Politik

Islam-Konferenz | 06.10.2006 02:00 | Sabine Kebir

Ein Teil Deutschlands

Die offizielle Anerkennung einer dritten Religionsgemeinschaft steht auf der Tagesordnung

Seit Beginn der neunziger Jahre fordern Muslime in diesem Land eine offizielle Anerkennung ihrer Religionsgemeinschaft. Am 27.September wurde in dieser Hinsicht mit der Islam-Konferenz ein wichtiger Schritt getan. Erfreulich, dass dazu auch säkulare Persönlichkeiten aus islamischen Kulturen gebeten waren, darunter Autoren wie Necla Kelek, Feridun Zaimoglu oder Navid Kermani. Denn eines ist sicher: Das Problem, als unterentwickelt und potenziell gefährlich eingestuft zu werden, haben in diesem Land nicht nur gläubige Muslime, sondern ebenso säkular eingestellte Einwanderer aus islamischen Ländern und - was häufig vergessen wird - auch arabische Christen und Atheisten. Dennoch wies das Spektrum der zur Islam-Konferenz Geladenen Lücken auf. Es fehlten radikale Gruppierungen wie Milli Görüs oder die Föderation der demokratischen Arbeitervereine, die Türken mit laizistischer Überzeugung repräsentieren. Diese Vereine mit Zehntausenden von Mitgliedern hegen den Verdacht, man habe einer der Parteien in der großen Koalition nahe stehen müssen, um auf Schäubles Liste zu kommen.

Die religiösen Vertreter der islamischen Seite hoffen nun, durch die Teilnahme an diesen Debatten die offizielle Anerkennung als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft neben Christen und Juden zu erreichen, was ihnen erhebliche Rechte sichern würde. Für viele muslimische Verbände ist es schon heute selbstverständlich, ihre Mitglieder aufzufordern, Verfassung und Gesetze ihrer Gastländer zu respektieren. Dazu ruft übrigens immer wieder auch die von den Sunniten als höchste religiöse Autorität betrachtete Azhar-Universität in Kairo auf, die in diesem Sinne in den französischen Kopftuchstreit eingegriffen hatte.

Bisher wurde besagte Anerkennung in Deutschland stets mit dem Hinweis verweigert, die Muslime besäßen keine einheitliche, von allen anerkannte Vertretung. Ein vorgeschobener Grund, denn die Vielfalt von Glaubensrichtungen ist im Islam strukturell angelegt, weil er eigentlich keinen offiziellen Klerus kennt. Schon ein Blick nach Österreich verrät, es ist möglich, eine islamische Körperschaft zu legalisieren, damit sie die Gläubigen gegenüber dem Staat vertreten kann.

Wenn vielen ein Prozess nicht behagt, an dessen Ende der Islam wirklich als dritte große Religionsgemeinschaft in Deutschland anerkannt sein könnte, dann resultiert das auch aus hiesigen Defiziten bei der Trennung von Kirche und Staat. Beim heutigen Stand der Dinge müsste es Muslimen dann auch gestattet sein, Islamunterricht an öffentlichen Schulen zu erteilen. Der Steuerzahler hätte nicht nur die Ausbildung, auch den Unterhalt speziell geschulter Lehrer zu tragen. Gewichtige Gründe sprechen dafür, das gesamte theologische Personal künftig nicht mehr aus den Ursprungsländern zu "importieren", sondern hier auszubilden.

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Die sehr enge Bindung an die Religion, die Einwanderer aus islamischen Ländern oft haben, sollten uns allerdings nicht zu der Annahme verführen, staatlich geprüfte Theologen könnten alle Konflikte entschärfen, die zwischen der alteingesessenen Bevölkerung und den Muslimen aufbrechen. Deren Repräsentanten wiederum tun gut daran, mit vornehmem Schweigen auf die immer häufiger losgetretenen Medienkampagnen zu reagieren, mit denen Muslime als notorische Feinde der Freiheit vorgeführt werden. Naiv ist überdies die Vorstellung, dass man die nächste Islamkonferenz einfach geschlossen in die Oper einladen könnte, um ihr die Harmlosigkeit eines Regie-Einfalls vor Augen zu führen, der sich wie bei der Inszenierung von Mozarts Idomeneo an der Deutschen Oper Berlin auf dem Reflexionsniveau des sowjetischen Atheismus von 1920 befindet. Schließlich würde sich der Papst auch nicht in eine Klinik bitten lassen, in der Schwangerschaften unterbrochen werden. Es wird hier ausgebildeten Theologen gleichfalls nicht möglich sein, die mentalen Auswirkungen der Kriege zu konterkarieren, die der Westen derzeit in der islamischen Welt führt. Ebenso wenig können sie die Folgen der chronischen Unterfinanzierung von Integrationsprojekten für Frauen und Jugendliche abfedern - oder die zum Jahresende geplante Verschärfung der Zuwanderungs- und Einbürgerungsgesetze.

 

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