Oury Jalloh - Brand durch Fremdverschulden

BREAK THE SILENCE Ein Team internationaler Sachverständiger hält es für unwahrscheinlich, dass Oury Jalloh sich in seiner Zelle selbst angezündet haben soll.
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BREAK THE SILENCE, die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V. lässt dankenswerter Weise nicht locker und hat ein weiteres Gutachten zum Brand in der Zelle des Asylbewerbers vor 10 Jahren in Auftrag gegeben. Auf einer Pressekonferenz wurden die Erkenntnisse vorgestellt, in denen erhebliche Zweifel an der Selbstverbrennungsthese zutage kamen. Die hält weiterhin an der Darstellung fest, der schwerst Betrunkene, mit Füßen und Händen gefesselt, an Wand und Betonsockel der Liege fixiert, habe die mit einem schwer entflammbaren Bezug versehene Matratze selbst angezündet und sei dadurch zu Tode gekommen.

„Unter Bezugnahme auf die mir zur Verfügung gestellten Informationen ist es meiner Meinung nach wahrscheinlicher, dass eine dritte Person das Feuer entzündet hat - entweder durch Zerstörung und unmittelbare Entzündung der Matratze an verschiedenen Stellen oder unter Verwendung von Brandbeschleuniger.“
Iain Peck (Brandsachverständiger)

Gabriele Heinecke, Anwältin der Nebenklage, führt sechs Gründe an, weshalb Oury Jalloh nicht selbst Feuer gelegt haben kann:

"1. In der Zelle gab es kein Feuerzeug, mit dem Oury Jalloh den Brand hätte legen können.

2. Oury Jalloh ist mindestens zweimal gründlich auf Gegenstände untersucht worden. Eine Flüssigkeit zog sich vor dem Brand von der Matratze zur Tür der Zelle. Eine dritte Person konnte die Zelle kurze Zeit vor dem Brandausbruch betreten.

3. Spuren im Körper: Kein Befund von Kohlenmonoxid (CO), kaum Ruß in der Lunge und ein unauffälliger Noradrenalinwert beweisen, dass Oury Jalloh sich nicht lange lebend im Brandgeschehen befunden haben kann und er vor seinem Tod nicht von Angst, Schrecken oder Schmerz beeinträchtigt war.

4. Vieles spricht für mehrere Brandausbruchsorte. Auch das schließt aus, dass Oury Jalloh selbst das Feuer gelegt hat.

5. Die Versuche des Brandsachverständigen Maxim Smirnou mit baugleichen Matratzen und unter Verwendung organischen Materials (Schwein) haben ergeben, dass das am 7. Januar 2005 vorgefundene Brandbild ohne große Mengen von Brandbeschleuniger nicht herstellbar ist.

6. Die Annahme, Oury Jalloh hätte seinen Kopf über die heiße Flamme des Brandausbruchortes gehalten und sei in der Folge an einem reflektorischen Hitzeschock gestorben, ist mit der Position der Leiche nicht vereinbar."

Es ist ein beschämender Justizskandal, dass in mühseliger Kleinarbeit von privater Seite nach den wahren Ursachen geforscht werden muss, die Polizei und Staatsanwaltschaft den Tathergang bewusst verdunkeln, bzw. sogar verfälschen. Es ist höchste Zeit für einen neuen Prozess, der dem Opfer Oury Jalloh Gerechtigkeit widerfahren lässt!

20:31 27.10.2015
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30sec

Europa ist eine Komfortzone ... Der Zusammenbruch gehört nicht der Zukuft an, er hat schon angefangen." Peter Høeg, Der Susan-Effekt
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