Das neue Österreich

Kurz as can In DIE WELT bejubelt Christoph B. Schiltz die voraussichtliche Koalition von ÖVP und FPÖ.
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Rechts und links wären Kategorien, die in die Irre führten, meint der Welt-Kommentator Schiltz. Offenheit, Innovationsfähigkeit, der Grad an Freiheit, das würde zählen und hätte nichts mit einem seiner Meinung nach antiquierten Modell von rechts und links zu tun.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article169699351/Sein-neues-Oesterreich.html

Nun, zunächst mal repräsentiert die FPÖ einen völkischen Nationalismus, der durchaus in Richtung Mordgesinnung geht. Ginge es nach denen, gäbe es wieder eine Mauer und einen Schießbefehl. Die Nation, gleichgesetzt mit Heimat, Blut und Boden, steht über allem, und dafür darf man auch töten. Ihre Mordgesinnung rechtfertigen die Täter durch eine Selbststilisierung als Opfer, die den Mord wie eine Notwehr erscheinen lässt. Der Tod von anderen Menschen durch eine Politik des Mauerbaus und des Schießbefehls ist jedoch bloß die erste Stufe eines völkischen Nationalismus. Denn der Herrenmensch ist immer zugleich auch ein Raubmörder, der den Nachbarn erschlägt, um sich seines Besitzes zu bemächtigen. Das Verständnis für den norwegischen Massenmörder, was da so ein sächsischer AfD-Abgeordneter geäußert hat, bedeutet eine direkte Unterstützung von Terrorismus, der Mord am Nachwuchs des politischen Gegner erscheint nun genauso legitim, wie die Massenvernichtung von Menschen, die dem völkischen Totalitarismus nicht in sein Denken passen.

Der autoritäre Charakter wähnt sein Volk und Blut als das Beste und Edelste, was rein gehalten werden müsse, Leute aus anderen Kulturkreisen, oder sogenannte Degenerierte gelten für ihn als minderwertig, als nicht lebenswert.

Ist „rechts“ etwa, wenn ein Politiker wie Kurz die Außengrenzen so sichern will, dass schutzbedürftige Flüchtlinge nur noch auf kontrolliertem Weg über Resettlement nach Europa kommen und diejenigen rechtzeitig abgewiesen werden, die null Chance auf Asyl in Europa haben?“, fragt Schiltz.

Nun ist es jedoch so, dass bei einem völkisch-nationalistischen Regime à la Orban es prinzipiell keine Chance auf Asyl gibt. Ich weiß nicht, warum Schiltz hier einer Propaganda eines „kontrollierten“ Weges nach Europa für Flüchtlinge auf den Leib geht, die der rechtsextremen Ideologie einer FPÖ widerspricht. Wer soll denn für die Gewährung der verfassungsmäßigen Rechte Geflüchjteter garantieren? Strache? Höcke? Kurz? Die Verharmlosung derjenigen, die sich weigern Verantwortung für die Geschichte zu übernehmen, weil sich daraus ein Widerspruch zur eigenen totalitären Kontinuität ergibt, treibt schon seltsame Blüten bei pseudokonservativen Journalisten mit Hang zum Völkischen.

Mal abgesehen davon, dass auch das Jahr 2015 zu einer Vergangenheit gehört, in der das Thema eine Rolle spielte, ob der Wert des Lebens allgemein höher oder niedriger zu bewerten war als die Ideologie einer Territorialität, die in den Köpfen des 19. Jahrhunderts erschaffen wurde, für die Zukunft bedeutet völkisch-nationalistisches Denken und Handeln nach wie vor rechts, auch wenn Schirli sich anscheinend eine neue Begrifflichkeit wünscht, die den Schlußstrich widerspiegeln möge, den die tendentiell Mordgesinnten mit ihren autoritären Charakteren sich herbeisehnen.

Die Rückeroberung einer totalitären Nation hat nur für diejenigen etwas mit Offenheit, Innovationsfähigkeit und Grad an Freiheit zu tun, die davon profitieren, auch Raubmörder und Terroristen können so als offen, innovativ und frei bezeichnet werden. Der Herrenmensch empfindet wahrscheinlich den höchsten Grad der Freiheit, wenn er sein Opfer quält. Solche Leute als europäisches Zukunftsmodell anzupreisen, weil sie ja die Probleme der Migration auflösen würden und Schluss mit klientelistischen Strukturen machen würden, anstatt sich slbst da rein zu setzen, das ist schon ein Messianismus, der schon deshalb merkwürdigt anmutet, weil das Elend ja nicht die Ösis selbst direkt trifft, schließlich sagt der Schiltz selbst, dass Österreich enorm profitiert und super dasteht. Die Erlösung vom Bösen als Orbanisierung und Katschinskisierung der europäischen Politik anzupreisen, noch mehr Trump geht wohl nicht mehr, oder?

13:29 17.10.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

4711_please

Seit jeher verfolge ich kritisch die Politik und kommentiere meine Analysen seit Jahren in diversen Medien online.
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