2009 bekam ich von einer in Hamburg ansässigen Stiftung ein Stipendium, mit dessen Hilfe ich über ein Jahr eine Art Tagebuch schreiben sollte. Später lud mich der Stifter in sein prächtiges Landhaus in der Toskana ein. Ich möchte dennoch vehement darauf bestehen, dass dies keine Vorteilsnahme beziehungsweise Einflussnahme auf mein literarisches Schaffen darstellte! Die im Zuge des Stipendiums wahrgenommenen Privilegien wie Empfänge und Dinner im Hotel Vier Jahreszeiten stehen eindeutig in Verbindung mit meiner Rolle als Schriftsteller und Intellektueller in der Öffentlichkeit, ebenso die kleinen Geschenke. Die überaus kunstvolle goldene Anstecknadel mit dem Emblem der Stiftung trug ich stets mit Stolz am Revers – nicht nur auf den Empfängen, den Dinners oder in der Toskana.
Unseren Bundespräsidenten möchte ich auf diesem Weg hintergedankenlos daran erinnern, dass ich einer der wenigen Schriftsteller und Intellektuellen war, der den Unterstützerbrief für den Bundespräsidentschaftskandidaten Gauck, den ich im Übrigen natürlich als Intellektuellen, Mensch und Pfarrer schätze, nicht unterzeichnet habe. Ein Studienaufenthalt auf Schloss Bellevue wäre im Moment sehr willkommen. Mit einem entsprechenden Budget bin ich gerne bereit, meine Erfahrungen als freier Künstler, Schriftsteller und Intellektueller bei Veranstaltungen und auf Reisen weiterzugeben.
Ich habe für diese künftigen Begegnungen extra einige erlesene Weine meines 111-flaschigen Rheingau Literaturpreises aus dem Jahre 2006 eingekellert. An dieser Stelle möchte ich noch einmal dezent darauf hinweisen, dass diese großzügige Preisstiftung und die überaus freundlichen 10.000 Euro keinen Einfluss darauf hatten, dass ich in einer Erzählung meines preisgekrönten Buches Die Nacht, die Lichter, einen Weinvertreter auftreten ließ, der einige erlesene Rheingau-Rieslinge im Angebot hatte. Hemingway sagte einmal, ein Schriftsteller dürfe sich auf keinen Fall verkaufen. Ich lebe das mit jeder Pore den jungen Kollegen und Kolleginnen vor!
Clemens Meyer erhielt 2008 für Die Nacht, die Lichter den Preis der Leipziger Buchmesse
Clemens Meyer ist einer von sieben Kulturschaffenden, die sagen: "Wir gestehen: Schuldig!" Weitere Offenbarungseide:
Der Journalist: Michael Angele über die "Verdrehte Welt"
Der Dramaturg: Björn Bicker gesteht "Ich hänge am Tropf!"
Die Kulturministerin: Jana Hensel sorgt sich um ihre "Üble Vergangenheit"
Der Wissenschaftler: Ralf Klausnitzer fragt "Apple für alle?"
Der Künstler: Kito Nedo beklagt "Amigo-Allianzen"
Der Filmemacher: Marc Ottiker moniert den "Kreis der Schlechtigkeit"
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Herrlich! Das nenn ich doch mal ENTLARVENDE Ehrlichkeit.
Bei ZEIT und WELT gäbs jetzt bestimmt trotzdem 'ne Menge Danksagungen, weil doch sooo menschlich und ehrlich und (toll!) ein Super-Alibi für die eigene Gewissenlosigkeits-Schwäche. |
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das es (die kleine, geliebe mitnahme selbstverständlich ohne vorteilnahme) "kultur"-gut ist, ist doch an sich schon selbst-kommentar genug.
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schrieb am
02.02.2012 um 00:15
Ich weiß nicht so recht. Was an dieser Darstellung ist denn nun wahr und was Karikatur? Macht sich Meyer da über sich selbst lustig oder über die, die seine letzte Bemerkung (die doch ganz offensichtlich die Lüge entlarvt): "[...] ein Schriftsteller dürfe sich auf keinen Fall verkaufen. Ich lebe das mit jeder Pore den jungen Kollegen und Kolleginnen vor!", todernst verkünden und sich dennoch ungeniert kaufen lassen oder ist es eine Kritik am Literaturbetrieb und der darin praktizierten Verlogenheit? Ich hatte vor nicht allzu langer Zeit einen Kommentar zum selben Thema von Martenstein gelesen, der seine Käuflichkeit als menschliche Schwäche (Versuchung) verharmlost und mit der "schlechten" Gesellschaft legitimiert hatte. Meyers "Bekenntnisse" scheinen mir wie eine Satire auf Martensteins scheinheilige Entschuldigung.
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Ich bin leider keiner von den Schriftstellern und/oder Intellektuellen, welche überhaupt für einen Unterstützerbrief für den Bundespräsidentschaftskandidaten Gauck, den ich im Übrigen natürlich weder als Intellektuellen noch als Pfarrer schätze, angefragt wurden. Vielmehr musste ich an mich halten, an dem durchsichtigen Gauckhype nicht ganz und gar zu verzweifeln - Wulff war die bessere Wahl, weil er die Obsoletheit dieses Amtes besser verkörpert, als es ein Gauck je gekonnt hätte. Den Gauck braucht kein Mensch, den Wulff höchstens noch die Kanzlerin. Ich jedenfalls war auch gegen Gauck:
www.freitag.de/community/blogs/mahung/die-gauck-schmonzette-findet-quaelend-ihr-ende--zeit-wurde-es |
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schrieb am
02.02.2012 um 10:35
mahung: “Den Gauck braucht keinem Menschen, den Wulff höchstens noch die Kanzlerin. Ich jedenfalls war auch gegen Gauck“ Richtig! – Das war Gedanken Übertragung! Ich werde es aber damit belassen, weil ich sonst zur Saale-Unstrut- Pulle greife und nicht nur ein Glas- es ist 10:30 Uhr!
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magda
wäre nach dem ganzen fremd-wulffen nicht endlich mal zeit für selbst-bezichtigen? |
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Herzlichen Glückwunsch, Clemens Meyer. Man muss nicht für Gauck gewesen sein, weil man nun Wulff nichts mehr zugute halten kann. Immer noch besser ein paar "Hocks" im Keller und einen Weinhändler als Persona dramatis, als den Hildegard von Bingen Preis für Publizistik verliehen von der Zahnärztekammer oder die Aussicht auf das Hungertuch des unbekannten Skribenten.
LG Christoph Leusch |
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lieber clemens meyer,
"als wir träumten", "die nacht, die lichter" wunderbar, genial, ergreifend! Aber das hier? enttäuschend, einfach nur Klamauk! Du kannst es besser!! |
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Kein Gauckler. Aber ein Gaukler?
(Wikipedia: "Gaukler ist eine in früheren Jahrhunderten üblich [...] Bezeichnung für einen Unterhaltungskünstler. Heute wird der Begriff fast nur noch in historischen Kontexten verwendet. Im weitesten Sinne war ein Gaukler ein Artist, der Kunststücke beherrschte und mit diesen die Menschen meistens auf offenen Plätzen [...] unterhielt. Bei ihren Darbietungen handelte es sich z.B. um Zauberkunststücke, aber auch um besondere Fertigkeiten sportlicher Art [...]. Auch Komiker und Clowns - nur selten jedoch fahrende Musiker und Sänger - wurden als Gaukler bezeichnet. Zu den Gauklern gehörten auch Quacksalber, Possenreißer, Bärenführer, Zirkusangehörige, Tierschausteller und Wanderprediger. Sie traten auf Kirchfesten und Jahrmärkten auf und präsentierten ihre Kunststücke. Von ihren Taschenspielertricks leitet sich der heute noch gebräuchliche Begriff vorgaukeln (falsche Tatsachen vorspiegeln) ab."). |
Ausgabe 20/2012
16.05.2012
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