Im Schatten verschlossener Türen-Unser Verhältnis zur Politik

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Politik oder Politik?

Wenn wir in unserem Alltagsgebrauch von Politik sprechen, so geschieht dies immer unter bestimmten Vorraussetzungen, die wir an den Begriff "Politik" in unserer Zeit stellen.

Zum Einen werden wir immer notwendig jene assoziieren, die wir Politiker nennen, wir werden zudem immer auf große Themen eher achten als auf kleine, und nicht zuletzt werden wir immer von politischen Gruppen und Kräften sprechen.

Ursprünglich aber ist Politik etwas, das sich im öffentlichen Raum abspielt, und an dem jene die in diesem Raum tätig sind, teilhaben, und zwar sowohl als aktive, als auch als passive Kräfte. Wenn wir alle Einschränkungen abziehen, und versuchen, Politik als eine Kraft zu verstehen, die absolut und ausschließlich das Zwischenmenschenliche bestimmt, fällt es uns vielleicht leichter, einige der umtriebigen Themen der letzten Zeit zu verstehen.

Wie mache ich Politik?

Was den Grundton aktueller politischer Diskussionen wie Bahnhofsbauten, Urheberrechtsabkommen, Würdeverluste und Konsenszwang bestimmt, ist nämlich eben jener Verlust des Öffentlichen innerhalb des Diskurses.

Als Bürger einer Demokratie, also als Teilhabender des öffentlichen Raumes, ist es in all diesen Themen vorwiegend jener Ausschluss, der Gefühle wie Unrecht und Ungleichheit heraufbeschwört, welche wiederum in unsere Diskussionen als Brandsätze eingestreut werden, leider jedoch nur zu gut dienen, um das Grundproblem in Rauch aufgehen zu lassen.

Die Mitbestimmung des Bürgers am politischen hat also im schlimmsten Falle die Konsequenz, das der Bürger verlernt, wie er sich in angemessenem Rahmen an der Politik beteiligen kann. Er wird durch den Ausschluss nur noch zum Protestierenden degradiert, und bekommt damit einhergehend auch nur ein solches Handwerkszeug gereicht wie das des Protestes.

Zwar sind die Konsequenzen dieses Protestes nicht immer fruchtlos, sondern meist ganz im Gegenteil sehr effektiv (Ob jedoch diese Effekte positiv oder negativ sind, lasse ich hier aus).

Aber sind sie nur symptomatische Erscheinungen einer Kultur, die durch einen immensen Informationsaustausch in der Lage ist, ungeheure Propagandamechanismen in Bewegung zu setzen, die jedweger Form der tatsächlichen Beteiligung entbähren.

Nicht zuletzt zeigt sich dies in der inzwischen Traditionell gewordenen "Zitatzitation" der sich die Medien vorwiegend bedienen, als auch dem weit verbreiteten Habitus des Normalbürgers, erst einmal in die gerade relevanteste Scharte zu schlagen. Bevor ich eine eigene Meinung verfasse, "gefällt mir" doch lieber diejenige, die ich wenn überhaupt nur quergelesen habe. Und bevor ich versuche zu verstehen, lasse ich es mir lieber noch einmal erklären.

Wie kann ich Politik machen?

Was über den aktuell geführten, schnell vergessenen, Einzeldiskussionen schwebt, ist jedoch die graue Wolke einer Gesamtheit, deren tatsächlicher Inhalt uns kaum noch zu interessieren vermag. Sind wir doch allzu fasziniert von all den Blitzen, dem Donnergrollen, dem Schnee, Hagel und Regen, ja, dem ganzen Shitstorm halt, der aus ihr erwächst.

Wenn wir also aufbegehren, die Politik unserer Zeit würde hinter verschlossenen Türen stattfinden, dann sollten wir zuerst einmal herausfinden, an welcher Position wir uns eigentlich befinden, und ob wir uns nicht selbst in den Schatten dieser verschlossenen Türen stellen.

15:02 21.02.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Abraham Scythe

Schrift ist Text, Text ist Sprache, Sprache ist Lyrik, Lyrik ist Kunst. Schrift ist Kunst, Kunst ist beliebig, Kunst ist ewig, Kunst ist Leid. Leid ist beliebig, Ewigkeit künstlich, Leben sind Texte, Schriften sind Zeit.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 3