So dünn also ist die Glasur des europäischen Gedankens, dass sie ein politisches Leichtgewicht wie Philipp Rösler mühelos wegkratzen kann. Griechenland pleite reden und in die „geordnete Insolvenz“ schicken, heißt Griechenland aus der Eurozone und genau genommen der EU zu werfen. Was von diesem Staatenbund übrig bleibt, wenn solcherart Exempel zur allgemeinen Abschreckung statuiert ist, kann man sich vorstellen. Dass es für einen solchen Präzedenzfall der Ausgrenzung keine Handhabe durch EU-Verträge gibt, scheint ohne Belang. Auch hat offenbar jede ökonomische Rationalität ausgespielt, wenn der Vorsitzende der Partei mit der mutmaßlich beeindruckenden Wirtschaftskompetenz zum großen Schlag ausholt.
Spielen wir das Bankrottszenario doch einmal durch – es gilt das Röslersche Prinzip: Keine "Denkverbote": Würde Griechenland in den Bankrott gestoßen, wären auch die griechischen Banken als Hauptgläubiger ihres Staates erledigt. Seine Zahlungsunfähigkeit wäre ihre Zahlungsunfähigkeit. Was das für Bankkunden und Sparer bedeutet, will man sich lieber nicht ausmalen, sollte es aber tun, um sich Konsequenzen von Röslers Bankrott-Phantasien vor Augen zu halten.
Wie die Finanzmärkte – sprich: Investoren von Banken über Fonds bis zu Versicherungen – reagieren, lässt sich gleichfalls vorhersagen: Sie werden jede nur erdenkliche Vorsorge treffen, um gegen den möglicherweise nächsten Insolvenzfall in der Eurozone gewappnet zu sein. Wem dabei das Hauptaugenmerk gilt, ist kein Rätsel: Italien und Spanien werden es sein, die sich nach einer Pleite Griechenlands über einen kräftigen Zinsschub für die Refinanzierung ihrer Staatsanleihen freuen dürfen. Allein die Regierung Berlusconi sitzt derzeit auf Verbindlichkeiten, die das italienische Bruttoinlandsprodukts um mehr als 20 Prozent übertreffen. Mit anderen Worten, wollte Italien sämtliche in diesem Jahr geschaffenen Erzeugnisse und Leistungen im Wert von etwa 1,5 Billionen Euro einsetzen – die Schulden wären damit nicht vollständig getilgt. Dies nur, um die Dimensionen anzudeuten, die in Betracht kämen, sollte Rösler demnächst auf die Idee verfallen, notfalls wäre italienischen Bankrotteuren ein griechisches Schicksal zuzumuten.
Falls sich eine solche Entwicklung auch nur ansatzweise abzeichnet, müssten die Euro-Partner mit einem finanziellen Aufwand gegensteuern (Italien hat Schulden in Höhe von 1,8 Billionen Euro), der ihre Möglichkeiten klar übersteigt. Die Eurozone würde zwangsläufig auseinander brechen, ohne dass für die mit in den Abgrund gerissenen Gläubiger getan werden könnte, was derzeit die Europäische Zentralbank (EZB) durch den Ankauf von Staatsanleihen – noch – tut. Bei Italien wären das europäische Banken und Versicherungen wie Unicredit und Intesa Sanpaolo, also renommierte Finanzinstitute des Privatsektors. Allein die französische Versicherungsgesellschaft Axa hält momentan Italien-Papiere in einem Volumen von 17,9 Milliarden Euro.
Wie sich zeigt, ist die Eurokrise zu heikel und ihre Eskalation zu gefährlich, als dass es geraten erscheint, durch unbedachte Äußerungen oder Gedankenspiele Öl ins Feuer zu gießen. Sie taugt schon gar nicht, um eigene Blässe durch künstliche Profilierung aufzupudern. Wer als Vizekanzler und Wirtschaftsminister in der Verantwortung steht, sollte der Versuchung widerstehen, Politik gerade jetzt populistischer Banalisierung zu opfern.
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Tja, die FDP ist die Kompetenz in einer Person - namens Philipp Rösler. Angesichts seines Alters dürfte er kaum praktische Erfahrungen als Arzt, geschweige denn als "Wirtschaftsboss" haben. Aber warten wir die Berlin-Wahl ab: Vielleicht gibts dann bald einen neuen FDP-Chef; der vermutlich andere "Kühe durchs Dorf jagt".
Allerdings könnten seine Worte bei einigen Bürgern durchaus auf fruchtbaren Boden fallen: Ungefragt in die Euro-Zone gestoßen, sehnt sich mancher nach der D-Mark und ist bereit, den Euro ganz aufzugeben. |
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Diese Äußerungen sind ja wohl auch mit Blick auf die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus gemacht worden.
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Rössler appelliert scheinbar ganz bewusst an den Kleinbürger, nicht gerade die typischen FDP Wähler. Scheinbar richteten sich seine bedenklichen Äusserungen an einen Kreis der wankelmütigen Wählerschaft bei den Grünen.
Trotzdem, Griechenland ist mit den bewusst falschen Angaben über seine finanzielle Schieflage bei der EU allerdings auch weit davon entfernt sich als pro-europäisches Musterland dazustellen: Griechenlands Zentralbank aktivierte vor 3 Wochen die ELA (Emergency Liquidity Assistance). Dies ist noch bedenklicher als die Buchfälschungen in den vergangenen Jahren. Die ELA wurde auf Basis europäischer Regeln so gestaltet, dass die nationalen Zentralbanken für ihre eigenen Kreditgeber Liquidität gewährleisten, wenn die Sicherheiten brauchen, um für den Handel mit der EZB zu qualifizieren. Dieses Werkzeug ist ziemlich obskur weil die nationalen Vereinbarungen nicht öffentlich zugänglich sind. Die niedrigere Bewertung von griechischen Bonds bedeuten also das Griechenland einfach die Verschuldung nach Brüssel abschiebt denn das Überleben der griechischen Zentralbank hängt von der EZB ab. Das bedeutet nichts weiter als das Griechenland sich aus allen Töpfen schamlos bedient. Vielleicht will Griechenland dann später Italien oder Spanien helfen ;D |
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Den auf kleinbürgerliche Zipfelmützenträger abzielenden Worten eines Vertreters der lediglich Partikularinteressen vertretenden Klientel- bzw. Splitterpartei auch nur halbwegiges Gewicht beizumessen, dies ist der ernsten und imperialen Thematik dieser erwartbar weitere Staaten einholenden Neokolonisation absolut unangemessen.
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Das war aber mal n Satz, @ebertus ;)
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Das Rösslersche Gebrabbel ist nachzuvollziehen, schließlich geht es um seinen Job. Die Gefahr ist real, dass er nach der nächsten Wahl arbeiten muss. Und dass er, um dies zu vermeiden, das ganze europäische Haus abfackeln würde, kann nicht verwundern, Gemeinsinn ist nicht das Markenzeichen seiner Vereinigung. Schließlich vertritt er ja gerade die Klientel, die der Ansicht ist, es sei völlig in Ordnung ohne Arbeit Geld aus Geld zu machen und dabei gerade das Gemeinwohl im Interesse des eigenen zu opfern.
Mir macht weniger das Hirnbäuerchen des politischen Wickelkindes Rössler Sorgen, als vielmehr die Tatsache, dass ich bis jetzt noch kein realistisch erscheinendes Konzept gehört habe, wie denn der Krise zu begegnen wäre. Die EZB als Bad Bank der EU immer weiter mit Schulden vollzupumpen, kann nicht die Lösung sein. Es kann auf keinen Fall die Lösung sein, dass die EZB griechische Staatsanleihen von Geschäftsbanken kauft und diese so aus dem Risiko befreit und die dann mit dem so gewonnenen Geld gleich wieder griechische Staatsanleihen kaufen und aus den Zinsunterschieden Milliarden herausziehen. Welche Möglichkeit gibt es dann? Direktanleihen der Staaten bei der EZB? Es wäre ein Bruch mit dem neoliberalen Glaubensbekenntnis der EU und könnte gerade deswegen vielleicht ein Weg sein. Die Marktradikalen und Krisengewinnler wimmern zwar schon pausenlos, dass so die Staaten ja Schulden ohne Ende machen würden, aber das ist ja wohl Blödsinn, da die Kredite ja auch nicht als Automatismus ausgereicht würden. Direktanleihen zu niedrigen Zinsen, um die Wirtschaft der Länder langsam wieder in Gang kommen zu lassen, statt sie mit immer weiteren Sparpaketen abzuwürgen. Ich bin wirklich für weitere Ideen dankbar, da mir angesichts des schleichenden Ausverkaufs wirklich langsam Angst und Bange wird. |
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Ich versteh's langsam nicht mehr, Leute: Monatelang liegt ihr im Fieber darnieder, weil die bösen EU die Griechen nur deshalb rettet, um noch mehr Steuergeld einzusammeln und keine Forderungen von Großbanken platzen zu lassen; wenn dann aber einer kommt und wirklich mal einen sinnvollen Vorschlag macht, der da lautet: gestatten wir doch den Griechen, sage 60, 60% ihre horrenden Staatsschulden zu streichen, dann nennt ihr das kleinbürgerlich, Wahlkampfmanöver und "Populismus" (sic!).
Habt ihr nicht das letzte Jahr über allesamt gegen die "goldene Fessel" angeschrieben (oder war das nur von jeder Sachkenntnis wenig getrübte Heuchelei, die in manchen publizistischen Kram paßte?), die der Euro für die Griechen sei? Richtig ist's ja! Denn was Lutz Herden verschweigt, wenn er sein Horrorkalkül aufmacht, um die Inso-Hölle ("Insolvenz" ist im übrigen falsch, Resolvenz wäre richtig) zu illustrieren, sind die geradezu grotesken Anforderungen, die die Griechen an ihre Volkswirtschaft stellen müssen, wenn sie in der Eurozone bleiben wollen. Habt ihr das alles schon wieder vergessen? Die Sparprogramme, die Haushaltssperre, die Rentenkürzung, die Sozialkürzungen, der fiskalische Investitionsstop, das Dichtmachen und Zusperren öffentlicher Institutionen wie Schulen und Unis? Scheinbar ist euch das alles schnurzegal, genau wie euch die Griechen schon immer egal waren und eure Soli-Schreibe an deren Adresse gelogen. Für euch ist entscheidend, daß der Vorschlag von Rösler kam, also seid ihr kategorisch dagegen. Wie erbärmlich. |
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@ J-ap
Gut das Sie wenigstens diesen Eiertanz hier deutlich beschreiben! Lutz Herden hatte es kürzlich auch mit einem Jugoslawien-Virus verglichen, was natürlich überhaupt nur aus einer gewissen politischen, nicht aber wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive möglich ist und die ELA Aktion auch nur ein Angriff auf die "Investoren" von Hedge-Fonds ist. Sie wissen das sicher. Aber die Frage nach einem Erlass ist doch eher: können die privaten Banken in der EU die 60 % der Schulden selbst schultern oder nicht. Deren Kunden würden es denen sicher danken und bereitwillig höhere Zinsen zahlen. Wenn die privaten Banken die Verluste nicht verkraften, kann es auch die SteuerzahlerInen nicht, denn die wären es letztendlich und würden wie 2008 zur Kasse "gebeten". |
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schrieb am
13.09.2011 um 19:50
Mhm, ich glaube, die privaten Banken haben die griechischen Papiere längst an die EZB durchgereicht. Die ist es also, und damit der Steuerzahler, die die Verluste schluckt. Es wurde ja bereits an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, dass die Rettungsschirme eigentlich eine verdeckte Bankenrettung sind.
Das Problem bei einer Insolvenz Griechenlands ist offenbar, dass sofort das nächste Land reif für die Insolvenz ist. Die Geister streiten noch, ob das Spanien, Italien oder Portugal sein wird. Spätestens dann fängt es aber an, im Getriebe zu knirschen. Diese Papiere halten noch eine Menge privater Banken. Die gehen dann hopps. Es sieht fast so aus, als wollte Merkel auch hier den Banken wieder die Chance geben, die Schulden rechtzeitig zu verstaatlichen. Das das nicht ewig so weitergehen kann, ist wohl klar. Offenbar müssen aber die Länder wie Griechenland an Geld kommen, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können. Gleichzeitig müssten sie an Geld kommen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Spätestens hier klemmt es, weil die EU-verordneten Sparprogramme das abwürgen. Insofern scheint eine zentrale Wirtschaftsregierung keine schlechte Idee zu sein, sofern sie wirklich eine Sanierung der hochverschuldeten Länder betreibt und dabei konsequent die Privatbanken ausschließt; jedenfalls in einer ersten Phase. Dabei kann es nicht das Ziel sein, alles zu verkaufen, was diesen Ländern gehört sondern das besser zu nutzen und Gewinn daraus zu ziehen. Ich weiss, dass dies illusorisch ist, da die europäischen Regierungen nicht im Interesse ihrer Länder sondern ihrer Banken und der Großindustrie handeln. Sobald dann der IWF und ähnliche Organisationen einmarschieren geht das Land endgültig den Bach runter, alles wird verschleudert und zurück bleiben die abgenagten Knochen. Argentinien ist auch erst wieder auf die Beine gekommen, nachdem es die zweifelhaften Rezepte des IWF nicht mehr befolgte. |
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@ J-AP
Wer ist "Leute"? |
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Den ideellen Gesamtfreitägler hat j-ap gemeint.
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Ich möchte an dieser Stelle einmal eine geordnete Insolvenz der FDP zur Diskussion stellen.
Wir wissen nach den Schwarzgeldaffären der CDU und der Diskussion um die Agenda2010, dass das Kapital einer Partei sich nicht in erster Linie in Geld, sondern in Glaubwürdigkeit und in ideologischer Kompetenz und Gestaltungsfähigkeit ausdrückt. In beiderlei Hinsicht ist die FDP tief ins Minus gerutscht - da weder Credibilitätszusagen der Administration Merkel zu erwarten sind, in Form des Umsetzens liberaler Programmatik, noch ernsthaft zu behaupten ist, dass die FDP systemrelevant sei (Grüne und Piraten machen sich bereits über die Überreste her), ist ein Kollaps nicht abzuwenden - um die Schäden für Zahnärzte und Hotelbesitzer möglichst wenig traumatisch zu gestalten, muss deshalb eine geordnete Insolvenz dringend in Betracht gezogen werden: Ein unkontrollierter Kollaps könnte unvorhersehbare Auswirkungen auf den Absatz von Porsches und Rolex-Uhren haben. |
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schrieb am
14.09.2011 um 15:27
Ich möchte an dieser Stelle der SPD danken. Es ist mir eine Ehre, dass Sie, verehre SPD-Bonzen meine Idee aufgreifen und nun laut dpa über eine "geordnete politische Insolvenz" der FDP nachdenken.
Sollten sie mir für die nächste Bundestagswahl nun auch noch einen attraktiven Listenplatz und einen mindestens ebenso attraktiven Ministerposten anbieten, bekommen Sie sogar mein Kreuz. Meine Emailaddresse zwecks weiterer Kontaktaufnahme ist beim Freitag hinterlegt. |
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Vollkommen richtig , dieser Atikel gegen das "pleite reden".
Sie (CDU,CSU,SPD, Grüne, FDP) haben aber Übung darin und mit großen Erfolg bei den Sozialsystemen bis auf rudimentäre Reste die Gesellschaft damit grundlegend verändert und kälter und ungerechter gemacht. Da könnte auch mal der auf schnelle Wahlerfolge heisse Rösler von seinen Bossen auf der Wirtschaft zurückgepfiffen werden. Bei der europäischen Idee bleibt noch die Hoffnung , dass durch die exportabhängige deutsche Industrie hier doch noch die ökonomische Vernunft siegen könnte. Doch nur alleine dadurch es wird eine europäische Ökonmie für die Spekulanten und auf kurzfristigen Gewinn abzielenden Kapitale bleiben. Denn mindestens der Sozialabbau wird durch die ökonmischen "Notwengigkeiten" und "Sachzwänge" europaweit weitergehen. Jauch Co. werden für die mediale Begleithetze sorgen. |
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Was Rösler jetzt entgegenschallt, hat ja augenscheinlich viel mit ökonomischer Vernunft zu tun. Nicht zuletzt, was an Stimmen aus der CDU zu hören ist.
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Um es gleich vorweg zu sagen: Ich halte von der FDP nichts. (Der Rösler ist da eher deren geringstes Problem.)
Aber dass erwachsene Menschen, die das intellektuelle Niveau eines Badewannenstöpsels mehr als deutlich überschreiten, hier anscheinend noch immer nicht begreifen oder zugestehen wollen, dass Griechenland pleite I S T - das erschreckt mich doch sehr. |
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Ich oute mich mal:
Ich habe bis heute dieses ganze Griechenland - Schulden - Eurozone - Insolvenzding nicht verstanden. Und ich glaube, es geht einer ganzen Menge von Leuten so. Was einige aber auch nicht davon abhält darüber zu diskutieren. Ich habe auch noch niemanden gefunden, der mir diese ganze Misere mal in klaren, verständlichen Worten erklären kann. Wenn sich jemand berufen fühlt, möge er/sie sich keinen Zwang antun. Aber bitte beachten, dass ich weder Wirtschaftswissenschaften noch Finanzwesen studiert habe. |
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schrieb am
14.09.2011 um 14:19
@KalleWirsch
a) Fast alle Staaten dieser Erde nehmen zur teilweisen Finanzierung ihrer Ausgaben Kredite auf. Kreditgeber sind überwiegend "Kapitalsammelstellen" wie Banken oder Versicherungen, die große Geldmengen mit möglichst geringem Risiko anlegen/investieren müssen. b) Wenn ein Staat beispielsweise Kredite über 50% seiner jährlichen Wirtschaftsleistung aufgenommen hat und diese im Schnitt 10 Jahre laufen, dann müssen pro Jahr gut 5% der Wirtschaftsleistung neu aufgenommen werden, um alte Schulden zurückzuzahlen. Zusätzlich müssen bei einem Zinssatz von 5% noch 2,5% der Wirtschaftsleistung an die Gläubiger als Zinsen ausgezahlt werden. 5% der Wirtschaftsleistung (BIP) entsprechen in Deutschland 100 Mrd €. Würde man obige Annahmen hier anwenden, dann müsste die deutsche Regierung für den Fall, dass sie ein Jahr lang keinerlei neue Schnulden aufnehmen wollte, also einen Überschuss im Staatshaushalt von 100 Mrd € ausweisen, um die auslaufenden Kredite damit auszahlen zu können. Das ist total unrealistisch. c) Staaten, deren schon bestehende Verschuldung in den Augen potentieller Kreditgeber "zu hoch" ist, wird entweder gar nichts mehr geliehen bzw. die geforderten Zinsen sind so hoch, dass sie nicht zu bezahlen sind. Leider geht dieser Prozess nicht langsam von statten, so dass allmählich ansteigende Zinsen den Regierungen die Verschuldung zunehmend unattraktiv machen, sondern - wie im Fall von Griechenland - blitzartig. Da aber zur Rückzahlung bestehender Schulden ständig neue Kredite nötig sind, steht das betroffene Land innerhalb von Monaten vor der Pleite. d) Grundsätzlich gibt es dann den Ausweg, dass die Notenbank die Staatsfinanzierung übernimmt - also das fehlende Geld einfach "druckt". Dies kann im Extremfall aber zur Entwertung der Währung führen und ist für Griechenland nicht umzusetzen, da es seine Notenbank nicht kontrollieren kann. e) Eine richtige Pleite eines Staates hat schlimme Konsequenzen, da die Gläubiger nicht nur als ein paar Millionarios bestehen, die dann eben ein paar Nullen von ihrem Vermögen streichen müssten, sondern eben auch Banken und Versicherungen, die das Geld nur treuhänderisch verwalten. Deren Zusammenbruch kann das ganze WIrtschaftsgeschehen zum Erliegen bringen. Des weiteren sind aufgrund der schon bestehenden hohen Verschuldung nahezu alle Staaten darauf angewiesen, dass ihnen zumindest für die Rückzahlung der Altschulden neue Kredite gewährt werden. Das klappt - wenn man den Ausweg Druckerpresse vermeiden will - nur solange, wie bei den Kapitalgebern die Zuversicht herrscht, das Geld samt Zinszahlungen wiederzusehen. Sobald das bei einem Land in der Euro-Zone nicht mehr sichergestellt ist, kann das auch das Vertrauen in die übrigen Ländern erschüttern. |
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@ gweberbv schrieb am 14.09.2011 um 14:19
Sorry, wer Wirtschaftsleistung mit dem BIP unrefelktiert gleichsetzt, da mag ich nicht weiterlesen. |
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Lieber Kalle,
ich schließe mich an. Vor allem weil ich die Phantsie habe mir jede Menge nicht diskutierter Szenarien auszudenken. Weil mir die Belege fehlen, selbstverständlich reine Spekulation. Z.B. Rösler und Seinesgleichen sind selbst fleißig am zocken. Mit ihre Äußerungen beeinflußen sie, auch für den Dümmsten absehbar, jede Menge Kurse. Da würde sich jede Menge abkassieren lassen. Wie gesagt reine Spekulation. Nur was sonst als Spekulation bekommen wir ansonsten zu hören? Wem also glauben? Denen, die durchs griechische Desaster sich die Filetstücke erzwungener Privatisierungen unter den Nagel reißen können? Denen denen es nur um wahltaktische Manöver geht? Oder denen, die ihr Fähnchen nach dem Mehrheitswinde drehen? - Wir können es uns aussuchen. Mit Sicherheit ist der Panikpartei der Besserverdiener der Spaß an der 18 vergangen. Sie sehen ein Komma auf sich zu kommen. Und das ist gut so. Allerbeste Ullrich |
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Firma dankt (und arbeitet noch;))
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schrieb am
14.09.2011 um 16:00
@Ullrich Läntzsch
Du kannst sicherlich ein paar Bände zu der Frage schreiben, inwiefern das BIP einen geeigneten Maßstab für die Wirtschaftleistung eines Staates darstellt. So wie man in jeder Diskussion zu jedem Begriff, der nicht haargenau definiert ist, selbst eine Subdiskussion starten kann. Allein, ich bezweifle, dass damit irgendjemand gedient ist. |
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Zunächst etwas sehr grundsätzliches: schulden erwecken den eindruck, als könne mensch heute schon konsumieren, was morgen erst produziert wird. Dem ist aber nicht so - konsumiert werden kann nur das real existierende produkt (und zwar als gebrauchswert).
Wenn also jemand 'schulden macht', dann konsumiert er (produktiv als inverstition oder konsumtiv als verbrauch) das, was heute schon da ist, aber heute vom "konsumenten" nicht bezahlt werden kann. Die produzenten (zum beispiel D-land) haben daher ein interesse, dass der konsument (zum beispiel G-land) kredit bekommt, um den bereits produzierten kram abzusetzen. Diejenigen, die dem konsumwilligen das geld vorschiessen, können nur hoffen, dass der 'schuldner' später seine schulden bezahlt. Bezahlt er nicht oder kann er nicht bezahlen, haben sie ihren 'einssatz' verzockt. Das will natürlich kein gläubiger gern einsehen. Deshalb geben sie jetzt auch den unnachgiebigen geldeintreiber - das ist es, was sie EU zz. gegenüber Griechenland gerade macht! ...und was lehrt uns das? Natürlich kann G-land seine über jahrzehnte aufgehäuften schulden nicht zurückzahlen - schon gar nicht mit den ggw. angewandten 'sparprogrammen', die faktisch die misere nur noch verschlimmern (ein minus von 5% in der griechischen wirtschaftsleistung in 2011 ist erst der anfang, wenn so weiter 'gespart' wird, wird es nur noch schlimmer!). Da kann insolvenz durchaus eine lösung sein, und zwar innerhalb der EURO-zone! ('Zur strafe' müssten die EURO-länder einen neuanfang mit EURO ermöglichen und ihren anteil an der misere anerkennen.) Statt immer neuer 'hilfspakete' müssten alle schulden abgeschrieben werden, dh. alle die auf die zahlungsfähigkeit G-land gewettet haben, gingen leer aus. Das wäre eine heilsame lehre. Denn das eigentliche problem besteht doch darin, dass alle zocker sich bislang stets darauf verlassen konnten, dass ihre titel unter allen umständen reditesicher sind - vor allem damit muss schluss gemacht werden! |
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"Zunächst etwas sehr grundsätzliches: schulden erwecken den eindruck, als könne mensch heute schon konsumieren, was morgen erst produziert wird."
Nun noch nie habe ich jemanden erlebt der dies annimmt. Wohl aber, die das Einnehmen des Kredits mit erwirtschafteten Einnahmen verwechsel und die Rückzahlung vergessen. Abgesehen davon aber ist das Problem von Schulden der Zins an sich, weshalb es Juden, Christen und Moslems an sich verboten ist selbigen zu kassieren. Wer kassiert ohne zu arbeiten ist das Problem. Wie der Händler an sich, den Konfuzius auf die unterste Stufe der Gesellschaft stellte. Grüße |
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Mit dem dicken Zeigefinger auf andere zeigen, weil sie eigeninteressensgeleitet, ein von den Linken anscheinend wenig verstandenes Thema, „bürgernah“ aufbereiten, bringt es auch nicht.
Griechenland ist schon lange pleite - die Bürgerbedenken zum „Rettungsschirm“ sind m.E. vollkommen gerechtfertigt. Die Transfers der Milliarden Euros in die überverschuldeten Länder gehen sofort in die Schulden-und Zinstilgung. Und Griechenland hätte schon lange eine geordnete Insolvenz von sich aus angehen müssen – mit Hilfe vertrauenswürdiger demokratisch gesonnener Berater. Die Insolvenz wird nicht mehr abzuwenden sein. Der „Rettungsschirm“ ist einer für die Kreditgeber und Spekulanten, er zögert die offizielle Pleite nur etwas hinaus... und er verringert die Verluste bewusst eingegangener Risiken auf Kosten der Bürger. Was soll das? Wie kann man das als Demokrat gut heißen. Die Griechen sollten m.E. ihre Probleme mit den Kreditgebern selber lösen (Insolvenz, Schuldenschnitt usw). Bürger-Hilfe aus Europa sollte dahin gehen, wo sie die Griechen brauchen: In die Demokratisierung, Korruptionsbekämpfung, Besteuerung der Reichen und Steuereintreibungshilfe, Abwicklung des überdimensionierten Militärs.... Das sollte durch unabhängige demokratisch gesonnene Berater, und Ausstattung mit Gerät und Software geschehen... Finanzielle Unterstützung für sinnvolle Klein/Mittel-Projekte der griechischen Bürger wäre sinnvoll... sinnvolle Sanierung der Staatsbetriebe.. Deutschland steht sowieso noch in der Schuld der Griechen … die Hilfen könnte man auch als Entschädigungsabschlagszahlung händeln. Damit könnten die hiesigen Bürger m.E. leben, und das wäre wahre Solidarität... Nach dem Motto: „Wir helfen gern, lassen uns aber nicht verarschen.“ |
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