Politik

US-Vorwahlen | 24.01.2012 12:25 | Konrad Ege

Botschaften von gestern

Der Sieg von Newt Gingrich in South Carolina ist kein Sieg für die Republikaner. Beim Präsidentenvotum im November werden weiße konservative Wähler eine Minderheit sein

Newt Gingrich zum Präsidentschaftskandidaten zu küren, wäre Selbstmord für die Republikaner. Mit solchen Kommentaren reagierten geschockte Vertreter des republikanischen Establishments auf Gingrichs Sieg in South Carolina und auf Umfragen, wonach der Bewerber auch im Vorwahlstaat Florida aufhole. So war das nicht geplant, doch man darf seinen Höhenflug nicht überbewerten. Sein Modell ist überholt.

Der Mann hat in dem 4,7 Millionen Einwohner zählenden und als sehr konservativ bekannten South Carolina 243.000 Wähler mobilisiert oder 40 Prozent der republikanischen Vorwähler. Diese kommen aus einer ganz eigenen Bevölkerungsschicht. Weiß, zu zwei Dritteln evangelikal und nach eigener Aussage „sehr konservativ“. Gingrich kennt seine Pappenheimer. Die mögen es, wenn er gegen liberale Eliten wettert, und mitteilt, dass die Schwarzen nicht so gern arbeiten, und Barack Obama diese Leute auf Staatskosten durchfüttern will.

Mitt muss an seine Ersparnisse

Gingrich macht Wahlkampf wie Richard Nixon vor 40 Jahren. Bei seiner „südlichen Strategie“ appellierte der seinerzeit an die bis dahin demokratisch wählenden weißen Südstaatler, die nichts mehr mit den Demokraten zu tun hätten, bei denen schließlich die Schwarzen und Liberalen den Ton angäben. Nixon hetzte. Und gewann. Heute ist das anders. Gingrich kann bei Vorwahlen punkten – bei der Hauptwahl im November sind seine Stammwähler aber in der Minderheit. Er profitiert davon, dass Frontrunner Mitt Romney beim Establishment Zuspruch findet, aber nicht an den Graswurzeln. Der Multimillionär riecht zu sehr nach Elite.

Eine bizarre Welt: Gingrich hat Romneys Vergangenheit als herzloser Finanzinvestor attackiert. Die Werbespots hätten von der Occupy-Bewegung kommen können. Finanziert wurden die Kampagne aber mit fünf Millionen Dollar von Gingrichs langjährigem Freund, dem Casino-Magnaten Sheldon Adelson, laut Forbes einer der reichsten Amerikaner und ein politischer Einzelgänger. Der mag Gingrich, weil dieser stark gewerkschaftsfeindlich eingestellt und der „beste Anwalt für Israel“ sei. Die konservative Mehrheit im Obersten US-Gericht hatte vor zwei Jahren unbegrenzte Spenden genehmigt. Zum Beifall der Republikaner. Einen Tag nach South Carolina spendete Adelsons Ehefrau Miriam dem Kandidaten Gingrich noch fünf Millionen. Vielleicht muss Mitt an seine Ersparnisse gehen.

 
Senden Bookmarken Drucken
Artikelaktionen
Kommentare
Reimers schrieb am 24.01.2012 um 21:21
Hier noch ein "wahrer" Beitrag zu den amerikanischen Wahlen, der uns allen zu denken geben sollte:

www.youtube.com/watch?v=6yJwBMU3xec

D. Reimers


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

Blog-Tipps

Carta
Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie

Lobby Control
Blog von lobbycontrol.de

annalist
Anne Roth verfolgt den "Krieg gegen den Terror"

Nachdenkseiten
Das kritische Tagebuch von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb

Reporterwelt.Blog
Blog des Korrespondenten von Weltreporter.net

Latinomedia
Toni Keppeler berichtet aus Lateinamerika

politik.de
Portal für Politik und Demokratie

Sprengsatz
Der Politikblog von Michael Spreng

Lafontaines Linke
Tom Strohschneider und Co. bloggen über die Linkspartei

Bangemachen gilt nicht
Das Blog von Jürgen Link

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG