Politik

Schwarz-Gelb | 30.12.2009 10:35 | Michael Jäger

Wenn wir eine Opposition hätten

Die ungedeckte Klientelpolitik der Regierung stößt selbst in der Union auf Widerstand. Wenn das so weitergeht, übersteht die Kanzlerin die Wahlperiode nicht unbeschadet

Nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU, das "Wachstumsbeschleunigungsgesetz" der Regierung mit seinen Steuererleichterungen für Hoteliers vernichtend kritisiert hat und einige nicht gerade unwichtigen Unionsgranden, etwa der scheidende Baden-Württembergische Ministerpräsident Oettinger, sich ihm anschlossen, denkt man vielleicht zunächst, na klar, wenn ein solches Gesetz nicht von überallher Kritik erführe, wäre die Welt nicht in Ordnung. Das sagen sich ja sogar die Urheber und Anhänger des Gesetzes selber, zum Beispiel Alexander Dobrindt, Generalsekretär der CSU, der im Streit darum, ob man die ersten Monate der neuen Regierung womöglich als "Fehlstart" bewerten könnte, nur so etwas wie die Weltfremdheit von Menschen sehen kann, die das Autofahren nicht gelernt haben: „Da kracht's auch mal im Getriebe", sagt dieser Kenner, der wahrscheinlich mit einer kritischen Beifahrerin verheiratet ist, "vor allem dann, wenn die FDP nach elf Jahren Opposition wieder vorne sitzen darf.“ Politik im Alltag, so weiter Dobrindt, fahre man doch nicht im Automatikgang!

Aber solche Äußerungen zeigen nur, dass das Auto nicht nur für ökologische, sondern auch für geistige Katastrophen sorgt. In Wahrheit ist es natürlich ein ungeheuerlicher, nie da gewesener Vorgang, dass ein Bundestagspräsident eine Kanzlerin so massiv angreift, die derselben Partei angehört wie er selbst, und dass er es deshalb tun muss, weil diese Kanzlerin sich entweder der Politik des viel kleineren Koalitionspartners beugt oder es ihre eigene Politik ist, die sie nicht zuzugeben wagt und deshalb hinter dem großen Staatsmann Westerwelle versteckt.

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Gescheiterte Politik als Heilmittel

Und was ist das für eine Politik: Diese Menschen wagen es allen Ernstes, dieselbe neoliberale Politik, die gerade erst in der Wirtschaftskrise gescheitert ist, als Heilmittel zu deren Überwindung zu verkaufen. So ist FDP-Generalsekretär Lindner immer noch überzeugt, dass man Unternehmern nur Geld zu schenken braucht; schon würden sie zu investieren anfangen und für Arbeitsplätze sorgen und nicht etwa das Geld auf die Bank tragen, wo es sich, wie wir leidvoll erfahren haben, zu fiktionalisieren pflegt: Die Reform sei "finanz- und wirtschaftspolitisch alternativlos", sagt der Mann, den man für einen Automaten halten könnte, denn sie werde Wachstum erzeugen und damit die Staatsfinanzen in Ordnung bringen.

Das ist so dumm, dass der Bundestagspräsident da einfach nicht mitziehen kann. Aber man glaube doch nicht, dass seine Kritik folgenlos bleiben, dass sie nicht wiederholt werden und immer stärkere Misstöne erzeugen wird. Wie laut wird die Kritik erst werden, wenn die Kanzlerin das eigentliche FDP-Vorhaben, die ungedeckte Steuerschenkung in Höhe von 24 Milliarden Euro, in die Tat umzusetzen versucht? Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie die Legislaturperiode unbeschadet übersteht. Wenn wir eine Opposition hätten, die den Namen verdient, wäre das ihre Stunde: die Stunde, ein radikales Programm für eine andere Ökonomie zu veröffentlichen.

 
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Kommentare
goch schrieb am 30.12.2009 um 15:10
@Michael Jäger:Das ist so dumm, dass der Bundestagspräsident da einfach nicht mitziehen kann. Aber man glaube doch nicht, dass seine Kritik folgenlos bleiben, dass sie nicht wiederholt werden und immer stärkere Misstöne erzeugen wird.

Das ist doch nun mal die Feinabstimmung der unterschiedlichen Interessengruppen auf der herrschenden Seite.
Und was heißt denn hier "dumm" .
Im letzten Jahr hat die Deutsche Bank ihren Aktienkurs um 80 % gesteigert mit Casino-Politik oder irre ich mich da.
Es ist also sehr wohl strittig unter diesen Herren, warum es nicht so weitergehen kann,zumindest bis die Verluste wieder eingefahren sind. Dafür hält die FDP die Steigbügel. Und ein anderer Teil dieser Herren ist besorgt um die Außenwirkung dieser Politik. Dafür sind sie ja auch gewählt worden oder?
observator schrieb am 31.12.2009 um 10:36
MM wird die Wahlperiode überstehen, weil die sog. Opposition, allen voran die SPD, viel zu lahmarschig ist, um sie ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Die SPD hat auch zu Zeiten der GroKo immer noch nicht begriffen, dass die Schwarzen ihr an Intelligenz, Brutalität und Stehvermögen deutlich überlegen sind. Sie haben Recht, das eigentliche aktuelle Ärgernis besteht im Fehlen einer glaubwürdigen und kräftigen Opposition. Selbst die Linken werden langsam schläfrig. Prosit Neujahr!
jps-mm schrieb am 31.12.2009 um 10:53
Deutschland ist ein asozialer Unrechtsstaat!

Mit der Merkel werden Menschenrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt:

Im Jahr 2005 stellte die Merkel das Programm für die Legislaturperiode unter das Motto "Mehr Freiheit wagen". Tatsächlich aber hat die Merkel in den letzten 4 Jahren u.a. dafür gesorgt, dass
- die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art unverändert fortgesetzt wurden,
- die dafür verantwortlichen Rechtsbrecher systematisch der Strafverfolgung entzogen wurden,
- mittels Vorratsdatenspeicherung sämtliche Verbindungsdaten von Internet- und Handy-Verbindungen über einen Zeitraum von 6 Monaten gespeichert werden,
- das BKA eigenmächtig - ohne Beaufsichtigung durch einen Staatsanwalt -präventive Ermittlungen ohne konkreten Tatverdacht durchführen darf,
- die Befugnisse des BKA zu Lauschangriffen auf Wohnungen nochmals deutlich ausgeweitet wurden,
- das BKA auch die Befugnis für Video-Überwachungen von Wohnungen erhalten hat,
- die Durchsuchung und Überwachung von Computern im Wege der sogenannten Online-Durchsuchung zulässig ist.

Die Merkel hat die Bürgerrechte vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.

Die Merkel hat den Begriff "Freiheit" damit vollständig entkernt.
euklid schrieb am 01.01.2010 um 09:06
Hallo, Leute,

mich stört diese hochalarmistische Sprache. Politisch teile ich die Ansichten von jps-mm.
Aber "schwerster", "vollständig", und "letzten" scheinen mir unangemessenen Gekreische zu sein.
Wenn ich den Geschmack der Suppe nur mit Superlativen kritisiere, wie will ich
die Abwesenheit von Nahrung überhaupt dann noch kritisieren?

Die EU ersäuft oder lässt ersäufen die Afrika-Flüchtlinge im Mittelmeer. Das
verdiente, meine ich, Superlative.

mfg
euklid
Achtermann schrieb am 01.01.2010 um 09:48
Michael Jäger schreibt: „So ist FDP-Generalsekretär Lindner immer noch überzeugt, dass man Unternehmern nur Geld zu schenken braucht; schon würden sie zu investieren anfangen und für Arbeitsplätze sorgen und nicht etwa das Geld auf die Bank tragen…“.

Davon gehe ich nicht aus, dass der Generalsekretär der FDP davon ‚überzeugt’ wäre. Er weiß so gut wie jeder Linke oder Halblinke, dass seine Theorie nicht stimmt. Lindner macht ganz einfach Interessenpolitik. Sonst wäre er nicht zum Generalsekretär der Freien Demokratischen Partei aufgestiegen.

Ein Kurzausschnitt aus Lindners Selbstdarstellung mag das verdeutlichen: „Seit meiner Geburt 1979 lebe ich im Bergischen Land. In Wermelskirchen habe ich bis zum Abitur 1998 die Schule besucht und mich bereits als Schüler selbständig gemacht: Mein Unternehmen in der Kommunikationsbranche war erfolgreich…“.
Grokodeal schrieb am 01.01.2010 um 12:55
Wer die Neujahrsansprache von Merkel gehört oder gesehen hat, mußte bis zum Schluß warten, bis sie das erste Wort zur Wirtschafts- und Finanzkrise in den Mund nahm. Nichts zeigt ihre Hilflosigkeit oder ihr cleveres Taktieren mehr als das Gesülze über ihre Jahreswendenfeier 89/90 in Hamburg, "die erste in Freiheit". Auffällig ist, daß über die Entwicklung in Asien kein Wort verloren wird. Alles redet von Globalisierung, nur bei der Analyse und dem Ausblick auf 2010 nicht. Warum? weil man Angst davor haben muß, daß der Wirtschaftsmarkt Asien bald nicht mehr in der Form existieren wird.Heute fallen dort in wichtigen Ländern Zollschranken, und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Das würde viel an Prognosen über den Haufen werfen. Wie selbstverständlich rechnet man mit dem großen Absatzmarkt.Japan will im "Grünen Bereich" alleine 2 Millionen Arbeitsplätze schaffen und sie handeln entsprechend: nicht wie Deutschland. Diese Krise kommt erst für Deutschland, dazu gäbe es noch viel zu sagen.
Pankefuchs schrieb am 02.01.2010 um 23:03
Finde ich erstaunlich. Ich lese im Internet sehr, sehr viele richtige Ansichten und Erkenntnisse.
Und dann, bei den Wahlen, machen alle wieder ihr Kreuzchen bei den "Etablierten"!!!
Bevor der Michel nicht den Mut zur Veränderung hat, wird sich garnichts tun !!!
Also was soll das ganze Geschwafel?
misterL schrieb am 03.01.2010 um 11:21
Man darf (auch wenn man der "Debatte" hier im Freitag der vermeintlich Linken Mehrheit folgt) annehmen, dass sich die Opposition ähnlich Selbstzerstückeln wird, wie es die Regierungsmehrheit derzeit macht und sicher bei steigender Problemlast noch stärker machen wird.

Die Agenda für 2010 wird denn auch beweisen, nie wäre es wichtiger gewesen eine von der Mehrheit des Landes getragene Agenda für 2010 zu haben. Man hat sie nicht - ganz gleich wie man die Farbenspiele spielt.

Ein fiser Gedanke macht sich breit: möglicherweise endete die sogenannte Große Koalition vier Jahre zu früh.
jps-mm schrieb am 10.01.2010 um 14:49
Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung haben über 70% der Bürger kein Vertrauen in den deutschen Staat.

Seit dem Amtsantritt der Merkel hat sich die Menschenrechtslage in Deutschland drastisch verschlechtert. Selbstverständlich wird auch die Verletzung von Bürgerrechten schwerster Art - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Straftäter gegen Bürgerrechte dürfen es sich bei der Merkel auf der Regierungsbank bequem machen. Im übrigen hintertreibt die Merkel systematisch die Verfolgung von Straftätern gegen Bürgerrechte.

Für all das ist die Merkel verantwortlich.


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