Niemand wird je wissen, wann genau, denn es war irgendein Tag im Oktober 1939, als Adolf Hitler einen seiner privaten Briefbogen nahm und schrieb: „Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann. gez.: Adolf Hitler.“
Der Brief klingt fürsorglich: Ein den leidenden Opfern verantwortlicher Kanzler beauftragt ihm verantwortliche Untergebene, die wiederum ihnen verantwortliche Ärzte beauftragen. Nicht irgendwelche, sondern bestimmte Ärzte, die sorgfältig ihre Diagnose treffen – als nachprüfbare Einzelfallprüfung, frei von Ressentiments und Willkür. Schließlich geht es um Menschen, denen geholfen werden soll; Menschen, die an ihrem Leben leiden; Menschen, die – würden sie sich äußern können – sagen würden: „Lieber Arzt, sei so gnädig, lass mich sterben!“ Aber die An-ihrem-Leben-Leidenden können diesen Satz nicht sagen, denn sie sind ja krank, unheilbar krank. Deshalb muss der verantwortliche Arzt so tun, als hörte er diese Bitte. Er muss das Nichtgesagte aus den Gesten der Leidenden entziffern und sich überwinden, das Humanste zu tun, was ein Arzt tun kann: Die schweigend erflehte Gnade walten lassen! – bis zum Tod aus Gnade, bis zur Euthanasie, was auf deutsch heißt: „schöner, leichter Tod“.
Teil des NS-Rassenkriegs
Der „Euthanasie-Erlass“ ist zurückdatiert auf den 1. September 1939. Was wollte Adolf Hitler dadurch sagen? Er wollte sagen, dass am 1. September 1939 zwei Kriege begannen: Einer gegen den äußeren Feind – Polen und den Rest der Welt. Und einer gegen den inneren Feind, die „Lebensunwerten“. In seiner Vorausdatierung zeigt sich der „Gnadentod-Erlass“ als Bestandteil des NS-Rassenkriegs.
Und um diesen „inneren Krieg“ zu gewinnen, ordnet Hitler die Gründung einer „Tötungsbehörde“ (Götz Aly) an. Deren Zentraldienststelle heißt „T4“, benannt nach ihrem Sitz, Tiergartenstraße 4 in Berlin-Mitte, direkt neben der heutigen Philharmonie. Das klingt unverdächtig.
Aber warum firmiert „Aktion T4“ als Geheime Reichssache? Verheimlicht vor der eigenen NSDAP und ein Jahr lang, bis zum 27. Oktober 1940, sogar vor Franz Gürtner, dem NS-Reichsjustizminister? Weil dieser Massenmord an den „eigenen“ deutschen Kranken der Bevölkerung nicht vermittelbar ist. Deren Sterilisierung war durchsetzbar; mehr nicht.
Tödliche vier Module
Die Täter der „Aktion T4“ ermorden zusammen mit der Folgeaktion „14f13“ zwischen 130.000 und 140.000 Menschen. Anfangs werden geisteskranke Kinder zu Tode gespritzt oder man lässt sie verhungern. Bald kommen Erwachsene hinzu, danach Patienten mit chronischen Erkrankungen: Tbc-, Arteriosklerose-, Krebskranke, schließlich die „Senilen“ aus Altenheimen. Bald beginnen Probevergasungen, dann Massenvergasungen, der Probelauf für Auschwitz.
Vier Module gehörten zum Netzwerk „Gnadentod“: Eine erste Funktionseinheit erfasst und selektiert die Opfer mit Hilfe von Fragebögen. Zuständig ist die Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten (RAG). Die zweite Funktionseinheit hat mit Finanzen und Organisation zu tun und nennt sich „Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege“. Sie finanziert das Tötungsprogramm, tritt als Arbeitgeber auf, ist zuständig für die Besoldung der Mitarbeiter, beschafft das zum Massenmord eingesetzte Kohlenmonoxid.
Eine dritte Funktionseinheit, die Gemeinnützige Krankentransport-GmbH (GEKRAT), holt die Opfer aus den Heil- und Pflegeanstalten und verlegt sie in acht zentrale Tötungsstätten. Ihr Zeichen sind die grauen Omnibusse. Schließlich: die Kostenstelle für die Überweisung der Pflegegelder seitens der Kostenträger. Zuständig: die Zentralverrechnungsstelle Heil- und Pflegeanstalten (ZVSt).
All diese Instanzen kooperieren nur mit einer einzigen staatlichen Stelle: der Unterabteilung „Erb- und Rassenpflege“ in der Gesundheitsabteilung des Reichsinnenministeriums. Für Eingeweihte ist klargestellt, um was es geht: um Erb- und Rassenpflege.
Die T4-Morde durch Gas, Gift und Verhungern-lassen geschehen geheim. Umso öffentlicher ist der Schritt davor: die zwangsweise Massen-Sterilisierung von etwa 360.000 Bürgern, überwiegend zwischen 1934 bis 1939.
Ein eindeutiges Ziel
Rechtsgrundlage ist das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (GeVeN) vom 1. Januar 1934: §1 (1) „Wer erbkrank ist, kann durch chirurgischen Eingriff unfruchtbar gemacht (sterilisiert) werden, wenn nach den Erfahrungen der ärztlichen Wissenschaft mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, daß seine Nachkommen an schweren körperlichen oder geistigen Erbschäden leiden werden. (2) Erbkrank im Sinne dieses Gesetzes ist, wer an einer der folgenden Krankheiten leidet: 1. angeborenem Schwachsinn, 2. Schizophrenie, 3. zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, 4. erblicher Fallsucht, 5. erblichem Veitstanz (Huntingtonsche Chorea), 6. erblicher Blindheit, 7. erblicher Taubheit, 8. schwerer erblicher körperlicher Mißbildung ...“
Der Gesetzeskommentar benennt zwar eindeutig das Ziel, „den Volkskörper zu reinigen und krankhafte Erbanlagen allmählich auszumerzen“. Doch legitimiert wird das Ganze gegenüber der deutschen Bevölkerung auf andere Weise. Durch Kostenrechnungen, zum Beispiel als Rechenaufgabe in Schulbüchern: „Ein Geisteskranker kostet täglich 4 RM, ein Krüppel 5,50 RM, ein Verbrecher 3,50 RM. In vielen Fällen hat ein Beamter nur etwa 4 RM, ein Angestellter kaum 3,50 RM, ein ungelernter Arbeiter noch keine 2 RM auf den Kopf der Familie. (a) Stelle diese Zahlen bildlich dar. Nach vorsichtigen Schätzungen sind in Deutschland 300.000 Geisteskranke, Epileptiker usw. in Anstaltspflege. (b) Was kosten diese jährlich bei einem Satz von 4 RM? (c) Wie viele Ehestandsdarlehen zu 1.000 RM könnten – unter Verzicht auf spätere Rückzahlung – von diesem Geld jährlich ausgegeben werden?“
Es gibt zudem Plakate: „Täglich RM 5,50 kostet den Staat ein Erbkranker – für RM 5,50 kann eine erbgesunde Familie 1 Tag leben“. Es kursiert die Parole: „Erbkranke fallen dem Volk zur Last“. Oder: „60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit – Volksgenosse das ist auch Dein Geld!“
Die Kostenrechnung überlebt
Während der NS-Staat 1945 unter den Schlägen der Alliierten zusammenbricht, überlebt die Kostenrechnung – diesmal ohne rassenhygienischen Hintergrund; den braucht sie auch gar nicht. Die reine Kostenrechnung triumphiert schließlich zum Ende des Jahrhunderts in den Generationen-Bilanzen.
Dort geht es nicht mehr um „Nichtleistungsträger“ (Sarrazin) wie Erwerbslose, „Unterschichtler“, Randständige oder unerwünschte Immigranten; Schnee von gestern. Diesen Bilanzen geht es um die Leistungsträger, um normale Durchschnittsbürger, die „normal“ geboren und erzogen werden, die durchschnittlich krank und ausgebildet sind. Und die postmoderne Forschungsfrage lautet: Was kosten heute geborene durchschnittliche Kinder den Staat, und was erwirtschaften diese Kinder ihr langes Leben lang?
Als Kosten gelten dabei alle Kosten der Geburt, Erziehung und Ausbildung, anteilige Kosten der Infrastruktur, der Verwaltung und natürlich Krankheitskosten und Renten. Auf der Einnahmeseite stehen zu erwartende Steuern, Sozialabgaben, Krankenversicherungsprämien und der erzeugte Mehrwert – sprich: die Gewinne der Unternehmen, in denen sie arbeiten werden. Das Ergebnis des Rechnens kann man etwa in den Strukturberichterstattungen des schweizerischen Staatssekretariats für Wirtschaft (seco) nachlesen: „Die ‚Produktion‘ eines Kindes kostet die Gesellschaft heute im Durchschnitt netto rund 162.000 Schweizer Franken über dessen ganzes Leben gerechnet!“ Genauer: Künftige Durchschnittsmänner bringen lebenslang einen läppischen Pro-Kopf-Nettogewinn von 81.000 Franken; künftige Durchschnittsfrauen hingegen kosten – inklusive Geburtskosten, und weil sie weniger Steuern und Abgaben zahlen – je 417.000 Franken. „Finanziell lohnend für die Gemeinschaft“ sind somit nur Kinder, „die besonders produktive Menschen“ werden, weil sie wegen des progressiven Steuersystems weit überproportional für die öffentlichen Lasten aufkommen.
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Die Verwendung des beschönigenden Wortes "Euthanansie" statt "Massenmord" schon in der Überschrift ist bedauerlich und setzt die Sprache der Nazis fort.
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Hallo Bix,
"Euthanasie" und "Gnadentod" sind jeweils in Anführungszeichen gesetzt; damit und durch den erläuternden Text sind die beiden Begriffe eindeutig als "Nazi-Jargon" kenntlich gemacht. Ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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Die Verwendung des beschönigenden Wortes "Euthanansie" statt "Massenmord" schon in der Überschrift ist bedauerlich und setzt die Sprache der Nazis fort. Siehe auch www.die-anstifter.de/?p=2203
Gruß, Bix. |
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Sehr guter Beitrag, der anschaulich die verbindende Logik der betriebswirtschaftlichen Rechnungsführung mit dem angeblichen "Wert des Lebens" offen legt.
Heute passiert exakt das gleiche, nur dass andere soziale Schichten (die aber auch als ausgesondert und "unwert" weil betriebswirtschaftlich überflüssig) erscheinen, die Kostenfaktoren darstellen. Dieser Zusammenhang reiht sich ein in die vielen Beispiele der Belege dafür, dass Kapitalismus mit seiner Art Wertgegenständlichkeit, in deren Logik alles zur Ware wird (sogar der Mensch selbst), die grundlegende Entfremdung von der Logik der Natur und des Universums darstellt. Respekt! Werde an anderer Stelle gerne Bezug darauf nehmen und den Artikel als Referenz verwenden. |
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Für die zitierten Passagen des Schweizer Staatssekretariats hätte ich gern den Beleg, z.B. Internet-Link. seco veröffentlicht seine Berichte zum freien Download, aber diesen habe ich nicht gefunden. Das schmälert das Vergnügen ganz erheblich.
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Hallo, Frau/Herr kornelik46,
nachfolgend die Belegstelle: Christoph Borgmann und Bernd Raffelhüschen (Bern 2004): Zur Entwicklung der Nachhaltigkeit der schweizerischen Fiskal- und Sozialpolitik. Generationenbilanzen 1995-2001. Strukturberichtserstattungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco), Nr. 25, S. 36 ff, 91 Viele Grüße, Wolfgang Ratzel |
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Passend dazu kam vor einigen Wochen auf RTL ein Bericht darüber wieviel ein Kind aus einer "HARTZ-IV Familie" im Gegensatz zu einem Kind aus einer "anderen" Familie die Gesellschaft kostet. Als Kronzeugin kam Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe zu Wort. Den Bericht selber konnte ich leider nicht mehr finden, er ist genauso unauffindbar wie der öffentliche Aufschrei nach dem Bericht.
Hier gibt es noch eine Zusammenfassung: www.rtl.de/extra/extra_991649.php Arbeitslosigkeit wird bei uns ja auch schon eine Art Erbkrankheit... |
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Hallo, Frau oder Herr merdeister,
Vielen Dank für diese sehr wichtige Information. Aber Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe irrt, wenn Sie glaubt, nur ihre "arme Petra" würde der Allgemeinheit zur Last fallen; auch eine normale, ausgebildete, berufstätige "Petra" kostet mehr als sie bringt; das ist die entsetzliche Nachricht, die sich aus den Berechnungen der Generationenbilanzen ergibt. Schon fast ironisch wirkt die Schlußfolgerung, dass die "arme Petra" auf diese Weise wieder zur "Normalbürgergerin" wird, zumal ALLE DurchschnittsbürgerInnen mehr kosten als sie bringen. Ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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Die meisten von uns werden wohl vor allem als Konsumenten benötigt, die langfristige Logik aus diesem Gedanken entzieht sich mir allerdings.
Ein Menschenleben in Geldeinheiten zu rechnen ist unmenschlich, damals, heute, immer. Als ich diesen Bericht sah, fand ich ihn bereits unmöglich, wenn auch passend in unsere Zeit die Bertelsmann-Ideologie. Als ich dann Ihren Artikel las, wurde mir ob der Parallelen doch etwas übel. Eine Frage die bleibt: "zumal ALLE DurchschnittsbürgerInnen mehr kosten als sie bringen." Von welcher Substanz "leben" wir denn gerade? |
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Hallo Frau oder Herr merdeister,
ja, ja - die Kostenrechnung bringt an den Tag, wie unmenschlich das kapitalistische System im Ganzen ist. Aber wir sehen ja, dass Schwarzgelb in diese Richtung geht: nur kleine Kindergelderhöhung, aber große Erhöhung des Kinderfreibetrags plus Betreuungsgeld 150 Euro, um die mehrfach-hohen öffentlichen Krippen- und Kita-Betreuungskosten zu senken. Wovon wir leben? Gute Frage! Wir leben von extrem viel unbezahlter Arbeit, die nicht in die gesamtwirtschaftliche Kostenrechnung eingeht: Haus- und Erziehungsarbeit, Selbstversorgungsarbeit, bürgerschaftliches Engagement im Bereich des Sozialen, der Umwelt, des Sports usw.. Allein in den privaten Haushalten wurden 1991/92 unfassbare 77 Milliarden unbezahlte Stunden Arbeit geleistet (zum Vergleich: bezahlt waren nur 47 Milliarden Stunden Lohnarbeit). Und dann leben wir alle von den Früchten der Arbeit der sog "asiatisch-afrikanisch-lateinamerikanischen Peripherie" - neokoloniale Ausbeutung also. Ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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Herr Merdeister (den man auch duzen kann, Neokolonialisten unter sich) hatte sowas geahnt bzw. eigentlich gewusst.
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o.k. - ab jetzt also "Du" merdeister: Ehrlich gesagt: ich habe das noch nicht "begriffen", dass ein normalarbeitender Durchschnittsmensch nach herrschend-geltender Meinung ein Kostenfaktor ist. Und vor allem: Wie soll man SystemträgerInnen oder Parteien, die ein System personifizieren, das so "denkt" und handelt, entgegentreten??? Mit Abscheu? Ekel? Hass? Erbitterung? Abwendung? Coolness? Overcoolness? Zynismus? Kynismus? Ironie?
Ciao - Wolfgang |
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nicht erst die rassisten und ökonomisten rechnen mit dem menschen als (unsicherheits)faktor, schon die mathematiker taten das, seit galilei, der die natur in mathematischer schrift entziffern wollte etc.
aber warum so knifflig mit formeln und rechnungen etwas beweisen wollen, das auf der hand liegt, und zwar schon ziemlich lange? herrschaft ist nicht neu. herrschaft muss rechnen, was im speicher, im schatzhaus, im rüsthaus liegt, muss wissen, was zur verfügung steht. und herrschaft unterscheidet, macht klare unterschiede zwischen menschen, zieht grenzen, zwischen freund und feind, zwischen edel und ordinär etc. und herrschaft verletzt und tötet und mordet immer. sie bestimmt, wem was zusteht, wer und was auszubeuten ist etc. aber es gab und gibt grade der pingeligkeit beim ausüben der herrschaft. doch herrschaft ist in jedem fall inhuman und irrational. das sage ich nicht als anarchist. |
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Hallo, h.yuren,
genau so ist es - es geht um ein "rechnendes Denken und Handeln", um einen "rechenhaften Habitus" bzw "habit", der immer wieder rechnen muss, um die eigenen Berechnungen glaubhaft zu machen; das Gegenteil hiervon ist das sorgende Denken und Handeln. Problem: Das rechnende Denken der Herrschenden hat längst die Beherrschten "infiziert"; mehr und mehr rechnen und berechnen alle alles. Das zwingt zur Fundamentalkritik dessen, was gilt, und zur Fundamentalkritik der eigenen Existenzweise! - leider! Ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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hallo wolfgang, eben. weil wir hier unten gezwungen werden zu rechnen, wäre es doch an der zeit, die gegenrechnung aufzumachen über die da oben, den herrschenden und regierenden vorzurechnen, was für kosten sie verursachen.
denken wir nur an sehr naheliegendes, z.b. die wirtschaftsweise der großbanken, ministerien und wirtschaftskonzerne. die kultusbürokratie sollte auch nicht außen vor bleiben. usw. usw. das vorzurechnen und konsequenzen zu fordern ist überfällig. den rechnern die rechnung präsentieren. |
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Hallo, h.yuren,
aus einer "aufklärerischen" Perspektive heraus wäre eine solche "Gegenrechnung" bestimmt sinn-voll - man könnte in der Tat sehr anschaulich "berechnen", wie die HERRschenden die Welt zugrunderichten. Problem: Man verharrte dadurch in der "Logik der HERRschenden" - besser wäre es, man spränge aus dieser Logik heraus und begründete eine andere Logik, die man vielleicht "Politik der Sorge um Mitwelt und Umwelt" nennen könnte: statt "Denken in Werten und Verwertung" also ein "Denken als Sorge um...." - mit entsprechenden Strukturen und Handlungsweisen. ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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hallo wolfgang, so weit weg von der logik der herrschenden ist die logik der ökobilanzen nicht, meine ich. andrerseits zielt diese berechnung nicht auf die herrschaft, sondern auf die eingrenzung derselben.
ganz ohne rechnen/computer kommt die hochkomplexe und globalisierte gesellschaft nicht mehr aus. das hat uns die herrschaft eingebrockt. aber durch die neuen rechnungen wissen wir doch nun auch, dass nicht der/DER mensch ein unsicherheits- und kostenfaktor ist, sondern der machtkranke mensch, der sich als unmensch erweist. |
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Hallo, h.yuren,
egal ob nun die Methode der "Berechnung" die Ausdehnung oder Eingrenzung von Herrschaft bewirken will; als Berechnung bleibt sie in der derselben Logik, die Herrschaft erzeugt; deshalb muss man aus dieser Logik "herausspringen". Gleichwohl ist es richtig, die Folgen der destruktiven kapitalistischen Lebens- und Produktionsweise zu berechnen; das hat eine aufklärerische Wirkung. Auch bin ich dafür, die tatsächlichen Kosten dieser Wirkungen auf die Produktionskosten von Waren umzulegen; ich fand die Uralt-Forderung der Grünen nach 5 DM pro Liter Benzin "gold"richtig; der Verrat der Grünen wurde offensichtlich, als sie von dieser richtigen Forderung abrückten, und zwar aus rein machtpolitischen Erwägungen. Ciao - wolfgang.ratzel@t-online.de |
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