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Existenzielle Bedrohungen kennt die Menschheit noch nicht sehr lange

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Homo technicus | 06.01.2012 10:00 | Alok Iha

Wenn die Atmosphäre in Brand steht

Existenzielle Bedrohungen kennt die Menschheit erst seit etwa einem halben Jahrhundert. Aber es werden täglich mehr

Kosmische Bedrohungen begleiten die Erde von Anfang an, nur der Mensch brauchte eine Weile, um das zu bemerken: So beispielsweise die Gefahr Kollision unserer Galaxie, der Milchstraße, mit unserem nächsten Nachbarn, Andromeda, oder das Auftauchen eines Schwarzen Lochs. All diesen Gefahren ist gemein, dass wir herzlich wenig gegen sie ausrichten können, selbst wenn wir von ihrer Existenz wissen.

Tatsächlich aber wächst die größte Bedrohung aus unserem eigenen Handeln. Existenzielle Bedrohungen sind für den Menschen „ein relativ neues Phänomen“, schreibt Nick Bostrom, Philosoph an der Universität Oxford, in der Publikation des World Economic Forums, Global Agenda. „Mit Ausnahme eines Asteroiden oder Kometen, der ganze Arten ausrottet (was äußerst selten vorkommt), gab es in der Geschichte der Menschheit wahrscheinlich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts keine existenziellen Bedrohungen und mit Sicherheit keine, gegen die wir irgendetwas hätten unternehmen können.“

Von der Atomkraft bis zur Nanotechnologie

Nach Bostrom dürfte die erste vom Menschen geschaffene existenzielle Bedrohung von der ersten Detonation einer Atombombe ausgegangen sein. „Damals gab es Bedenken, die Explosion könnte eine Kettenreaktion auslösen, indem sie „die Atomsphäre in Brand setzt. Auch wenn wir heute wissen, dass so etwas physikalisch unmöglich ist, bestand damals dennoch eine existenzielle Bedrohung.“

Die vom Menschen geschaffenen Bedrohungen, die sich aus Klimawandel, Umweltverschmutzung, dem Raubbau an natürlichen Ressourcen und dem Wahnsinn der Atomwaffen ergeben, sind heute nur allzu real. Wir experimentieren mit unseren Genen und Atomen und setzen uns selbst damit großen Gefahren aus. Nanotechnologie, synthetische Biologie und Genmanipulationen bieten die Möglichkeit, unsere Lebensmittel zu verbessern, bessere Medikamente herzustellen und die Welt sauberer zu machen. Sie können aber auch großen Schaden anrichten, wenn sie falsch oder ohne die nötige Sorgfalt angewendet werden.

Martin Rees, britischer Hofastronom und ehemaliger Präsident der Royal Society, warnte schon 2003, die Chancen der Menschheit, das Jahr 2100 zu überleben, lägen in Anbetracht der leichten Zugänglichkeit von Technologien mit globalen Auswirkungen, bei 50 Prozent – er dachte dabei an Dinge wie Bioterrorismus oder die möglichen negativen Auswirkungen der molekularen Nanotechnologie.

Was hätte Newton dazu gesagt

Unsere Gesellschaft ist vernetzt und computerisiert wie noch niemals zuvor. Das hat große Vorteile in Bezug auf Handel, Zugang zu Wissen und Bildung und eine Verbesserung der Kommunikation mit sich gebracht. Aber die gleichen Verbindungen können auch Viren (menschliche wie digitale) immer schneller verbreiten. Geschickte Terroristen oder eine intelligente Maschine könnten die Energieversorgung lahmlegen, Daten stehlen oder löschen und Versorgungsketten unterbrechen – alles Dinge, die für das Funktionieren unserer modernen Welt von entscheidender Bedeutung sind. Hätte man einige der gebildetsten Männer der europäischen Aufklärung wie Isaac Newton oder Francis Bacon gefragt, wie die Welt untergehen wird, hätte man Geschichten von göttlichen Eingriffen zu hören bekommen oder von einem Krieg, dem so viele Menschen zum Opfer fallen, dass die Menschheit sich nicht mehr davon erholt.

Aber keiner dieser schlauen Leute hätte uns etwas über das apokalyptische Potenzial von Atombomben, schwarzen Löchern oder steigenden Meeresspiegeln infolge des Klimawandels erzählen können.

Übersetzung: Holger Hutt
 
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