Wochenthema

Die Deutschen machen in der Kulturgeschichte häufig keine so gute Figur

Hintergrund | 24.11.2011 07:00 | Jörn Kabisch

Der hässliche Deutsche

Die Deutschen machen in der Kulturgeschichte häufig keine so gute Figur

wappen.jpgDie zwei halbnackten Männer sind heute nur noch Heraldikern ein Begriff.  Auf der preußischen Fahne rahmten sie den schwarzen Adler ein, den Vogel, der als deutscher Wappenvogel die Geschichte überlebt hat. Große Keulen tragen diese Bärtigen, ihre spärliche Kleidung besteht aus Moos. Sie sind die vielleicht erste offizielle Darstellung des „hässlichen Deutschen“. Die zwei sind feste Figuren der germanischen Mythologie: wilde Männer aus dem Wald, die mit Bärenkräften ausgestattet sind.

Dass sich das preußische Königshaus den germanischen Herkules als Referenz­figur aussuchte, mutet heute drollig an. 200 Jahre später ist das Bild weiter lebendig, allerdings ganz im negativen Sinne. Schon im I. Weltkrieg entsteht das Feindbild von den teutonischen Hunnen, nach dem II. Weltkrieg ist immer der „ewige Nazi“ gemeint, wenn vom „hässlichen Deutschen“ die Rede ist. Egal ob Mitläufer, Geschichtsverdränger, Beschöniger, Denunziant oder totalitäre Persönlichkeit – jedes antideutsche Ressentiment passt. Der pedantische Sadist gehört bald zum festen In­ventar Hollywoods, das erste Mal verkörpert von Gert Fröbe 1965 in dem James-Bond- Streifen Gold­finger.

Zu Beginn der siebziger Jahre wird die Figur zum innerdeutschen linken Feindbild. Anfang der achtziger Jahre schreibt Otto Köhler in der Zeitschrift konkret eine Kolumne namens „Der hässliche Deutsche“. Mit der Wiedervereinigung und den rechtsextremen Gewalttaten in den Jahren danach – Stichwort Hoyerswerda, Mölln, Solingen erfährt das Stereotyp eine Aktualisierung. Es dauert einige Jahre, dann taucht das Bild nur noch sporadisch im politischen Kontext auf.

Als hässliche Deutsche dienten zuletzt nur noch Fuß­ball­spieler, wegen einer kampf­betonten Spielweise ohne große Spielkultur.

 

(Abb.: Pulfer/ picture alliance/ Artcolor)

 
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Kommentare
ed2murrow schrieb am 24.11.2011 um 13:43
Lieber Jörn Kabisch,

wenn sich aus Heraldik etwas herauslesen läßt, dann ist es die Verbindung absoluter Macht mit Mythen. Das hat immer etwas aberwitziges, egal ob es sich um die wilden Männer handelt, die noch bis in jüngere Zeit hinein in Dänemark wie in Griechenland zu finden waren, oder um die Legende um ein besonderes Volk, dessen Ursprung aus einem platonischen Schriftfragment abgeleitet wurde. Die Attribution Hunnen hat hingegen einen handfesten Bezug zur kaiserlichen Hunnenrede wie auch die Wahrnehmung des Deutschen konkrete Anlässe hatte und hat.

Die Abstraktion auf den (Neo)Paganismus, der evtl. im Kaiserwappen bereits zum Ausdruck käme und in der Idee von "arischen Orden" gräßliche Vollendung fand, interessiert hingegen nur Spezialisten. Leider.

Beste Grüße, e2m
Joachim Petrick schrieb am 25.11.2011 um 02:51
@Jörn Kabisch

Die Krux der hässlichen Deutschen war und ist immer, dass der hässliche Deutsche sich immer gewiss ist, dass alle Deutschen vereint hinter ihm stehen, er sich aber nicht über deren Motivlage sicher ist.
Damit er seine Angst über diese Ungewissheiten dabei zu überspielen vermag, greift der hässliche Deutsche, wie weiland Kaiser Wilhelm II zu Prunk, Pomp, Glanz & Gloria, indem er in geharnischt vollen Wichs, hoch zu edlem Pferde, zu sich, den Deutschen und der Welt spricht
"Ihr alle seid mein, ihr wißt es nur noch nicht!
"An meinem Wesen wird die Welt genesen, oder gar nicht!
BASTA!".
Ach!, das war ja ein anderer Deutscher, der mit dem "erst BASTA!, dann Gazprom ZASTER PLFASTER Ruf.

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/ist-der-vatikan-das-inkassobuero-des-kapitals-

24.11.2011 | 03:18
Ist der Vatikan das Inkassobüro des Kapitals?,
vatikan occupy staaten jürgen_habermas arnulf_baring machtwechsel schuldenkrise euro sozialstaat ressourcen verwertung währungszonenstaaten schuldenknäste erbsünde ablass insolvenzgesetz

wenn ja?, was ist dann das Christentum?

Ist die Christenheit die historisch "Erlösende Welt- Entschuldungsbewegung", die sich hute als "Occupy- Schulden- Bewegung!"
outet?

Wenden sich Staaten zu Schuldenknästen?,
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