Der Freitag: Herr Kindler, die Opposition im Bundestag hat „Riesenproteste“ gegen das „historische Sparpaket“ angekündigt. Am Samstag gingen zwar mehrere Zehntausend gegen Sozialkürzungen auf die Straße. Aber gemessen an den Dimensionen der schwarz-gelben Pläne war das ein doch eher verhaltener Auftakt. Kommt da noch was?
Sven-Christian Kindler: Erstens ist dieses Sparpaket nicht historisch, sondern kraftlos und von einer zerstrittenen Koalition ohne Mut aufgestellt worden. Es kürzt bei den Schwächsten der Gesellschaft und verschont die Vermögenden, statt einen sozial-ökologischen Kurswechsel einzuleiten. Und deshalb ist es, zweitens, dringend erforderlich, dass sich jetzt weitere, größere Proteste gegen diese unsoziale Politik der schwarz-gelben Bundesregierung anschließen. Da sind alle gefragt, Gewerkschaften, Parteien, aber auch Basisinitiativen und Betroffene.
2010 fand eine der größten Anti-Atom-Aktionen seit Jahren statt, 120.000 Demonstranten reihten sich im April in eine Menschenkette durch Norddeutschland ein. Sozialpolitischer Widerstand hingegen hat schon länger nicht mehr solche Dimensionen erreicht. Woran liegt das?
Es gibt ein Mobilisierungsproblem der Unterprivilegierten und Ausgegrenzten. Es gehen eher jene auf die Straße, die Angst vor sozialem Abstieg haben – nicht die, die schon ganz unten sind. Deshalb ist es so wichtig, dass jetzt die Mittelschicht und die Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmer protestieren: aus Solidarität, und weil niemand sagen kann, welche Kürzungen bei Leistungen oder Eingriffe in Arbeitnehmerrechte von Schwarz-Gelb als nächstes auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Apropos Kürzungen: Welche Rolle spielen die Grünen noch in der außerparlamentarischen Protestbewegung? In Stuttgart wurde bei der Krisen-Demonstration die baden-württembergische Landesvorsitzende Silke Krebs ausgepfiffen.
Das Bündnis, das zu den Demonstrationen vom Samstag aufgerufen hat, repräsentiert den linken Rand derjenigen Kräfte, die in Opposition zu Schwarz-Gelb stehen. Das ist ein Problem, weil Protestaktionen dann zu wenig in die gesellschaftliche Mitte hinein wirken. Und das bekommen wir als ehemalige Regierungspartei natürlich auch über vereinzelte Kritik zu spüren.
Es dürften in Wahrheit mehr Menschen sein, welche die rot-grünen Regierungsjahre nicht vergessen haben.
Dazu besteht auch kein Anlass. Rot-Grün hat in der Bundesregierung viele richtige Projekte auf den Weg gebracht – von der Förderung erneuerbaren Energien über die Homoehe bis zum Atomkonsens. Richtig ist allerdings auch: Wir brauchen eine kritische Bilanz, vor allem was die Steuer-, Haushalts- und Wirtschaftspolitik angeht. Die Grünen haben seit 2005 wichtige Korrekturen vorgenommen und sich politisch in der Opposition weiterentwickelt. Denken Sie an den Green New Deal oder die Forderung nach einer grünen Grundsicherung und dem Ausbau öffentlicher Infrastruktur. Da sind wir auf einem guten Weg. Und auch der Kontakt zur außerparlamentarischen Bewegung, zu Gewerkschaften und Sozialverbänden ist deutlich besser geworden.
„Viele Menschen wissen“, sagt Angela Merkel, „dass wir sparen und Schulden abbauen müssen.“ Müssen wir wirklich?
Ja. Wir müssen die Verschuldung begrenzen und sparen. Daran führt kein Weg vorbei.
Sie stimmen der Kanzlerin zu?
Nein. Denn es macht einen Unterschied, ob man einseitig zu Lasten der Beschäftigten und Leistungsbezieher spart und Vermögende weiter bevorzugt. Und damit die Fundamente neuer Finanzkrisen schafft, weil sich Vermögenszuwächse bei einer Minderheit konzentrieren, die ihren Reichtum nicht konsumiert, sondern auf den Finanzmärkten anlegt. Oder ob man gerecht saniert und gleichzeitig in zentrale Zukunftsaufgaben wie Klimaschutz, Bildung oder öffentliche Infrastruktur investiert.
Das zu tun, behauptet die Koalition auch.
Trotzdem ist es die Unwahrheit. Wir Grüne wollen anders sparen. Der Staat setzt an zu vielen Stellen Geld nicht effizient ein. Er bedient Lobbyinteressen, schützt Elitenprivilegien, subventioniert ökologisch schädliches Verhalten. Das ist nicht im Interesse der Allgemeinheit, im Gegenteil. Der neoliberale Kaputtsparkurs allerdings, der jetzt nicht nur in Deutschland gefahren wird, sondern auch in anderen Ländern, könnte die Konjunktur abwürgen, zu einer schweren Rezession in Europa führen, und am Ende müssten die Staaten sich noch weiter verschulden, um das Schlimmste zu verhindern.
Machen Sie einen Gegenvorschlag.
Ich habe das Konzept für einen „Grünen Sanierungsplan“ vorgelegt und will darüber auch mit den Bürgern ins Gespräch kommen. Viele sind nämlich bereit, sich an der Sanierung der Staatsfinanzen zu beteiligten – wenn es gerecht dabei zugeht, wenn Geld richtig eingesetzt wird, wenn öffentliche Strukturen verbessert und hohe Einkommen und Vermögen wieder stärker besteuert werden.
Zum Beispiel?
Die Wohnungsbauprämie. Da werden jährlich 500 bis 600 Millionen an die obere Mittelschicht und Besserverdienende verteilt, die mit dem Geld auch noch zur Zersiedelung der Landschaft beitragen. Dabei brauchen wir in Zukunft weniger Wohnraum! Oder die Pendlerpauschale, die Berufstätige mit höheren Einkommen bevorzugt und aus ökologischen Gründen zunächst abgesenkt, perspektivisch sogar abgeschafft gehört. Und noch ein drittes Beispiel: die Förderung der privaten Altersvorsorge.
Die Rot-Grün erst eingeführt hat.
Trotzdem muss das auf den Prüfstand. Die Förderung wird vor allem von Beziehern höherer Einkommen genutzt, es wird aber nicht wesentlich mehr gespart als vorher. Außerdem fließt das staatlich geförderte Anlagevermögen in Spekulationsblasen, statt sozial und ökologisch sinnvolle Investitionen von öffentlicher Hand und Mittelstand zu finanzieren. Das kann man und das muss man korrigieren.
Wie hat denn der Grüne Parteirat am Montag auf Ihre Vorschläge reagiert?
Wir haben eine sachliche, konstruktive Debatte über die Lage der öffentlichen Finanzen geführt. Es ist klar, dass wir sinnvoll sparen, Strukturen verändern und mehr Einnahmen erzielen wollen. Allerdings müssen wir über einige kontroverse Forderungen noch weiter diskutieren.
Die Medien haben aus ihrem Konzept vor allem jene Punkte hervorgehoben, die von Parteien ungern vertreten werden, weil sie bei Wahlen Stimmen kosten könnten. Etwa die Kürzung der Beamtenpensionen oder die Anhebung der Einkommen- und Mineralölsteuer.
Ich glaube, der Kurs ist dennoch richtig und notwendig. Wenn es uns nicht gelingt, alte Strukturen aufzubrechen, wird es auch kein ökologisch sinnvolles und gerechtes Sparen geben. Nehmen Sie die Beamtenpensionen: Wodurch ist gerechtfertigt, dass Staatsdiener bei der Altersvorsorge übermäßig privilegiert werden? Statt die Pensionszahlungen nach dem letzten Einkommen zu bemessen, sollten sie, wie es bei Arbeitern und Angestellten üblich ist, nach dem durchschnittlichen Lebenseinkommen berechnet werden. Das müssen wir jetzt prüfen. Sonst wird das vor allem für die Länderkassen eine tickende Zeitbombe.
Und die Mineralölsteuer-Frage? Da haben die Grünen bereits leidvolle Erfahrungen machen müssen – so sinnvoll eine solche Lenkungssteuer auch sein mag.
Natürlich wird es bei einigen einen Aufschrei geben, wenn das Benzin an der Tankstelle um 7,3 Cent pro Liter teurer wird. Damit würde man allerdings lediglich zum tatsächlichen Niveau der Belastung von 2005 zurückkehren. Die Ökosteuer ist seither nicht an die Inflation angepasst worden. Eine Steuerindexierung in Höhe der Teuerungsrate wäre übrigens noch ein kostengünstiger Schritt – verglichen mit den möglichen Folgekosten der Klimakrise. Wir müssen bei den Umweltsteuern dringend nachlegen.
Da werden Sie Gegenwind von Ihrem Lieblingskoalitionspartner SPD und den Gewerkschaften ernten.
Und trotzdem müssen wir uns dieser Diskussion stellen. Ich glaube auch, dass es in vielen Punkten gar nicht so schwer sein wird, sich zu einigen. Auch SPD und DGB etwa fordern eine deutlich höhere Vermögensbesteuerung.
Und die Linkspartei?
Die natürlich auch. Wir brauchen 2013 eine Alternative zu Schwarz-Gelb. Eine solche Machtoption entsteht nicht von selbst, es muss endlich mehr Diskussionen über konkrete Projekte geben, die mit Rot-Grün-Rot verbunden werden. Das erwarten auch die Menschen von uns: Die Krise ist eine große Chance, den Neoliberalismus in Theorie und Praxis zu beerdigen.
Eine radikale Steuerreform, wenngleich unter anderen Vorzeichen, hat sich auch die FDP auf die Fahnen geschrieben. Lobbyinteressen, der Wahlkalender, der Zwang zum Kompromiss in Koalitionen - es scheint eine radikale politische Wende angesichts der Vielfalt institutionalisierter und vermachteter Interessen kaum möglich.
Es sagt ja auch niemand, dass das einfach wird. Wir müssen politisch darum kämpfen und uns Mitstreiter außerhalb des Parlaments suchen. Es bedarf zudem einer breiten öffentlichen Debatte über Haushalt, Finanzen und Steuerpolitik. Anders wird man die verkrusteten Strukturen und die neoliberale Sachzwangpropaganda nicht brechen.
Was glauben Sie, wie viele Bürger sich jemals einen Entwurf für einen Bundeshaushalt angeschaut haben?
Wahrscheinlich nicht so viele.
Haushaltspolitik wird gern als „Königsdisziplin des Parlaments“ bezeichnet. Zugleich aber ist sie am wenigsten transparent und damit auch am geringsten demokratisch durchdrungen. Wie kann man das ändern?
Es geht nicht darum, jeden Einzelposten einer großen Diskussion zu unterwerfen und die Bürger an allen Entscheidung zu jedem Haushaltstitel zu beteiligen. Es geht vor allem um die Grundlinien, um das Sichtbarmachen von grundlegenden Alternativen. Dabei können wir die großen Potenziale des Internet nutzen, Menschen wieder stärker am demokratischen Prozess zu beteiligen. Der Haushalt ist „in Zahlen gegossene Politik“ und deshalb viel zu wichtig, ihn allein den Haushaltspolitikern zu überlassen.
Sie schlagen ein „Budget Office“ vor. Was könnte das leisten?
Eine solche, beim Parlament angesiedelte Institution hätte die Aufgabe, von Regierungseinfluss unabhängige Informationen über Haushalt und Steuern zur Verfügung zu stellen. Das ist wichtig, um die Interpretationshoheit über die Zahlen dem Finanzministerium zu entreißen und für mehr parlamentarische Kontrolle und Transparenz zu sorgen.
Sven-Christian Kindler, Jahrgang 1985, ist jüngster Oppositionsabgeordneter im Bundestag und sitzt für die Grünen im Haushaltsausschuss der Parlaments. Der Hannoveraner hat Betriebswirtschaftslehre studiert, war im Controlling eines Unternehmens tätig und ist Mitglied der IG Metall und bei Pro Asyl – mehr Infos gibt es auf seiner Website. Kindler arbeitet in Crossover-Projekten wie dem Institut Solidarische Moderne und der parteiübergreifenden Abgeordneten-Initiative „Das Leben ist bunter!“ Über seinen Vorschlag für einen Grünen Sanierungsplan kann man im Internet mitdiskutieren.
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"Viele Menschen wissen“, sagt Angela Merkel, „dass wir sparen und Schulden abbauen müssen.“ Müssen wir wirklich?
Ja. Wir müssen die Verschuldung begrenzen und sparen. Daran führt kein Weg vorbei." Darf ich einmal diese Aussage "übersetzen", so dass die Aussage den reellen Gegebenheiten gerecht werden? Frage:"Viele Menschen wissen“, sagt Angela Merkel, „dass wir sparen und Schulden abbauen müssen.“ Müssen wir wirklich?" Antwort durch den Lügen und Tabufilter: "Nein wir sparen ja gar nicht, wir kürzen nur die Ausgaben und zwar bei den Falschen! Wir bemühen uns die Neuverschuldung möglichst auf "null" zu senken, in der Hoffnung irgendwann in den nächsten Jahren mit der Tilgung der ca 1,7 Billionen Staatsschulden beginnen zu können". Derzeit bedien wir im Haushaltsbereich "BUNDESSCHULD" nur die Zinsen am Kapitalmarkt Herr Kindler , Sie sind doch BWLer, dann hätte ich von ihnen gerne mal einen Tilgungsplan vorgerechnet bekommen. Davon habe ich jedenfalls noch nie was gelesen, von den GRÜNEN nicht, nicht von der SPD und der Regierung schon mal gar nicht! |
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Dass Herr Kindler in das allgemeine 'Wir müssen sparen' Mantra einstimmt, zeigt, dass er wenig Verständnis über makroökonomische Zusammenhänge hat. Das eigentliche Problem sind weder die fiskalischen Defizite noch die öffentlichen Schulden, sondern die Ungleichgewichte im Außenhandel, zu denen die neumerkantilistisch ausgerichteten Länder wie Deutschland, China und Japan maßgeblich beitragen. Er sollte sich zB mit Martin Wolf (hier auf dem Blog von Yves Smith) auseinandersetzen.
"Martin Wolf: Austerity is Risky Business" "You cannot have the private sector save in aggregate AND have government run a surplus UNLESS you run a trade surplus. And the problem we have is: 1. The private sector in pretty much every advanced economy is deleveraging, as in saving. Most people, yours truly included, think that’s a good idea. 2. If those economies want to run government surpluses too, then they need to run pretty big trade surpluses 3. It is impossible for all countries to run trade surpluses at the same time. 4. Moreover, some countries that have been running large trade surpluses for quite a while (in particular China and Germany) are not willing to change course, at least not in the near future. 5. So if all these new hairshirt-wearers want to shirk public and private debt at the same time, some countries will need to run correspondingly large trade deficits (which also means they will experience rising private or public sector debt levels). There appears to be a dearth of candidates for this role." www.nakedcapitalism.com/2010/06/martin-wolf-austerity-is-risky-business.html |
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>>Es gehen eher jene auf die Straße, die Angst vor sozialem Abstieg haben – nicht die, die schon ganz unten sind.<<
Das ist ganz einfach: Die schon alles verloren haben, haben nicht mehr das Geld, um nach Stuttgart oder Berlin zu fahren. Und daran möchte der Herr Kindler auch nichts ändern. Sondern er meint, die Proteste seien eben die Sache der sagenhaften "neuen Mittelschicht", die jetzt ihren Besitzstand wahren muss. Das sieht ja der DGB ebenso. Ich möchte an dieser Stelle erinnern an die Zeit kurz vor der NRW-Landtagswahl. Die SPD-Politikerin Kraft sagt damals, man solle diese unbekannten Wesen mit morbus Hartz doch in die Altenpflege schicken. Und weil "wir alle sparen müssen", könnten die für den Job natürlich kein Geld bekommen. Es gehe eben nur darum, dass die nicht so unbenutzt herumliegen. Die Grünpartei hatte dem nichts hinzuzufügen. Solchen Ereignisse sagen mehr aus als Interwiews mit hübsch zugerechtgefeilten Worten... |
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@claudia
"Die schon alles verloren haben, haben nicht mehr das Geld, um nach Stuttgart oder Berlin zu fahren. " Mit dem Wochenendticket der Bahn kommt man günstig als Gruppe ans Ziel und wieder zurück. Oder man gründe Fahrgemeinschaften. Ausreden gibt es nicht. Die Äußerungen von Frau Kraft nützen der Leitungsebene von Sozial-Konzernen wie DRK, AWO und wie sie alle heißen. Die einfachen, tariflich dort Angestellten würden natürlich weiter unter Druck geraten. |
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schrieb am
17.06.2010 um 22:19
>>Mit dem Wochenendticket der Bahn kommt man günstig als Gruppe ans Ziel und wieder zurück.<<
Bei 359 € pro Monat, mit denen alles ausser Miete finanziert werden muss, zählt jeder €. Was für Nochverdiener billig ist, ist zum Teil für Opfer der Agenda schon unbezahlbar.Man müsste zu dem Zeitpunkt gerade mal einen Leiharbeitseinsatz gefunden haben, dann wäre ein Wochendticket bezahlbar. Eventuell sogar als Gruppe mit Kollegen vom Arbeitsplatz. Das andere ist der Verlust der sozialen Kontakte unter Hatz4. Bei den Dingen, die nichts kosten, z.B. Spaziergängen oder an der Tafel finden sich keine Fahrgemeinschaften. Ausser den Betroffenen selber ja niemand mit den Lebenssituationen bei Einkommen unterhalb der Armutsgrenze auseinander. Daher immer wieder die Annahme, dass ein paar € für dies und das doch locker übrig seien. >>Die Äußerungen von Frau Kraft nützen der Leitungsebene von Sozial-Konzernen wie DRK, AWO und wie sie alle heißen. Die einfachen, tariflich dort Angestellten würden natürlich weiter unter Druck geraten.<< Einen ähnlichen Effekt hatten auch schon die 1-€-Jobs. Arbeitslose als Lohnbrecher einzusetzen, gehört ja mit zum Konzept der Agenda 2010. Mit der Streichung des Heizkostenzuschusses sollen die Umsonst-Jobs attraktiver werden. Altersheime z.B. sind ja immerhin bis jetzt noch beheizt. |
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Im letzten Jahr sind noch DGB-Busse zu den Demonstrationen gefahren. Dieses Jahr war Frau Merkel beim DGB-Kongress und wurde freundlich empfangen. Proteste bei den Delegierten gab es kaum.
Bleibt abzuwarten was der DGB für den Herbst plant. |
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schrieb am
19.06.2010 um 08:39
2003 bin ich mit einem langen und vollen Gewerkschaftssonderzug von München nach Stuttgart gefahren.
Damals hätte ich mir auch eine Fahrkarte leisten können. Heuer war so, dass nur Verdi Busse organisiert hatte. Für Verdi-Mitglieder umsonst, für andere 20 €. Dann steht für "Hartzer" die Frage an: Stromrechnung bezahlen oder zur Demo fahren. Beides zugleich geht nicht... |
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Herr Kindler ist ein Vertreter von der ganz gefährlichen Sorte des "Gutmenschentums". Ich unterstelle ihm jedenfalls, dass er es wirklich ehrlich und gut meint. Nur leider stecken in seinen grundlegenden Überzeugungen so viele falsche Sichtweisen, mit denen er im gleichen Hühnerkäfig wie Frau Merkel sitzt und beide gackern sie linientreues, illusionäres Zeug. Die Unterschiede dabei sind fast nur marginal. Das entscheidende ist, dass beide meinen, wie müssten uns irgendwie "sanieren".
Ich stimme @Onkel Wanja völlig zu - den Tilgungsplan möchte ich mal sehen! Herr Kindler scheint die Geschichte der Marktwirtschaft, inkl. seiner eigenen Parteigeschichte, nicht zu kennen. Das "Warum" diese Schulden überhaupt angehäuft wurden, fällt dabei völlig unter den Tisch. Hinzu kommt die Illusion vom "Green New Deal", welcher nicht mit der Logik der Kapitalverwertung in Einklang zu bringen ist usw. Wie gesagt - in seinen Überzeugungen stecken so viele Fehler...also das macht schon keinen Spass mehr wieder und wieder auf den Kram einzugehen... Solange unser ganze Leben an das Gelingen der Kapitalverwertung gekoppelt bleibt, unterliegen wir einem totalitären Zwangssystem!!! Wer zu blind ist, das zu erkennen und sich dann im Sinne dieses Zwangsmechanismus als "Gutmensch" in der Politik engagiert, unterstützt dieses System, trägt zur Ausbeutung von Natur und Mensch bei und potentielles Mittel um noch größere Krisen auf unserem Rücken zu erzeugen!!! Solche Leute sind gefährlich, denn Unwissenheit ist oft noch bedrohlicher als Bösartigkeit!!! |
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Ach Gott, Herr Tiefendenker,
Sie halten Sven-Christian Kindler für gefährlich. Warum? Weil er nicht Ihre Meinung vertritt? Er sagt: "Wir brauchen 2013 eine Alternative zu Schwarz-Gelb". Das meine ich auch. Dieses Interview gefällt mir, im Sinne einer endlich zu beginnenden Diskussion zu Rotrotgrün. Hier, im zum Glück irgendwie linken Freitag. |
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schrieb am
17.06.2010 um 08:17
>>"Wir brauchen 2013 eine Alternative zu Schwarz-Gelb".<<
Regierungen wechseln ja öfter. Hatten wir 1998 auch schon mal. |
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@Tiefendenker:
"Ich stimme @Onkel Wanja völlig zu - den Tilgungsplan möchte ich mal sehen!" So ist es! Die Reden nur immerzu vom Schuldenberg, denn wir unseren Kindern überlassen, oder davon das der Schuldenberg abgetragen werden muss, usw. Nie aber davon wie das, und über welchen ZEITRAUM dies vollzogen werden soll! Ich behaupte: Die Verschuldung der BRD ist nicht zu tilgen, die der USA erst recht nicht! Jedenfalls nicht über Sparprogramme, und schon gar nicht mit dem aktuellen! Ich behaupte weiter: Eine Tilgung ist vom Finanzsystem nicht gewollt, es geht nur darum die Schuldner kreditwürdig zu halten, nicht Ihnen aus dem Ausbeutungssystem einen Ausweg zu gewähren! Dass einzige was uns als Steuerzahler ( Wir sind die Schuldner) Helfen könnte, wäre ein SCHULDENERLASS, wie er vereinzelt für dritte Welt-Länder im Gespräch war, oder von Hilfsorganisationen für jene Länder gefordert wurde. Eine Bewegung für den Schuldenerlass müsste von den dritte Welt-Ländern ausgehen, und Staaten mit sozialistischen Regierungen wie Venezuela und Kuba haben diese Forderungen schon erhoben. Schlössen sich dieser Forderung und der entsprechenden Verweigerung Länder wie Spanien, Griechenland, Italien, usw. an, kämme das einen zurückfeuern mit einer „Finanziellen- Massenvernichtungswaffe“ gleich. Da man diese Länder aber vorher mit solchen „Waffen“ angegriffen hat, ist das zurückschlagen nur gerechtfertigt! Man muss sich aber in klaren sein: Wenn in der Krise einige Länder der EU nach Wahlen von Linken-Regierungen übernommen worden sind und in einer konsternierten Aktion internationalen Finanzmarkt eine Nachricht zukommen ließ: WIR ZAHLEN NICHT MEHR, dann würde das zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems führen! Dies würde Millionen das Leben kosten, auch hier in Mitteleuropa wären wir von diesem Zusammenbruch betroffen, jeder! Selbstverständlich würde auch die Kriegsgefahr steigen, die USA und Großbritannien, Wie diese Länder reagieren, wenn man Rohöl nicht mehr mit Dollar zu kaufen oder verkaufen wünscht, hat man ja gesehen! Ich bin für die Rückzahlungsverweigerung! Lieber ein Ende mit schrecken, als ein schrecken ohne Ende! Denn nochmal ca. 100 Jahre Kapitalismus werden wir, bzw. unsere Kinder, nicht überleben. |
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schrieb am
17.06.2010 um 21:49
>>Eine Bewegung für den Schuldenerlass müsste von den dritte Welt-Ländern ausgehen,<<
wir müssen uns mit der Bewegung aber nicht zurückhalten. Wir, das Volk, können nämlich kein Geld scheissen. Dieser Fakt ist Argument genug. |
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@Tiefendenker und Onkel Wanja
Man wird nicht umhin können und sämtliche Schulden streichen müssen, also das Ganze wieder auf Null stellen. Das geht aber nur, wenn man die Vermögen dafür nutzt. Sämtliche Steueroasen stilllegen und Vermögen überhalb einer Million heranziehen, ausgenommen Investitionen in Industrie, Wirtschaft und Bildung, wobei man hier diskutieren müsste was alles dazugehören soll. Man muß das Rad nicht neu erfinden und den Kapitalismus nicht abschaffen, sondern radikal und vor allem sozial reformieren. |
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"Die Grünen haben sich seit 2005 weiterentwickelt"??
Die Opposition gegen die Unternehmenssteuer 2008 (Senkung der KöSt von 25 auf 15%, Senkung der GewSt für Großunternehmen, Senkung des ESt-Spitzensatzes für Pers.Ges.), Senkung des Spitzensatzes für EK aus Kap.verm. von 42 auf 25% (sog. Abgeltungssteuer), bei gleichzeitiger Erhöhung der USt auf 19% zum 1.1.2007, war sehr lau. |
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schrieb am
19.06.2010 um 08:44
Na, entwickelt haben sie sich schon, und zwar auf eine Art, die Dr. med. Alois Alzheimer einst beschrieb:
Die Erinnerung an die Jahre 1998 - 2005 ist vollständig verloren gegangen. Damals gab es weder die Grünpartei noch die SPD. |
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Den Grünen gelingt das Unmögliche: Sich als noch unglaubwürdiger darzustellen als die SPD. Wen scherts, ob demnächst mal wieder ein Regierungswechsel ansteht.
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