Cinema for Peace Gala 2015 mit Überraschungen

Berlinale Die Cinema for Peace Gala während der Berlinale 2015 zeigte sich mit hoher Dichte an bekannten Gesichtern und auch unerwarteten Überraschungen.
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Die Charlie Hebdo Tragödie in Frankreich hat ein weltweites Medienecho ausgelöst. So ist es kein Wunder, dass auch die während der Berlinale stattfindende Cinema for Peace Gala 2015 in Berlin ein klares Signal für den Schutz der Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kunst und Satire setzte. Die Überlebenden der Charlie Hebdo Redaktion schickten als Gruß eine Karikatur einer Friedenstaube an die Cinema for Peace Gala.

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Wie jedes Jahr wurden herausragende Filme mit dem Cinema for Peace Award und dem Nelson Mandela Award ausgezeichnet. Der treueste Gast der Gala, der 93-jährige Schauspieler Sir Christopher Lee kam auch in diesem Jahr wieder nach Berlin und stellte einige der geehrten Filme vor. Als wertvollste Filme des Jahres wurden "Selma", "Unbroken" und "Timbuktu" gewürdigt, als wertvollste Dokumentarfilme "E-Team" und "Drone". Einen Award for Justice erhielten jeweils die Filme “Three Windows and a Hanging” and “Miners Shot Down”.

Der International Green Film Award ging dieses Jahr an den Film "Virunga". Til Schweiger erhielt zudem einen Sonderpreis für seinen Kassenknüller über einen Alzheimer-Kranken "Honig im Kopf", womit erstmals auch ein deutscher Film von Cinema for Peace gewürdigt. Darüber hinaus gingen Ehrenpreise an Ai Weiwei für seine hervorragende Arbeit als Filmemacher und an Ennio Morricone für sein Lebenswerk.

Die Schauspielerin und Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger hatte zwar öffentlich ihr Verständnis für Moslems geäußert, die sich durch Mohammed-Karikaturen verletzt fühlen, kommentierte aber die Charlie Hebdo Tragödie auf der Cinema for Peace Gala mit klaren Worten: " Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst."

Die Cinema for Peace Award for Justice wurde von der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag, Fatou Bensouda, und Deutschlands Justizminister Heiko Maas vorgestellt. Bensouda sagte: "Unser Zeitalter ist das des Rechtsbewusstseins, wo die Menschheit nicht länger akzeptiert, dass die Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen und Massenverbrechen in der Stille leiden oder dass die Täter ihrer Gerechtigkeit entkommen."

Der chinesische Künstler und Regimegegner Ai Weiwei Ai wurde in diesem Jahr für ein Werk von 26 Filmen als kritischer Filmemacher für Menschenrechte und Gerechtigkeit geehrt. Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina von der russischen Punk-Band Pussy Riot, die- selbst zwei Jahre in Russland für ihre Putin-kritischen Auftritte und Satiren inhaftiert und schon im Vorjahr auf der Cinema for Peace Gala nach ihrer Freilassung ihren ersten Auftritt in Deutschland hatten - hoben auf der Gala den Mut des 57-jährigen Ai Weiwei in seiner Auseinandersetzung mit Peking hervor. Er übermittelt in einer Videobotschaft während der Gala: "Ich glaube, wenn wir alle daran arbeiten, unsere Menschenrechte zu verwirklichen, hilft das nicht nur mir, sondern allen". Der Preisträger ist seit vier Jahren inhaftiert und führte per Skype für einen während der Berlinale gedrehten Kurzfilm von China aus Regie.

Am Ende der Laudatio der Die zierliche Oscar-Preisträgerin Natalie Portman für den Film “Virunga“ über den gleichnamigen Nationalpark, den Portman kürzlich besuchte, erobert ein Akteur der von Cinema for Peace offiziell eingeladenen Netzkunst- und Aktivistengruppe „The Yes Men“ die Bühne. Der Auftritt war als Satire gedacht, um weitere Aufmerksamkeit für das Thema Meinungsfreiheit zu erregen.

Der emotionale Höhepunkt der Gala war allerdings der Auftritt des jüdischen Klarinettisten Giora Feidman, der die Nationalhymnen von Deutschland, Israel und Palästina spielte und dazu erklärte: „In Deutschland fühle ich mich zu Hause, von Israel besitze ich die Staatsangehörigkeit und die Palästinenser sind meine Brüder.“

Auch in diesem Jahr war die Liste der anwesenden Preisträger und Laudatoren der Gala beeindruckend:

Cinema for Peace Award for The Most Valuable Movie of the Year:
Laudator: Sir Christopher Lee und Kweku Mandela
Gewinner: Selma (vor Ort: Paul Webb – der Schöpfer und Drehbuchautor des Filmes)

The International Green Film Award:
Laudatorin: Natalie Portman und Fredo Arias-King
Gewinner: Virunga (Joanna Natasegara – die Produzentin)

Cinema for Peace Award for Justice:
Laudatoren: Heiko Maas und Fatou Bensouda
Gewinner: Three Windows and a Hanging (vor Ort: Regisseur Isa Qosja sowie die Produzenten des Films: Shkumbin Istrefi und Mentor Shala)
Miners Shot Down ( vor Ort : Rehad Desai – Regisseur)

Cinema for Peace Award for The Most Valuable Documentary of the Year:
Laudatorin: Bianca Jagger
Gewinner: Drone (vor Ort:. Tonje Hessen Schei – Regisseurin sowie Assistant Director des Films Jonathan Borge Lie)
E-Team (vor Ort: Fred Abrahams, Anna Neistat und Ole Solvang – Human Rights Watch – Hauptprotagonisten des Films)

Special Award
Laudatorin: Katja Riemann
Gewinner: Honig im Kopf und Til Schweiger

Honorary Award
Laudatoren: Pussy Riot
Gewinner: Ai Weiwei (Videobotschaft)

Die Cinema for Peace Foundation wurde 2008 in Berlin gegründet knüpft an die ersten Arbeiten der Cinema for Peace Initiative. Das Ziel der Stiftung ist es, den Frieden einsetzen und weitergeben Unrecht mit Hilfe des Mediums Film.

Die Cinema for Peace Foundation nutzt und fördert Filme, die humanitären Fragen zu beantworten, können Krankheiten zu verhindern, sich mit Terrorismus, Umweltverschmutzung, Krieg, Armut und Menschenrechtsverletzungen.

Hier ein Nachruf der Foundation zum Tod von Genscher.

22:16 18.02.2015
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Geschrieben von

Dirk de Pol

Schreibe hier über digitale Welten, das Internet und den Mobilfunkmarkt.
Dirk de Pol

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