Diesseits des Jenseits

Konzertkritik Eine Erzählung von einem sehr besonderen Privatkonzert vor circa fünfundzwanzig Jahren(89) im Stadtpark eines nicht weiter erwähnten ostwestfälischen Städtchens.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nun gut ich war auf "Platte", was ungefair mit obdachlos, arbeitslos und sonstlos zu übersetzen ist. Am HVP, dem HertieVorPlatz, gab es eine Gruppe Frühaufsteh Alkoholiker bei denen ich einige gute Bekannte hatte. Eigentlich kein Freund vom Jägermeister, habe ich mir dort manchmal einen Schluck und eine Kippe geschnorrt.

An dem speziellen Morgen konnte man schon von weitem sehen das die Jungs vom HVP und ein paar kostümierte Musiker Probleme miteinander hatten. Diese trugen etwas merkwürdige Schwarz-rot-bunt Kostümchen, zwei Geigen, eine Mandoline und eine Brache oder ähnliches. Als ich näher kam merkte ich wie schlecht es um die stand. ChaCha und seine HVPKumpels hatten die schon beinahe umzingelt, der Frank zog die wild kläffende Katie aus dem Gefecht und die Musikanten wurden hin und her geschubst.

Da gab es dann von mir einen Lauten, also eine Art Gröhlbeschwerde. Ich war in derartigem gut trainiert weil der ChaCha halt schwerhörig wahr, sowohl in der Wahrnehmung als auch in dem Verständnis jedweder Einwände. Das es halt bescheuert sei den Stadträten, die das Aufenthaltsrecht im Innenstadtbereich gerade einschränken wollten, ein Argument wie einen zusammengeschlagenen Musikantenververein vor die Füße zu legen undsoweiter. Tatsächlich ließen die Jungs von dem Misikantentrupp ab und alles schien in Ordnung, nur der ChaCha hat ein sehr fieses Grinsen im Gesicht, so als hätte der mich abgezogen oder sowas.

Ich konnte den Musikern zu einem Weg aus der Gruppe verhelfen, einer verstand mein Englisch und wir gingen erstmal "um die Ecke" in den Stadtpark, eben aus Sicht der erzürnten HVPler. "Hurra, Krise bewältigt", dachte ich mir, warf mein Gepäck auf die Wiese und ließ mich rückwärts auf den Rucksack fallen. Umpf.
Mir wurde auf gebrochenem Englisch von der Reise der Gruppe erzählt, eben von Städtchen zu Städtchen, oder genauer von Schützenfest zu Schützenfest. Als mein Ansprechpartner mir eine Kippe reichte, fragte er ob die Jungs mir ein kleines Konzert geben sollten, sozusagen als Belohnung.

Meine Mucke wär etwas sehr anderes als was die spielten, meinte ich dazu, eben Heavy Metal oder Punk.
Die Jungs haben gelacht und ich schloss die Augen und war mir sicher, meine "gute Tat für heute" erledigt zu haben. Das war alles doch sehr anstrengend gewesen für den frühen Morgen.
Dann hörte ich ganz leise ein paar Riffs. Die Jungs mussten einen Ghettoblaster dabeihaben den ich nicht gesehen hatte und Mucke angemacht haben, dachte ich mir dazu und ließ die Augen geschlossen um den wohligen Effekt der Mucke nicht zu verderben.

Aber irgendwas war nicht in Ordnung, der Gesang fehlte.

Als ich vorsichtig hinauf ins Sonnenlicht blinzelte, stand der Kerl mit der Mandoline über mir, links und rechts die Violinen und zu meinen Füßen die Brache und spielten die Riffs von Slayer. Das kam mir gottverdammt übersinnlich vor, aber ich nickte grinsend, machte das bei Metals übliche teuflische Handzeichen und ließ es einfach genauso wahr sein wie es halt war.

Zur absoluten Perfektion fehlte nur noch der Text aber die Nummer war so schon richtig episch.
Dann fiel er mir ein:"Aaaaaaayrrrrrrrarrrrr" das war "Angel of death" und die Ärsche hatten für die Faschos gespielt, deshalb kannten die den. Bis ich mich aufgerafft hatte, hatten die Jungs längst geschnallt das ich sauer war und waren gackernd weitergezogen, aber die trocken heisere Lache vom ChaCha durfte ich mir noch wochenlang zu dem Thema anhören. Dabei liebe ich die Riffs von dem Song, ...wenn da doch bloß nie einer zu gesungen hätte.

Eine richtig unvergessbare Vorstellung, so ganz in echt einzigartig weil, das passiert mir bestimmt nicht nochmal;)

greetings from the pit -abghoul

Ohne doimlinque's Inspiration mit "Jenseits von diesseits" hätte ich das niemals hingekriegt!
11:36 09.04.2014
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Geschrieben von

abghoul

Der fröhliche Nekromant im Grubenturm
abghoul

Kommentare 37

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