Mahmud Ahmadinedjad ist nicht unverwundbar, doch mit vielen Blößen gepanzert, die ihm vorerst helfen, Präsident zu bleiben. Wenn die Obama-Administration mit härteren Sanktionen und gar einem Angriff droht, gerät das zur Handreichung in großer Not. Wenn Druck von außen den inneren übertrifft, wird aus Ahmadinedjads Schwäche temporär Stärke. Wenig kann der ihn angreifenden Opposition so zum Verhängnis werden wie Angriffspläne ihrer Sympathisanten im Westen. Doch schwindet in Washington mit der Hoffnung auf einen Machtwechsel in Teheran auch der Wille zur Rücksicht auf die Protagonisten einer Wende. Und rigide Sanktionen sind vorzüglich geeignet, den Anteil der iranischen Führung an der ökonomischen Misere des Landes zu kaschieren.
Die westliche Anti-Iran-Front greift unversehens auf die aus anderen Konflikten bekannte Notwehrsimulation zurück, die sich des Entweder-Oder-Dogmas bedient: Entweder wird irgendwann militärisch gehandelt oder wir haben nicht nur einen Schurken-, sondern einen Nuklearstaat Iran, der das globale Sicherheitsrisiko schlechthin verkörpert. Entweder wird Slobodan Milośević zur Räson gebombt oder hunderttausenden Kosovo-Albanern drohen Tod und Vertreibung, lautete die vergleichbare Nötigung vor dem Jugoslawien-Krieg der NATO 1999. Entweder Saddam Hussein wird gestürzt oder seine Massenvernichtungswaffen ermächtigen ihn zu regionaler Despotie, ließ sich das Argumentationsmuster auf der Schwelle zum Irak-Krieg 2003 wiedergeben. Weil die Führung in Bagdad zudem verdächtig war, mit al-Qaida zu liebäugeln, erschien eine Invasion auch durch den Anti-Terror-Kampf geadelt. Da derzeit beim Thema Iran Mutmaßungen über sein Atompotenzial schon wieder wie Gewissheiten klingen, sei daran erinnert, dass nach dem Einmarsch Saddam Hussein zwar bald, seine Waffendepots aber nie gefunden wurden. Al-Qaida kam erst, als Leute wie der Jordanier al-Sarkawi dem amerikanischen „Teufel“ im Irak direkt ins Auge sehen konnten.
Unbestritten liefert Teheran seinen Gegnern gerade präzise Vorlagen, um verbal aufzurüsten und das bekannte Raster zu nutzen. Präsident Ahmadinedjad übersieht, dass die USA und die EU in ihrer Iran-Politik inzwischen sehr viel mehr auf Konsens setzen als zu Zeiten von George Bush. Dennoch agiert er weiter betont unkooperativ. In diplomatischer Hinsicht ein fragwürdiges Gebaren, aber nicht per se strafwürdig. Weder die Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates noch das Gremium überhaupt, noch die USA, noch Israel sind berufen, Iran in die Schranken zu weisen, solange nicht der glasklare Beweis vorliegt, dass dieses Land internationale Sicherheit akut gefährdet. Statt Sanktionen zu verhängen, wäre es an der Zeit, dass die Vereinten Nation so etwas wie Iran-Garantien übernehmen. Das wäre keine Liebeserklärung an diesen Staat, sondern Ausdruck des Respekts vor seinen Sicherheitsbedürfnissen, die einiges mit der massiven Militärpräsenz der USA im Nahen Osten zu tun haben. Die Ignoranz dieser Kausalität schützt Ahmadinedjad mehr, als seine Gegner wahrhaben wollen.
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Sehr guter Artikel. Als Zusatz verweise ich immer wieder auf einen nicht zu unterschätzenden Faktor:
de.rian.ru/safety/20100217/125149262.html |
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Was soll denn das heissen? Haben die Russen denn die hoch und heilig versprochenen Flugabwehrraketen schon geliefert? Was wollen sie denn tun? Einmarschieren, wenn die amerikanischen Soldaten kommen? Sowas steht doch garnicht zur Debatte. Erstmal gehts um einen denkbaren Sicherheitsratsbeschluss. Wobei ich mal bemerken moechte, dass mir das doch hier allmaehlich alles sehr stammtischartig vorkommt, wenns um Politik geht. Wie rechtfertigt sich das Thema, gehts um die Formulierung einer linken Position und warum ist die links und nicht rechts?
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schrieb am
26.02.2010 um 00:28
Das finde ich ja mal witzig, Herr Teich, dass jetzt Lutz Herden in seiner stets differenzierten Art von Ihnen an den Stammtisch gesetzt wird.
Dann auch noch mit dem Nullargument von wegen rechter und linker Position. Herr Herden betreibt, um Ihnen einen Hinweis zugeben, Analyse von Machtpolitik, gibt auch Hinweise, was er für besser hielte als das Stattfindende, aber mir gefällt auch und gerade, dass er versucht, das nüchtern zu tun, wie es sich an solcher Stelle gehört. Mir ist er jedenfalls gleichzeitig links und rechts genug. |
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Was hat das mit Stammtisch zu tun, wenn wieder einmal Militärschläge gegen Teheran erwogen werden, dann ist das einfach ein journalistisches Thema.
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Die Perser sind Meister des Schachs. Haben sie das Spiel nicht sogar erfunden? Im Uebrigten waere ich Dir dankbar dafuer, wenn Du mir einmal erklaeren koenntest, was die innenpolitischen Gegner des Praesidenten wollen.
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Danke für so viel Vernunft. Ich wünschte, die würde sich bei gewissen Regierungen durchsetzen.
Ich sah kürzlich eine Landkarte des Iran im Internet, auf der die US-Stützpunkte in den umliegenden Ländern abgebildet waren. Wenn ein Land Grund hat, sich bedroht zu fühlen, dann ist es der Iran. Und ich glaube nicht, dass es eine nennenswerte Opposition gibt, die eine Regimeänderung durch einen Eingriff von außen befürworten würde - das wäre wohl auch ihr innenpolitisches Ende. Hinzu kommt, dass der Iran, gerade auch Ahmedinejad, durch sein selbstbewusstes, seine Gegner provozierendes Auftreten selbst in der arabischen Welt, wo er als Schiit eigentlich gar nicht zu den Freunden zählt, große Sympathien in der Bevölkerung sammelt. Der Westen trampelt wie ein Elefant durch den diplomatischen Porzellanladen, wenn nun erneut unglaubwürdige Behauptungen als Grund für Kriegsdrohungen genutzt werden, während Israel bekanntermaßen die Bombe bereits hat, ohne dass daran die leiseste Kritik all dieser Atomgegner zu hören wäre. Hier brennt die Lunte an einem ganz anderen Pulverfass. Aber das will im Westen kaum jemand sehen. |
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Es kommt hinzu, dass Obama innenpol. dermaßen unter Druck steht, dass ein außenpolitsicher Befreiungsschlag willkommen wäre und wirklich wie eine Befreiung wirken könnte.
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Das kommt leider hinzu.
Was ich aber auch befürchte, ist, dass sowohl er als auch seine Berater sich nicht aus ihrer Sichtweise lösen können, dass dort jubelnde Massen auf die Befreiung warten. Beim Irak-Krieg war das einer ihrer Denkfehler, und ich habe bei der gesamten Diskussion um die iranische Opposition - die man teilweise eher Legendenbildung nennen sollte - die Befürchtung, dass sich daran nicht wirklich viel geändert hat. |
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Vielleicht ist auch der rätselhafte Aufmarsch der Amerikaner in der nicht aufzufindenden Stadt Mardscha (englisch: Marjah, auch Marja, bei Google Earth Marjeh) in der afghanischen Südprovinz Helmand, mit angeblich 80000 Einwohnern, wo nur etwa 50 Lehmhütten lokalisierbar sind, 200 Kilometer entfernt von der persischen Grenze, in den Kontext eines möglichen Angriffs auf den Iran zu stellen.
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