Politik

Nachgefragt | 29.08.2008 00:00 | Interview

Warum verurteilen Sie Präsident Saakaschwili, Herr Chaindrawa?

Wem geben Sie die Schuld am Krieg zwischen Russland und Georgien?
Wir sind schuld, weil unser Land in der Nähe von Russland liegt. Seit dem 9. ...

Wem geben Sie die Schuld am Krieg zwischen Russland und Georgien?
Wir sind schuld, weil unser Land in der Nähe von Russland liegt. Seit dem 9. Jahrhundert verhält sich Russland imperial und aggressiv. Natürlich trägt die Führung Georgiens persönlich Schuld, weil sie die Willkür der russischen Militärs zuließ.

Und wer ist nun verantwortlich für die jüngste Konfrontation?
Im Bezirk von Zchinwali in Südossetien gab es seit Monaten Schießereien. Durch den Rokski-Tunnel waren ständig russische Militärfahrzeuge unterwegs. Dennoch gab es keinen Grund, das Abenteuer der Rückeroberung Zchinwalis zu riskieren. Was Saakaschwili tat, ist mit dem Verstand nicht zu fassen. Vor einem Monat war Condoleezza Rice in Tiflis und hat ihm gesagt, er dürfe unter keinen Umständen ein militärisches Abenteuer wagen.

Gab es seitens der USA nicht auch Signale, die Ihr Präsident als Ermunterung für einen Angriff deuten konnte?
Ich kenne Frau Rice als verantwortungsvolle Politikern. Bei dem, was in Zchinwali passiert ist, handelt es sich schlichtweg um Abenteurertum. Und ich will nicht glauben, dass die amerikanische Außenministerin sich an Abenteuern beteiligt.

Warum verurteilen Sie die Politik von Saakaschwili?
Weil sie ein Verbrechen am eigenen Volk ist. Wir sind gestraft mit Tausenden von Opfern, Zehntausenden von Flüchtlingen, einer zerstörten Infrastruktur und einem defacto okkupierten Land.

Wie reagiert die Regierung auf ihre Kritik?
Die Presse, die von Saakaschwilis Partei Nationale Bewegung kontrolliert wird, führt einen psychologischen Krieg. Man bedroht mich, ich werde beschattet. Unter dem heutigen Regime gibt es keine unabhängigen Gerichte, um sich dagegen wehren zu können. Die USA und die NATO verschließen aus übergeordneten, geopolitischen Interessen die Augen vor der Willkür in Georgien - ungeachtet dessen, dass Saakaschwili praktisch ein sowjetisches Regime in Tiflis führt.

Angela Merkel hat erklärt, Georgien könne NATO-Mitglied werden.
Falls eine solche Mitgliedschaft nur möglich ist, wenn wir gleichzeitig Abchasien und Süd-Ossetien verlieren, hat das für uns keinen Sinn.

Das Gespräch führte Ulrich Heyden

Georgi Chaindrawa war bis zu einer Entlassung durch Präsident Saakaschwili im Jahr 2006 Minister für die abtrünnigen Provinzen. Er ist derzeit einer der Führer der georgischen Opposition.

 
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