sagt ein Mensch von der Gewerkschaft der Polizei Megaphone wären nicht eingesetzt worden, weil nicht sicher gewesen sei, ob die Menge das überhaupt hören, verstehen und danach handelt würde. Rufe und wildes winken erfüllten ihren Zweck komischerweise auch nicht.

Da wird gezeigt wie die Zugangstraße gesperrt wird, mit den ältesten Gittern, die man wohl auftreiben konnte und wie die Polizei die dagegen drückende Menge bittet, doch vorsichtig zu sein, denn jene Gitter, die gingen kaputt. Wenn bei einer Demo im Rhamen des Bildungsstreiks eine Kreuzung besetzt wird, werden einfach Mannschaftswagen auf die Straße gefahren und die ist dicht, keine Demonstranten kommen mehr durch. Klappt, habe ich gesehen.

Da wird berichtet, eine Polizeikette in einem der Tunnel sei nicht mehr zu schließen gewesen, nachdem man sie für die Durchfahrt einiger Rettungswagen öffnen musste. Vor einer Filiale der Deutschen Bank hält jede Polizeikette.

Nach diesem Video bleibt der Eindruck: Der Rave ist wichtig, der Raver nicht.
merdeister schrieb am 04.08.2010 um 21:45
Aha, kein Link, dieses Video ist gemeint.
Sarah Rudolph schrieb am 04.08.2010 um 22:19
Mehr als stille Zustimmung ist heute Abend nicht mehr drin.
Anschauen kann ich mir das jetzt auch nicht. Vielleicht später, irgendwann.


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