Politik

Klimahilfen | 21.12.2009 07:00 | Dominik Bardow

"Wir müssen starke Staaten aufbauen"

Die Industrieländer wollen den Entwicklungsländern 30 Milliarden Dollar für die Anpassung an den Klimawandel zukommen lassen. Doch wie kommt das Geld dort sinnvoll an?

Der Freitag: Herr Drakenberg, in Kopenhagen wurde viel diskutiert, wer wieviel für Klimahilfen gibt. In ihrem Bericht schreiben Sie, dass es genauso wichtig sei, wie die Mittel verteilt und verwendet werden. Warum?

Olof Drakenberg: Über die Mittelverwendung wurde in der Tat nicht viel gesprochen. Das ist das Schwierige bei einer Konferenz: Zunächst wird über Summen geredet, dann erst darüber, wie man sicherstellen kann, dass die Gelder auch ihren Zweck erfüllen. Es ist zwar sehr, sehr wichtig, dass neue Mittel bereitgestellt werden, aber auch, dass Gelder effektiv verwendet werden.

In Kopenhagen zeichnete sich ab, dass zumindest Teile der Klimagelder aus der Entwicklungshilfe abgezweigt werden sollen. Was halten Sie davon?

Die Frage ist doch: Warum sollten die Entwicklungsländer den finanziellen Versprechungen Glauben schenken? Diese Länder blicken auf eine lange Geschichte von unerfüllten Versprechungen zurück, was sicherlich eine große Hürde in den Verhandlungen war. Entwicklungshilfen einfach ein neues Etikett zu verpassen, trägt meiner Ansicht nach nicht dazu dabei, die Vertrauenslücke zwischen armen und reichen Länder zu schließen. Es werden neue Gelder benötigt, nicht ein neues Etikett.

Welche Erfahrungen aus der Entwicklungshilfe könnten jetzt bei der Verteilung der Klimagelder hilfreich sein?

Eine wichtige Lektion aus der Entwicklungshilfe ist, dass die Gelder an die Länder selbst gehen sollten, nicht an einzelne Projekte, nach dem Motto: Wir geben das Geld nicht dem Finanzminister, sondern direkt eurem Projekt. Man darf den Staaten auch nicht von außen vorschreiben, was sie mit den Mitteln zu tun haben, denn sie wissen selbst, wo im Land die Prioritäten liegen. Zudem ist es wichtig, dass man in der Verwaltung kein Parallel-System aufbaut, also zum Beispiel nicht eigene Buchprüfer einstellt, sondern die vor Ort nutzt. Man muss die bestehenden Systeme im Land stärken. Bei früheren Förderprogrammen hat sich gezeigt, dass die ärmsten Länder gerade einmal drei Prozent der Mittel bekamen. Das meiste Geld ging nach China, Indien und Brasilien, weil sie mehr Industrie und stabilere Strukturen haben. Daher ist Entwicklungshilfe wichtig, um in armen Ländern die Kapazitäten dafür aufzubauen, sich überhaupt für Fördermittel bewerben zu können.

Besteht dann nicht auch bei den Kopenhagener Klimahilfen die Gefahr, dass die meisten Mittel nach China gehen?

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Ein großes Problem, über das zur Zeit viel diskutiert wird, ist, dass man in dem aktuell gültigen Kyoto-Protokoll nur zwischen Industrie- und Entwicklungsländer unterscheidet. Auf diese Art setzt man Mali mit China gleich und behandelt es gleich. Wenn das so bleibt, wird China einen Großteil der Klimahilfen anziehen, auch beim Emissionshandel. Die ärmeren Länder können in so einem System nicht mithalten, weil ihnen oft Infrastruktur, vertrauenswürdigere Regierungen und verlässlichere Daten fehlen. Zudem sind die Korruptionsraten dort höher.

Wie lässt sich denn kontrollieren, dass die Mittel richtig verwendet werden und nicht versacken?

Es ist wichtig zu begreifen, dass es unmöglich ist, volle Kontrolle über alle Gelder zu behalten. Wenn zum Beispiel in Schweden die Regierung Fördermittel an Kommunalparteien vergibt, liegt die Kostenwirksamkeit auch nicht bei 100 Prozent und hier und da gibt es Korruption. Man kann dem Steuerzahler nicht sagen: Wir haben hundertprozentige Kontrolle über alles, weil das nie so sein wird. Natürlich müssen diejenigen, denen Mittel anvertraut werden, Bericht über ihre Fortschritte ablegen. Aber dafür darf man kein komplett neues Mess-System einführen, sondern muss auf die Kontrollmechanismen aufbauen, die es schon im Land gibt. Wirklich hilfreich ist es meiner Meinung nach, starke Staaten aufzubauen. Dann wird das Geld auch zu guten Ergebnissen führen.

 

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 21.12.2009 um 09:34
Ob man und mit welcher Zielsetzung man starke Staaten aufbaut, in dem man den Regierungen mit der stärksten Korruption die Gelder direkt übereignet - diese Erklärung bleibt Herr Drakenberg schludig. Fraglich ist auch der sich daraus ergebende Wirkungsgrad. Recht hat er sicherlich mit der Anmerkung, dass Länder wie Indien und China zu sehr bevorteilt würden. Hier sollte auch differenziert werden - zwischen Staaten, die klimagerechteres Handeln durchaus selbst finanzieren könnten und denen, die aus der Not heraus gar nicht in der Lage dazu sind. Wenn China den eigenen Schiffbau mit Milliarden subventioniert, ist das Land sicher auch in der Lage, klimaneutraler zu agieren. Hier kommt es letztlich nur auf das Wollen an. Ob es allerdings sinnvoll ist, Gelder in korrupte Systeme zu pumpen, in denen es dann versickert und sich nichts oder nur wenig ändert, ist mehr als fraglich. Und letzlich hat Herr Drakenberg dieses Problem ja auch selbst angeführt. Die Frage ist nur, warum er das dann befürwortet.
Klausabc schrieb am 21.12.2009 um 15:30
Diesen hohen Betrag -30 Milliarden- muss mann relativieren. Eine Photovoltaikanlage kostet je KW installierter Leistung ca. 3000 Euro. Das bedeutet, es könnten mit den Mitteln 10 Millionen KW installiert werden (Es ist weniger). Eine sinnvolle Anlage liegt ggf. bei 3,3 KW. Also können rund 3,3 Millionen Anlagen installiert werden. Verteilt auf 100 bedürftige Staaten sind das 33 000 Mini-Anlagen je Staat. So kann das mit der Hilfe nicht gedacht sein. Das bringt gar nichts. Da sind Solaröfen sinnvoller. Die Technik dafür kann man sich aber kostenlos als Bauplan aus dem Internet ziehen. Die Frage ist. Wie soll das Geld verwendet werden. Mir stellt es sich im Moment so dar, als wären diese Mittel als Schweigegeld für
die Eliten der armen Länder vorgesehen.
gweberbv schrieb am 22.12.2009 um 01:16
@Klausabc

Mit der Photovoltaik hast du dir für deine Überschlagsrechnung leider die - nach der Verbrennung von Geldscheinen - zweitteuerste Art der Energieerzeugung ausgesucht.
Klausabc schrieb am 22.12.2009 um 08:52
Das war Absicht.Es ändert aber nichts daran, dass auch für die Herstellung von beispielweise Luftkollektoren und Solaröfen (die beiden preiswertesten Arten) beispielsweise Kunststoffindustrie oder Glasindustrie sowie Produkte für die Isolation benötigt werden.
Diese Industrien haben die armen Länder nicht. Sie müssen also die Technik kaufen. Damit landet das Geld wieder bei unserer Industrie während die Allgemein diese über die Verbrauchssteuern bezahlt. Von diesem Kuchen würden die USA wahrscheinlich nicht viel abbekommen. Deshalb ist die Neigung zu zahlen auch nicht so groß. Deutsche Firmen würden eher profitieren. Eigentlich müßte man als kleiner Steuerzahler also gegen derartige Hilfen sein. Wenn das Geld bedingungslos verschenkt wird würde man den armen Ländern helfen. Aber auch der heimischen Industrie. Bezahlt wird das Spiel vom kleinen Mann.
In eigenem Interesse sollte dieser also sagen: Klimaschutz ja, aber schenkt mir das Geld, damit ich mein kleines Häuschen isolieren kann.


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