Positionen

SPD | 01.10.2009 12:50 | Tom Strohschneider

Harakiri in Schwarz-Rot

Christoph Matschie hat nichts begriffen. Wenn die Thüringer Sozialdemokraten überleben wollen, müssen sie die CDU-Pläne ihres Landesvorstands stoppen

Als Christoph Matschie sich Anfang der Woche von der abstrusen Forderung verabschiedete, er müsse Ministerpräsident in einer rot-rot-grünen Regierung werden, deuteten viele den Schritt des SPD-Landeschefs als Vorbote einer Einigung im Koalitionspoker mit der Linken. Immerhin sah es so aus, als ob bei dem 48-Jährigen nach wochenlanger Hybris doch noch die  Vernunft gesiegt habe. Eine Art Eingeständnis der Wahlniederlage der Sozialdemokraten, die Ende August nur Dritter geworden waren – mit nicht einmal 20 Prozent. Späte Einsicht, aber immerhin.

Im Licht der jetzt vom SPD-Landesvorstand getroffenen Entscheidung, Koalitionsverhandlungen mit der CDU aufzunehmen, wird nun ein anderes Motiv sichtbar: Matschie ruderte von einem grotesk überzogenen Amtsanspruch zurück, um den Einstieg ins schwarz-rote Bündnis vorzubereiten. Der Sozialdemokrat hat die Sondierungsgespräche mit Linken und Grünen nicht wegen politischer Differenzen scheitern lassen, sondern aus Karrierismus. Matschie hätte in einem rot-rot-grünen Bündnis nie die Rolle spielen können, die er für sich in Anspruch nimmt. Die Tatsache, dass er den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein offenbar bereits darum gebeten hatte, als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt zur Verfügung zu stehen – dann aber nicht einmal die Antwort abwartete, spricht Bände. Hier hat ein Sozialdemokrat seine Partei hinters Licht geführt. Und die Wähler, denen er einen Politikwechsel versprochen hatte.

Erinnerung an Hessen

Apropos Wortbruch: Die Entscheidung, mit der CDU zu verhandeln, erinnert ein wenig an den Harakiri-Kurs jener Sozialdemokraten, die in Hessen ein rot-grün-rotes Bündnis torpedierten. Wessen Geschäft sie dabei neben dem ihren betrieben, war offensichtlich. In Thüringen habe noch in der letzten Sondierungsrunde am Mittwoch neben Matschie vor allem Mit-Verhandler Matthias Machnig durch „inhaltsleere Fokussierung auf Personal- und Machtfragen viel politisches Geschirr im rot-rot-grünen Lager zerschlagen“, sagt einer, der bei der Sondierung beraten hat. Machnig ist ein alter Weggefährte von Franz Müntefering. Der SPD-Chef musste Anfang der Woche zurückziehen. Wogegen er lange kämpfte, findet die SPD in Ordnung: rot-rote Bündnisse. Ein Zusammenhang? Jedenfalls macht man sich so seine Gedanken.

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Den Grund für Münteferings Abgang hat Matschie offenbar noch nicht realisiert. Wer in diesen Tagen als Sozialdemokrat eine große Koalition anstrebt, obwohl es eine Alternative gibt, ist entweder dumm, hat einen superschlauen geheimen Plan oder handelt mutwillig. Nach vier Jahren großer Koalition auf Bundesebene ist die SPD bei der Wahl pulverisiert worden. Auch regional hat man die Erfahrung längst gemacht: In Erfurt beteiligte sich die SPD von 1994 bis 1999 an einer Regierung mit der CDU – nach den dann folgenden Wahlen gab es eine absolute Mehrheit für die Christdemokraten. Damals sackten die Sozialdemokraten derart ab, dass sie sich seither auf Landesebene nicht mehr erholen konnten und stets hinter der PDS beziehungsweise der Linken zurückblieben. Matschie, das darf man an dieser Stelle anmerken, ist seither Landesvorsitzender.

Letzte Chance für die Basis

Aber wie lange noch? Die Sozialdemokraten werden sich die Hochzeit mit der CDU von einem Parteitag absegnen lassen müssen. Die Basis, die sich Anfang 2008 für Matschie und gegen seinen zur Linkspartei hin offenen Gegenspieler Richard Dewes entschieden hatte, steht nun vor einer neuen Situation. Es geht nicht mehr um die Frage, ob man rot-rote Koalition eingehen darf oder nicht. Es geht um die Zukunft der SPD im Freistaat, wo die Sozialdemokratie in Gotha und Eisenach ihre symbolischen Wurzeln hat.

Will die SPD in Thüringen nicht dasselbe Schicksal erleiden wie im benachbarten Sachsen, ebenfalls mal eine Hochburg, hat sie jetzt nur noch eine Chance: Sie muss Matschie und den Landesvorstand stoppen. Jene Jusos, die in der Nacht bereits protestierten, liegen richtig: „Schwarz-Rot ist unser Tod“.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Magda schrieb am 01.10.2009 um 13:12
"Machnig ist ein alter Weggefährte von Franz Müntefering. Der SPD-Chef musste Anfang der Woche zurückziehen. Wogegen er lange kämpfte, findet die SPD in Ordnung: rot-rote Bündnisse. Ein Zusammenhang? Jedenfalls macht man sich so seine Gedanken."

Das ist mir auch sofort aufgefallen. Dahinter steckt jemand, kann durchaus Münteferings Geist sein, der da spukt, vielleicht hat er aber auch selbst zum Telefon gegriffen, solange er noch seinen Schreibtisch hat. Da wollen Leute retten, was nicht zu retten ist.
luggi schrieb am 01.10.2009 um 13:15
Also ich finde das richtig konsequent was Herr Matschie macht. Er setzt die Direktiven der SPD-Führung um. Wenn Porzellan zerschlagen wird, dann aber richtig. Oder es ist ein Signal an Frau Merkel, es vielleicht doch noch mit der SPD zu versuchen. Mal sehen, welche Entwicklung sich in Brandenburg abzeichnet.
oliverfink schrieb am 01.10.2009 um 15:10
Dass dieser Artikel mehr von der eigenen ideologischen Verblendung denn von Sachkenntnis geprägt ist, zeigt allein die Verwendung des Beispiels Hessens. Anstatt sich auf die thüringische Wahlaussage des angestrebten Wechsels zu beziehen und dabei die Parallele zur Wahllüge Ypsilantis zu beziehen, werden genau diejenigen zum Vergleich herangezogen, die nach der Wahl noch zu den Wahlversprechen standen. Einfach, weil es besser in das persönliche Weltbild des Autors passt. Ergo: Nicht alles, was hinkt, ist deshalb schon auch ein Vergleich.

Den geschichtsvergessenene Unsinn der Jusos muss man gar nicht mehr kommentieren. Er diskreditiert sich von allein bereits beim Lesen.

Die SPD sollte allerdings sachlich und ergebnisoffen erörtern, in welcher Koalition sie auf lange Sicht mehr gewinnen kann. Das könnte Rot-Rot-Grün sein, aber auch Schwarz-Rot. Diese Frage ist über die kurzfristige Aufregung hinaus die wirklich spannende und überhaupt nicht offen diskutiert.

Taktisch ist die SPD in Thüringen dabei über die Maßen erbarmungswürdig. Anstelle ihre Scharnierfunktion zu nutzen und sowohl Linke als auch CDU vor sich herzutreiben und dabei programmatisch möglichst das Optimum herauszuholen, stümpern sich die Genossen selbst in die Rolle der Getriebenen. Hätten die Wähler diese Unvermögen vorher erahnen können, wäre das Ergebnis für die SPD wohl noch schlechter ausgefallen.
luggi schrieb am 01.10.2009 um 16:48
"Die SPD sollte allerdings sachlich und ergebnisoffen erörtern, in welcher Koalition sie auf lange Sicht mehr gewinnen kann."
Die SPD muss erörtern, wo sie am wenigsten verlieren kann.

"...und sowohl Linke als auch CDU vor sich herzutreiben ..."
Ein Verlierer treibt einen Gewinner und einen größeren Verlierer vor sich her???

"Den geschichtsvergessenene Unsinn der Jusos muss man gar nicht mehr kommentieren. Er diskreditiert sich von allein bereits beim Lesen."
konnte ich in dem Artikel und Kommentaren nicht entdecken
Daniel B. schrieb am 01.10.2009 um 20:48
Jetzt muss man diese Neoliberalen auch schon beim Freitag ertragen - hoffentlich bleibt es beim Kommentarbereich...

Allein schon das Hessen-Gequatsche - ich warte immer noch auf ein überzeugendes Argument, inwiefern Wahlversprechen bezüglich der präferierten Partner schwerer wiegen als solche inhaltlicher Art. Und wo die SPD "mehr gewinnen kann", sollte nach den letzten elf Jahren eigentlich sonnenklar sein. Man muss schon gewaltig "ideologisch verblendet" sein, um die offensichtlichen Folgen ihrer Abkehr von ihrer Kernkompetenz zu ignorieren.

Ich gehe jedenfalls jede Wette ein, dass schwarz-rot in Thüringen für die dortige Landespartei ein weiteres Abrutschen in die Marginalität bedeutet. Und für die SPD insgesamt bedeutet es natürlich, dass man so bald keine Chance haben wird, über den Bundesrat auf Bundesebene ein ernsthaftes Wort mit zureden. Was ja aus FDP-Sicht erfreuliche Entwicklungen sein mögen, aber dieses schwach begründete Getue, als ob man der SPD zu ihrem Besten helfen will, kann man sich ja vielleicht doch schenken...
oliverfink schrieb am 01.10.2009 um 22:28
"Jetzt muss man diese Neoliberalen auch schon beim Freitag ertragen..."

Ich dachte bisher immer, dass Diskussion von der Auseinandersetzung mit denjenigen lebt, die eine andere Meinung vertreten.

Ich entschuldige mich, dass ich nicht erkannt habe, dass die politische Linke lieber unter sich bleibt und andere Meinungen lieber gar nicht hören will. Ist nicht mein Diskussions- und Demokratieverständnis. Aber ich bin ja auch liberal – sowohl mit als auch ohne "neo"...
marsborn schrieb am 01.10.2009 um 23:47
lieber oliverfink, an anderer stelle in diesem portal schrieb gestern jemand schon folgendes: "gläubigen bitte niemals mit argumenten oder auch nur ergebnisoffenen fragen kommen... es hilft nix und bringt nur beschimpfungen ein. hier wird größtenteils nicht offen gedacht, hier werden (z.t. jahrzehnte alte und ältere) glaubsgrundsätze ausgetauscht (und sich gegenseitig bestätigt) - das hier ein kuschelraum für emotionen, kein ort für den sachlichen gedankenaustausch." könnte auch auf diesen fall hier passen, oder?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2009 um 00:02
Na, Ihr tapferen 'Neo-Liberalen', es macht aber anscheinend viel Spaß, sich unter 'Gläubigen' zu tummeln, was?

Jeder 'glaubt' an seine 'Wahrheit', z.B. der Besitzer eines riesengroßen, funkelniegelnagelneuen, rabenschwarzen SUV mit Erfurter Kennzeichen, der an der Heckscheibe den Aufkleber spazierenfährt: "Rot-rot-grün, Mittelstandsruin"...
Daniel B. schrieb am 02.10.2009 um 07:37
Mein Kommentar bestand freilich nicht nur aus dem ersten Abschnitt - wobei ich freilich durchaus dazu stehe, dass ich die immer gleichen 'Glaubenssätze', die 'z.T. schon seit Jahrzehnten' die öffentliche Diskussion bestimmen, nicht auch noch hier ständig in die Ohren geblasen bekommen möchte. Eigentlich nur witzig, wie die größten Anhänger der einzig verbliebenen politisch wirklich wirksamen Ideologie sich als Sachwalter des Rationalismus aufspielen.
Schackerbilly schrieb am 03.10.2009 um 08:39
"Die SPD sollte allerdings sachlich und ergebnisoffen erörtern, in welcher Koalition sie auf lange Sicht mehr gewinnen kann. Das könnte Rot-Rot-Grün sein, aber auch Schwarz-Rot. Diese Frage ist über die kurzfristige Aufregung hinaus die wirklich spannende und überhaupt nicht offen diskutiert."

Richtig. Mit dieser Haltung hat die FDP ja seit jeher beste Erfahrungen gemacht. Ich persönlich werde demnächst auch so verfahren. Vielleicht kann ich mir dann in ein paar Jahren sogar ein eigenes Spaßmobil leisten!
goch schrieb am 01.10.2009 um 21:03
Eigentlich ist es doch sympathisch, wie Matschie noch einmal trotzig den Schröderianer gibt. Lieber als aufrechter RECHTER SPDler sich eine letzte Option für eine Politik offen halten, die grandios gescheitert ist, als den politischen Offenbarungseid zu leisten. Verschmähte Liebhaber sind häufig sehr anhänglich, will sagen, wenn uns Merkel nicht mehr lieb hat, dann nehmen wir halt in der zweiten Reihe Platz. Immer noch besser als schmerzhaft nachdenken zu müssen und Konsequenzen ziehen zu müssen, die man so erbittert zu verhindern gesucht hat.
goch schrieb am 01.10.2009 um 21:06
Noch ein Nachtrag zum Titel des Artikels. Besser wäre gewesen: Warum das Heilkoma nicht allen Patienten bekommt !
mac schrieb am 02.10.2009 um 00:45
Ich bin in der SPD, ich kann diesem Artikel nichts mehr hinzufügen. Er ist von vorne bis hinten richtig.

Matschie liefert die Partei ans Messer und gehört gestoppt.
mac schrieb am 02.10.2009 um 00:48
Ich bin in der SPD. Ich kann dem Artikel nichts mehr hinzufügen, er ist richtig und stimmig.

Matschie gehört gestoppt, ansonsten liefert er die SPD ans Messer.
weinsztein schrieb am 02.10.2009 um 02:20
Matschie ... gibt's den überhaupt? Eher nicht. Politik-Typen wie den kenne ich nur von gehässigen Karikaturen oder als Fähnchen.
Und werter mac, solche Matschies kann man nicht stoppen, denn wenn es demnächst hart auf hart kommt in der SPD - wenn Steinmaier nebst Konsorten endlich abserviert werden, es zu Verhandlungen mit den LINKEN kommt, gehen die sowieso zur CDU. Da gehören sie auch hin.
Mein Traum jetzt: die SPD-Führung tritt geschlossen aus der CDU aus. Das wäre ein Neubeginn. Und dann sehen wir weiter.
Rainererich schrieb am 02.10.2009 um 09:20
Matschie der Wahlbetrueger
Es ist schon bezeichnend fur den Zustand der SPD, dass es auf den geplanten Wahlbetrug von Matschie keine Reaktion seitens der Bundesebene gibt. Die sind so sehr mit Wundenlecken beschaeftigt, das sie scheinbar gar nichts merken: Matschie betruegt nicht nur die Waehler, er staerkt auch ohne Not die CDU im Bundesrat.Offenbar eine Partei in der Aufloesung. Gut so, denn eine solche Partei braucht niemand in diesem Land.
Magda schrieb am 02.10.2009 um 10:41
"Matschie betruegt nicht nur die Waehler, er staerkt auch ohne Not die CDU im Bundesrat."

Das scheint der Sinn der Übung. Die SPD will diese Mehrheit gar nicht, sie ist für die CDU. Wer gestern von Dohnany zugehört hat bei Maybritt Illner, der konnte zu gar keinem anderen Ergebnis kommen.
misterl schrieb am 02.10.2009 um 13:37
Magda.

Verzeig die Verfeinerung. Dohnany spricht für einen Teil der ?PD nicht für die nunmehr doch hörbare ganze SPD. Möglichweise war er auch deshalb im Tonfall weniger bestimmend, sondern mehr generös.

LG
misterL
Scharfenorth schrieb am 02.10.2009 um 16:12
Wenn Matschie auf die schwarz-rote Koalition in Thüringen eingeht, wird der SPD weiterer erheblicher Schaden zugefügt. Die Thüringer SPD-Spitze hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Nur ein radikaler Politikwechsel kann die Partei noch retten. Zwar sind die Vorbehalte gegen belastete SED-Kader in der Linken verständlich. Daraus aber abzuleiten, dass man mit der LINKEN nicht koalieren könne, ist strategisch gesehen ein Wahnsinns-Fehler. Die LINKE befindet sich auch in einem Reinigungsprozess und die Demographie tut das Übrige. Heute immer wieder die abgedroschenen Argumente vom Unrechtsstaat DDR zu bemühen, um Berührungspunkte zwischen SPD und Linken auszudünnen, ist mehr als gestrig. Unmittelbar Betroffenen nehme ich ihre Aversionen gegen fragwürdige Protagonisten der Linken immer ab. Doch es sind meistens berufsmäßige Polemiker, die nichts vom Osten wissen und als Maulwürfe von Mitte-rechts das Treiben heiß halten.
Schlägt die SPD weiterhin Koalitionen mit der Linken aus, ist ihre Marginalisierung nicht mehr aufzuhalten. Es wäre dann gut vorstellbar, dass die einstige Volkspartei in 10 Jahren nicht mehr existiert.
Ulrich Scharfenorth, Ratingen
www.stoerfall-zukunft.de
Schackerbilly schrieb am 04.10.2009 um 09:21
Ich persönlich bin mittlerweile so weit, dass ich nicht einmal traurig wäre, wenn die SPD vollständig von Grünen zur Rechten und Linkspartei zur Linken aufgesaugt würde.

Das Problem ist nur, dass die Mitte der SPD sich dann der CDU zuwendet, was wiederum einen Teil der CDU-Wähler in die Arme der FDP treiben würde.
dbraun schrieb am 03.10.2009 um 03:12
Grosser Fehler, den die SPD da begeht wenn sie diesen Matschie nicht stoppt. Dewes sollte neuer Chef werden und dann neue Verhandlungen mit der Partei die Linke und den Grünen aufnehmen. Der zukünftige Ministerpräsident sollte dann wie von den linken vorgesehen eine Person mit integrativen Fähigkeiten, aus einer der drei Parteien sein. Vielleicht dann Dewes wenn er die Koalitionsverhandlungen zu einem Erfolg führen kann.
Coroner schrieb am 03.10.2009 um 12:37
Matschie ist ein politischer Karrierist.

Mit seiner Entscheidung eines schwarz-roten Bündnisses biedert er sich beim vorgeblichen "politischen Gegner" an.
Damit baut er vor und zeigt, wem er sich politisch verbunden fühlt.
Vielleicht hat er die SPD bereits aufgeben. Für den Fall eines weiteren Abstiegs der SPD wird er seine politische Karriere in einer andern Partei fortsetzen.

Für die Schrödianer der SPD ist dieses Verhalten typisch. Man denke nur an den ehemaligen Wirtschaftsminister Clement, der eine Wahlempfehlung für die FDP abgab.
Ingo Arend schrieb am 07.10.2009 um 10:38
als andrea ypsilanti nach der landtagswahl unvorbereitet und überhastet einen schwenk zur linkspartei unternahm, hat man ihr zu recht wortbruch vorgeworfen. wenn christoph matschie in thüringen zur cdu umschwenkt, deren ablösung er sich auf die fahnen geschrieben hatte, ist das plötzlich kein wortbruch mehr.
gewiss: die formulierung "das system althaus ablösen" ließ einen weiteren interpretationspielraum zu als wenn er gesagt hätte: "nie mit der cdu". aber dass das nun dermaßen beruhigt diskutiert wird, ist auch auffällig. in hessen hörte ypsilanti nicht so recht auf die grummelnde basis, die beunruhigt war über ihre selbstherrliche führung und den schwer vermittelbaren kurswechsel. in thüringen wiederholt matschie ypsilantis fehler: die aufmuckende basis wird ausgeschaltet, indiskretionen und intrigen statt information und transparenz. die interessierte öffentlichkeit tappt im dunkeln. volker zastrow übernehmen sie!
Tom Strohschneider schrieb am 07.10.2009 um 11:01
Eine gute Idee rechtzeitig zur Buchmesse. In dem Werk könnte ausführlich geschildert werden, wie Christoph Matschie mit der Grünen Astrid Rothe-Beinlich per nächtlicher SMS Schluss machte, bevor die Liaison überhaupt richtig begonnen hatte („Haben uns jetzt für die CDU entschieden“). Und endlich würde auch die Frage der Fragen aufgeklärt: Hat die Linke nun den Satz „Die SPD stellt den Regierungschef“ unterschreiben sollen, wie die Sozialdemokraten behaupten – oder wollte Matschie von Ramelow die Formulierung „Die SPD führt die Regierung“ beglaubigt haben? Vor allem: Was ist da eigentlich der Unterschied?
Onkel Wanja schrieb am 07.10.2009 um 14:09
Man kann Christoph Matschi politische und strategisches Verhalten auch über seinen persönlichen Werdegang in der DDR begreifen. Heute morgen brachte der DEUTSCHLANDFUNK in der Sendung „Tag für Tag -aus Religion und Gesellschaft“ (Gesendet um 9:30 Uhr)die Porträts von drei Personen . „Mit der friedlichen Revolution in die Politik gekommen: Engagierte Mitglieder der Kirchen in Ostdeutschland.“ Und wer waren die drei Porträtierten ? Katrin Göring-Eckardt , Dieter Althaus und Christoph Matschi!
Der Pfarrers-Sohn Matschi litt schrecklich unter dem Regime der DDR und wurde laut Reportage dazu gezwungen evangelische Theologie zu studieren -Eine wirklich schreckliche Strafe!
Ich denke also, seine Gründe eine Koalition mit der LINKSPARTEI zu verhindern sind mehr in seinem wirken als selbsterkorener DDR-Bürgerrechtler zu sehen, und also durchaus mit seinem politischen Überzeugungen verbunden. Machten es ihnen doch die stalinistischen Holzköpfe in der DDR einfach, ihr Gefühl der Rechtschaffenheit, mit ihrem christlichen Irrglauben zu vermengen. Wie kann man sich sonst ausgerechnet als Mitglied einer christlichen Gemeinde als Demokrat erleben? Doch nur in der DDR!

Diese ehemaligen „Bürgerrechtler“ sind also genauer an dort gelandet wo sie politisch in der BRD auch hingehören. Ob nun Matschi oder Thierse: Wo haben sie nur ihre unglaubliche Überheblichkeit und Arroganz her, mit der sie von der Linkspartei ein Bekenntnis zur Demokratie vorderen, selber aber in einer Partei Verantwortung tragen, in der es viel eher zugeht wie in der SED, so das man sich manchmal fragt, wer da eigentlich die SED Machefolgepartei ist im Land, DIE LINKE oder die SPD?!
Was heißt denn sich bekennen zur Demokratie? Wie kann man sich selber als Demokrat bezeichnen, und gleichzeitig die undemokratischen Zustände in der SPD ignorieren?
In der SPD geht es doch zu wie in einer Bananenrepublik, nur das man Parteivorsitzende nicht an der Wand stellt, sondern mit Hilfe von Spin-Doctors medial hinrichtet(Busi Beck)!
Führungszirkel ( Junta) entscheiden schon vorab wer welchen Posten bekommt und zu allem gibt der Seeheimer Kreis seinen Senf ab. Wer hat die eigentlich gewählt?
Die Herren Matschi und Thirse sollten sich auch eher dafür schämen Mitglied in einer Partie zu sein, die seit 1998 mit dazu beigetragen hat, die Legislative und Exekutive unseres Staates auszuhöhlen.
Durch die Mitwirkung der SPD, sind wir innenpolitisch näher an Carl Schmitt „permanentem Ausnahmezustand“ -unter der fassadenhaften Aufrechterhaltung des Grundgesetzes- als je zuvor seit 1949!
Magda schrieb am 07.10.2009 um 14:22
"Machten es ihnen doch die stalinistischen Holzköpfe in der DDR einfach, ihr Gefühl der Rechtschaffenheit, mit ihrem christlichen Irrglauben zu vermengen. Wie kann man sich sonst ausgerechnet als Mitglied einer christlichen Gemeinde als Demokrat erleben? Doch nur in der DDR! "

Na, ist ein bisschen zugespitzt, aber als Polemik klasse.


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