Rechtsterrorismus in Deutschland

Erinnerungslücke 1980 Deutschland einig Vaterland im Vergessen. Eine Hörempfehlung zur langen Kontinuität des rechten Terrors.
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SWR2 Feature
Erinnerungslücke 1980

Das Terror-Jahr der Rechten
Von Philipp Schnee

Sendung: Mittwoch, 28. Oktober 2020
Redaktion: Wolfram Wessels
Regie: Günter Maurer
Produktion:SWR 2020

Im Podcast:
https://www.swr.de/swr2/doku-und-feature/2020-10-28-philipp-schnee-erinnerungsluecke-1980-100.pdf


"Bei einem Anschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 sterben dreizehn Menschen. Das ist bis heute der schwerste Terrorakt in der bundesdeutschen Geschichte. Aber nicht der einzige in diesem Jahr.

Ebenfalls 1980 schlägt eine Neonazi-Gruppe allein sieben Mal zu und tötet u. a. in Hamburg die Asylbewerber Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân. In Erlangen werden der Rabbiner Shlomo Levin und seine Lebensgefährtin Frieda Poeschke ermordet. Ein Rechtsextremist erschießt zwei Schweizer Grenzbeamte.

Warum kann sich kaum jemand an diesen Terror, die Opfer, die Täter erinnern? Sie scheinen in der bundesdeutschen Geschichte weitgehend ausgeblendet.

Wer sich aber an die lange Kontinuität des rechten Terrors nicht erinnert, hält ihn auch leicht in der Gegenwart für unmöglich. Das könnte eine folgenreiche Fehleinschätzung sein.
( ... )
Bis heute wird Rechtsterrorismus häufig kleingeredet, zu einer unpolitischen Tat eines Verwirrten oder zu einer Tat eines einzelnen, isolierten Rechtsextremen. Die Strukturen und Netzwerke werden nicht ausermittelt, bleiben unerkannt. Dabei würde sogar schon dieses eine Jahr 1980 einige der Prototypen auch des heutigen Rechtsterrorismus liefern: Eine gut vernetzte Zelle mit vielen Unterstützern und Unterstützerinnen, die deutschlandweit Taten begeht.-Zwei scheinbare Einzeltäter, die bei genauerer Hinsicht fest eingebundene Neo-Nazikader aus gewaltaffinen Strukturen sind. Ein eher lose eingebundener, aber doch vernetzter und hochideologisierter Täter.
Dieses Muster zeigt sich auch heute noch bei Ermittlungen: In München, dort wo Gundolf Köhlers Anschlag jahrzehntelang offiziell die Tat eines Verzweifelten war, erschießt David Sonboly 2016 am Olympiaeinkaufszentrum „OEZ“ neun Menschen. Offiziell gilt Sonboly bis 2019 als „Verzweifelter“, als verwirrtes Mobbingopfer. Obwohl er sagte, er wolle „ein paar Kanaken abknallen.“ Seine extrem rechte Gesinnung, die klaren Bezüge zum norwegischen Attentäter Anders Breivik, seine Onlinekommunikation im „Anti-Refugee-Club“ mit dem späteren Attentäter William Atchison, der in den USA zwei Menschen erschoss, die Spur zu einem weiteren potentiellen jungen Terroristen in Baden-Württemberg, alles wird zunächst kleingeredet. Erst nach öffentlichem Druck wird aus dem Amoklauf eines Verwirrten eine rechtsterroristische Tat mit internationalen Bezügen.Und nach dem rassistischen Anschlag in Hanau im Februar 2020 sorgte kurzzeitig eine Einschätzung aus dem Bundeskriminalamt für Diskussion. Die Tat, aber nicht der Täter sei rechtsextrem."

10:31 05.10.2020
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This is war, to the leader, the pariah, the victor, the messiah. This is war - If we don't end war, war will end us.
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