Politik

Geschäftsmodell | 02.02.2012 13:15 | Jeff Jarvis

Zuckerbergs Masterplan

Der Facebook-Gründer glaubt, dass sein soziales Netzwerk die menschliche Natur nicht verändert, sondern vielmehr hilft, sie zu entfalten

Mark Zuckerberg glaubt nicht, dass er die Natur des Menschen verändert, sondern dieser vielmehr hilft, sich zu entfalten. Wenn man ihm das abnimmt – und das tue ich – dann sollte man seine Aktien kaufen, denn er hat eine Plattform für die Ökonomie des Teilens geschaffen.

Mit seinem eigenen neuen sozialen Netzwerk hat selbst Google mittlerweile erkannt, wie wichtig die Menschen geworden sind. Auf einer Konferenz, die vergangene Woche in München stattfand, sprach Googles Revenue Chief Nikesh Arora davon, wir seien auf dem Weg vom Informationszeitalter zum Zeitalter der Menschen – in dem Personen wieder wichtiger werden als Algorithmen.

Mark Zuckerberg versteht Facebook als einen Entwicklungsschritt über Google und andere Netzdienste hinaus: „Sie crawlen das Netz“, sagte er mir. „Es gibt aber nichts, was man crawlen könnte, um Informationen über Menschen zu erhalten. Das ist alles in unseren Köpfen drin. Man muss also Werkzeuge schaffen, die es den Leuten ermöglichen, sich auszutauschen.“

Die beiden Netzgiganten kämpfen um etwas, das ich Hinweisproduktion nenne: die Fähigkeit, uns dazu zu bringen, Daten über uns selbst zu generieren – wer wir sind, wo wir uns befinden, was uns gefällt, wen wir mögen, was wir kaufen, was wir wollen, was wir wissen, was wir wissen wollen – damit sie uns mit Inhalten, Dienstleistungen und Werbung versorgen können, die ganz auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten.

Facebooks Antrag auf Börsenzulassung spricht von einem Umsatz von 3,7 Milliarden US-Dollar pro Jahr, wovon der größte Teil aus der Werbung stammt. Google hat im vergangenen Jahr zwar das Zehnfache eingespielt, aber Facebook hat 845 Millionen Mitglieder, von denen mehr als die Hälfte die Seite täglich nutzen – eine Beteiligungsrate, für die jede Zeitung und jedes andere Medium töten würde.

Und nach dem Zuckerbergschen Gesetz teilen wir jedes Jahr doppelt so viele Inhalte wie im Jahr zuvor, weil wir das wollen und jetzt auch können. „In der Welt vor dem Internet und Dingen wie Facebook gab es jede Menge Privatheit, weil man vieles einfach nicht wusste, mit anderen Worten: privacy through obscurity. Jetzt, so glaubt Zuckerberg, lasse das Netz uns die Wahl.

„Der Fehler in der Gesellschaft ist heute immer noch, dass die Leute denken, sie sollten bestimmte Dinge nicht mit anderen teilen. Der weitaus größte Fehler besteht darin, dass alles anonym ist“, klagt Zuckerberg. „In Zukunft sollten die Dinge an deine Identität geknüpft sein. Das wird sie wertvoller machen.“ So sieht der Masterplan aus.

Übersetzung: Holger Hutt
 
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Artikelaktionen
Kommentare
Gustlik schrieb am 02.02.2012 um 14:00
Wenn die Facebook-Blase platzt, werden eine Menge blasser Gesichter von statistischen Freunden zurückbleiben. Binärcode.
Free World schrieb am 02.02.2012 um 15:47
„In Zukunft sollten die Dinge an deine Identität geknüpft sein. Das wird sie wertvoller machen.“

ich bestehe auf dem recht der freien entscheidung, das als eigene identität für mich selbst entscheiden zu können.

und dann war da noch: "These days I think more and more people want to use services from companies that believe in something beyond simply maximizing profits."

deshalb geht man an die börse?!? ich würde gerne wissen, warum eine solche gemeinde eigentlich den gegenwert von mehreren milliarden US$ darstellt? was produzieren die?
Simon Pschorr schrieb am 02.02.2012 um 16:25
Besonders schrecklich erscheint nicht nur, keine Wahl mehr zu haben, wie ich mich selbst definiere, sondern WOMIT ich mich selbst definiere. "Dinge an deine Identität geknüpft" heißt nichts anderes als sich über die Ware, den Konsum, also den Reichtum Anderer zu definieren...
antares56 schrieb am 02.02.2012 um 16:44
Facebook ist für mich immer noch eine kriminelle Vereinigung! Da ist nichts soziales - wie bei anderen auch - da sollen ein paar Leute 'ne Menge Geld verdienen. Ich verstehe nicht, das da so viele mitmachen. Ihr stellt euch doch auch nicht nackt auf die Strasse.
kamunar schrieb am 02.02.2012 um 19:47
so ein unsinn.

das hat man doch bei guttenbergs befürwortern sehen können, wieviel eine halbe million facebook-freunde dann in der realität wert sind: nichts.

der größte fehler ist anzunehmen, man selbst wüßte am besten, was für alle gut sei und weil es für einen selbst das beste ist, müsste es auch für alle anderen gut sein.

meine identität ist wertvoller, wenn ich ein paar daten und bildchen von mir auf facebook habe? was für ein quatsch. wenn ich so etwas lese frage ich mich, ob der mann noch zurechnugsfähig ist.
Thomas Fix schrieb am 02.02.2012 um 20:48
Facebook ist- wie vieles andere auch- ein Kind des Kapitalismus. Die Grundfrage, dass Menschen Netzwerke erstellen und sich ihnen anschließen, ist passe nichts negatives. Netzwerke gibt es in jeder gesellschaftlichen Gemeinschaft und ein Stammtisch oder eine Klassengemeinschaft können auch so etwas wie ein Netzwerk sein. Soziale Netzwerke, wenn sie denn nicht aus ökonomischen Gründen geschaffen würden, könnten also sogar etwas positives sein. Aber es liegt ja bekanntlich in der Natur des Menschen, das Gute zu wollen und das Böse zu schaffen. Letztlich ist es nicht nur ökonomisch gefährlich, was man auf FB postet, auch politisch kann dies heikel sein. Welche Zeitung ich angebe, was für Bücher (z.B. Sachbücher oder politische Bücher)man liest oder ähnliches kann dazu führen, dass jemand eine Art Profil von mir erstellen könnte und sich dann, wie ein Profiler, ein Bild von meiner politischen Einstellung machen könnte. Das kann bei der Jobsuche, aber auch aus anderen Gründen gefährlich werden. Wenn man mit FB vernünftig umgeht, die Anzahl der Freunde nicht künstlich erhöht, nicht allzuviel von sich preisgibt, dann mag dies noch ok sein. Alles andere ist jedoch Spielzeug und sehr gefährlich.


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