Dieter Gorny hat die Popkomm vorübergehend eingeschläfert. Die Ursachen für die einjährige Pause der ehemals glanzvollen Musikmesse sieht deren Gründer Gorny vor allem in der um sich greifenden Musik-Piraterie; sie mache es Unternehmen finanziell unmöglich, teilzunehmen. Damit stimmt Gorny in den Chor der Stimmen ein, die völlig zu Recht und überfälligerweise fordern, dass rechtliche Grundlagen für die Reformierung des krankenden Industriezweigs Musik geschaffen werden müssen.
Allerdings wiederholt er genau den Fehler, der ihn und seine Messe wohl tatsächlich in die aktuelle missliche Lage gebracht hat: Er klammert sich an eine alte Denke, die das Internet und die heutigen Musikliebhaber mit ihren Konsumgewohnheiten schon längst überholt haben. Im Gegensatz zu Tim Renner, der Open-Source-Ideen versprüht, pocht Gorny in altbewährter Bestrafungsmentalität auf das bereits in Frankreich gescheiterte Prinzip von Netzsperren für Musik-Piraten.
Seine Haltung ist nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich, sondern verleugnet schlicht und einfach den realen Wandel. Dass sich der Konsument vom sich selbst bedienenden, freiheitsliebenden Filesharer zurück zum industriehörigen, zahlungswilligen Musterbürger entwickelt, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Vielmehr gilt es, neue Wege zu finden, das Internet, diesen exogenen, technologischen Schock – genau wie die Kassette und die CD – zu überwinden. Dass ausgerechnet das branchenfremde Unternehmen Apple die Musikwirtschaft mit I-Tunes und I-Pod ausspielen konnte, ist bezeichnend für die Fortschrittsrenitenz der Musikindustrie.
Schocksteife deutsche Musikwirtschaft
Dessen ungeachtet ist Gornys Anliegen, der Schutz des Urhebers, durchaus ehrenwert. Seine Angst vor der Kulturflatrate, die jegliche Downloads legalisieren und damit Künstler ihrer Verwertungsrechte berauben würde, ist begründet. Die Flatrate würde das Urheberrecht und damit die legalen Distributionswege auf breiter Linie aushebeln, sollte sie frei nach Renner der Open-Source-Logik folgen. Sinnvoller wäre die von Carta-Gründer Robin Meyer-Lucht vorgeschlagene Urheberrechtsabgabe für das Internet, ähnlich wie es bei Rohlingen oder Brennern schon üblich ist. Diese Abgabe würde sowohl die nicht zu verhindernde Piraterie bedenken als auch den klassischen Geschäftsmodellen Respekt zollen. Zwar würde man illegale Downloads de facto tolerieren, nicht aber akzeptieren – ein entscheidender Unterschied.
Solche Ideen hört man von Gorny nicht, der eben aus diesem Grund die Idealbesetzung für das Sprachrohr der schocksteifen deutschen Musikwirtschaft ist. Man vernimmt nur das immergleiche Lamento, das den Diskurs mit der eigenen Kundschaft scheut. Doch genau hier hätte die Popkomm ansetzen und den Kontakt mit den Kreativen suchen müssen, wie es z.B. die Kölner c/o Pop oder die Leipziger Pop Up vormachen. Die Bewegung in der Urheberrechtsdebatte hätte ein fruchtbarer Nährboden für eine im Kern erfolgreiche, nachhaltige Messe sein können.
Stattdessen fabuliert Gorny von einer „digitalen Krise“, deren Höhepunkt tatsächlich längst passé ist. Popkomm-Direktorin Katja Gross verweist immerhin ganz richtig auf ein neues Gesamtkonzept, welches notwendig wäre, um der Messe 2010 wieder Leben einzuhauchen. Eine Randnotiz. Statt dessen: Alarm- statt Aufbruchstimmung, der Ruf nach Vater Staat statt Eigenveranwortung. Das kommt Ihnen bekannt vor? Willkommen im Klub der Bankrotteure.
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Hallo Jan Jasper,
welch Überschrift :) Das iPhone konnte deshalb ein Erfolg werden, da Apple zu den wenigen Konzernen gehört die sich eine eigenständige echte Entwicklungsabteilung leisten. Ansonsten sieht es so aus: Personal und Produktion auslagern. Selbst die Entwicklung wird von Komponentenherstellern übernommen. Somit sind die Neuerungen oft nur Modifikationen aber keine Innovationen. Ähnlich fatal läuft es bei den "Verwertern". Der Name sollte schon stutzig machen. Sie versuchen mit massivem Lobbyeinsatz ihre Pfründe zu sichern. Der Erfolg von Lobbyisten kehrt sich meist in Misserfolg am Markt. Weil der Schwerpunkt auf politischer Einflussnahme liegt, werden innovative Lösungen verschlafen. Es gilt als Erfolg, wenn der Status quo festgeschrieben werden kann. Bei der "Bezahlung" des Urhebers sind die Verwerter meiner Meing nach eher Vampire. Es ist viel in Bewegung. Einzelne "Künstler" beschreiten andere Wege. Es gibt auch kleine Unternehmen mit dem Zeitalter angepassten Konzepten. Jaja, wie war das noch mit dem Fisch und dem Kopf? [Der Kommentar ist ein persönliches Werturteil] |
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Dem kann ich nur zustimmen. GEMA & Co vertragen so oder so eine Frischzellenkur. Abgesehen davon natürlich, dass es wie Du richtig schreibst, schon Künstler gibt, die sich fernab der Branchenstandards versuchen ein standbein zu schaffen.
Um es mal mit Blumfeld zu sagen: "Alles macht weiter." Nur eben die Musik-Industrie (mit Betonung auf Industrie) eben nicht. |
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Ein interessanter Artikel:
Internetsperren gegen Urheberrechtsverletzer auch für Deutschland? www.heise.de/newsticker/Internetsperren-gegen-Urheberrechtsverletzer-auch-fuer-Deutschland-Update--/meldung/141084 Es nimmt seinen Lauf. |
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Dass man mit 3-Strikes liebäugelt, geisterte ja schon mehrfach durch die Medien. Ich befürchte auch, dass es eher in Richtung bestrafen geht. Helfen wird es allerdings nichts.
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Eine Urheberrechtsabgabe für das Internet verlagert die Kosten nur. Die Konsumenten sind nicht mehr bereit viel Geld für lieblos produzierte CD´s auszugeben.
Stattdessen sollte man sich auf die Freiheit der Kunst berufen. Das beinhaltet nicht nur die Freiheit des Künstlers, seine Kunst zu gestalten wie er möchte, sondern auch den freien Zugang ALLER zur Kunst. Man sollte die Kunstprodukte (Musik, Filme, usw.), durch hohe Preise, nicht nur denjenigen zugänglich machen, die sich es locker leisten können. Auch Menschen ohne hohe Einkommen sollten am Kulturleben teilnehmen können. Leider ist das häufig nicht der Fall, bspw. bei Ticketpreisen von Live-Konzerten einiger Künstler in Größenordnungen von 80,00 Euro aufwärts. Angesichts dieser Entwicklung fällt es mir schwer daran zu glauben, dass Künstler und Musikindustrie am Hungertuch nagen. Eine Legalisierung illegaler Downloads wäre somit die einzige Alternative! |
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Das Urheberrecht wird und kann nicht abgesägt werden. Legalisierung illegaler Downloads als einzige Alternative ist insofern "etwas" hochgegriffen.
Die Urheberrechtsabgabe für's Internet ist der Mittelweg, den es gilt zu schreiten. Downloads werden de facto toleriert, die Industrie/Künstler bekommt ihren Obolus und dem Konsumenten tun die paar Euro bei sinkenden Flatratepreisen eh nicht sonderlich weh. Vor allem aber sind sie gerechtfertigt. Einen erzwungenen Verzicht auf Vermarktungsrechte des Künstlers, sobald er das Internet betritt, darf es nicht geben. Das wäre Enteignung. Warum Live-Konzerte so teuer sind, erklärt sich dadurch, dass sie die einzig funktionierende Einnahmequelle der Musikindustrie sind. Alle wollen partizipieren, Künstler, Labels, Sponsoren, etc pp. Ergebnis ist der hohe Preis, der eben gerade nicht für eine gesunde Industrie spricht. |
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Ein Muss, ein Muss, ein Muss in dieser Thematik ist Stefan Niggemeiers Artikel "Unterstanding Gorny".
Tränen gelacht. www.stefan-niggemeier.de/blog/understanding-dieter/ |
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Ich habe mitgelacht. Tränen.
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Stilistisch wie immer super. Ansonsten leider bittere Realität.
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Ausgabe 06/12
09.02.2012
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