Flautenphilosophie

Piratiges Uns gehts ganz gut und euch so? ;)
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Zunächst einmal, liebe Mitmenschen, ich freue mich Euch vorerst alle beruhigen zu können...

...meine Lebenszeichen sind weiterhin konstant und auch die meisten Mitpirathörnchen machten auf mich in letzter Zeit eher einen lebendigen Eindruck. Auch wenn wir wohl einige Kranke und Verletzte zu verzeichnen haben und sich auch einige auf Floßen, in Shuttles, Aufzügen oder auf der Plattform befinden:

Nö, ertrunken oder Ähnliches sind “wir” Piraten nicht!

Zugegeben, es zehrt alles ein wenig an den Nerven zur Zeit...

Die hohen Erwartungen, die in unser parteiähnliches Konstrukt gesetzt wurden, sind immer noch an jedem Infostand spürbar und auch diese kurzfristig folgende Enttäuschung der Öffentlichkeit, die Traurigkeit und Wut darüber, dass wir eben nicht, wie gewollt, sofort alles anders machen, nicht alle üblichen Fehler der etablierten Parteien (Personaldebatten, GO-Schlachten, Vernachlässigung der Inhalte und der Selbstkritik) in unserer Selbstfindungsphase vermeiden konnten und dies auch noch transparent.

Die ungewohnte und ungewöhnliche Aufmerksamkeit innerhalb des Hypes, die Fehlersuche der nach Parteiensystem definierten politischen Konkurrenz und jene innerhalb der eigenen Partei, in der das Feindbild des unehrlichen, korrupten, Politikers vermeintlich ebenfalls bald seine Entsprechungen fand, haben den mutigen Idealisten der ersten Stunden, denen alle Chancen für die Zukunft eingeräumt werden konnten, wohl am schwersten zugesetzt.

Jene träumerische Erwartungshaltung an einzelne Menschen, die auf bequemen Sesseln Entscheidungen diskutieren sollen, die letztlich über die Haushalte einer verschuldeten und intransparenten Demokratie entschieden werden müssen, jene Verlagerung der Verantwortung auf symbolkräftige Figuretten, welche als sinnbildlich für die repräsentative Demokratie betrachtet werden kann, konnte so nur, wie zuvor erneut, enttäuscht werden.

Die Desillusionierung bezüglich der Möglichkeit einer schnellen Veränderung eines trägen, historisch gewachsenen Systems, welches offensichtlich noch keinerlei Lösungen für eine globalisierte Welt der informationellen Vernetzung bereit halten kann und die daraus folgende Wut und Enttäuschung fanden ihre Sündenböcke so in jenen Idealisten, die sich Veränderung und digitalen Fortschritt in der Demokratie auf die Fahnen geschrieben hatten, sich jedoch, gerade erst begonnen, kaum schon in der Lage befanden, Politik in ausreichendem Maße mitzugestalten, um am praktischen Beispiel jenen Traum demonstrieren zu können, der sich aus Plattformneutralität, Mitbestimmung und Transparenz ableiten lässt.

Da kann ich euch übrigens auch gerne beruhigen, Demokratie und Mitbestimmung, Transnationalismus, Transparenz und Bedingungsloses Grundeinkommen SIND links... wie sich jetzt Einzelne innerhalb unserer parteiähnlichen Vereinigung selbst nennen wollen, ist dabei eher nebensächlich, auch wenn das bei der transparent geführten Diskussion vielleicht nicht immer so rüberkam.

Insofern möchte ich diese Plattform nutzen, um an Euch, die ihr von einer besseren Welt träumt und dafür auf den verschiedensten Wegen und in verschiedenen Parteien kämpft, zu appellieren, das Angebot von einer neuen Struktur der politischen Gestaltung, dass die Piratenpartei verkörpert, als Solches wahr zu nehmen und euch aus den wahlkampflastigen Denkmustern, die euer Bild von Politik geprägt haben zu entfernen. Die Strukturkritik an der Parlamentarischen Republik ist nicht persönlich gemeint, sondern berechtigt und wir könnten sie gemeinsam in politische Handlung umsetzen. Was uns daran hindert, da möchte ich die Piraten nicht ganz ausnehmen, ist eben jenes rückwärtsgewandte Lager-und Konkurrenzdenken, dass der konstruktiven Lösungsfindung traditionell entgegen steht.

Der Monolog der Wahlwerbung muss zur Kommunikation und Vernetzung der Menschen gewandelt werden, um der Enttäuschung gegenüber Demokratie und der faschistoiden Verrohung, die zunehmend um sich greift, entgegen wirken und den Traum der weltweiten Kooperation einen Schritt weiter bringen zu können.

Hinweis: Dieser Beitrag ist als subjektive Meinungsäußerung zu betrachten. Er erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrheit. Zu Risiken und Nebenwirkungen dieser, befragen sie ihren örtlichen Demokraten.

12:11 07.12.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

4nother1

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