Ist Wirtschaft sozial?-Grundlagen I- Zum Begriff der Arbeit I

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Ich erinnere an dieser Stelle daran, das es sich bei diesem Text nur um einen Teil eines größeren Projektes handelt, welches sich mit der Frage beschäftigt, ob ein System mit wirschaftlicher Grundlage in der Lage ist, soziale Handlungen zu berücksichtigen oder auszuführen.

Eine sehr grobe und leider noch mangelhafte Einführung finden sie in meinem letzen Artikel, welchen sich in erneuerter und präziserer Form nachreichen werde.

Grundlagen I- Zum Begriff der Arbeit I

Gedankenabrisse zur Arbeit

Als Arbeit bezeichnen wir im heutigen Gebrauch alle Dinge, an denen wir produktiv tätig sind, also etwas herstellen, dessen Resultat den Prozess der Herstellung selbst überdauert.

Ein weiterer wesentlicher Faktor, den wir an die Arbeit herantragen, wenn wir von ihr sprechen, ist der des Lohns. Die heutige Definition von Arbeit erlaubt es im umgangssprachlichen Gebrauch kaum, genutzt zu werden, wenn sie nicht sogleich mit einem dafür angesetzten Lohn in Verbinung gesetzt wird.

Hier ist ein Indiz für die Erkenntnis des Menschen versteckt, der in sich die bewusste Kenntnis der absoluten Flüchtigkeit des Arbeitens selbst hat.

Da er das Arbeiten als bloße Notwendigkeit erkennt, verlangt es ihm, etwas zu erhalten, mit der er versuchen kann, die Flüchtigkeit des "erarbeiteten" zu überwinden.

In gewisser Form verhält sich Arbeit also analog zu dem Prozess des Lebens des Menschen, und seinem Streben, Dinge zu erschaffen, die ihn selbst überdauern.

Auch ist Arbeit eine stetig verändernde Kraft, und hinterlässt das bearbeitete Objekt, ob im Geiste oder als Materie, immer in einem Zustand, der sich von dem vorherigen unterscheidet.

Zudem gibt es qualitative Abstufungen von Arbeit, die sich auf jene Veränderung des Bearbeiteten beziehen. Ist es besser als vorher, reden wir von guter Arbeit, ist es schlechter als Vorher, reden wir vom Gegenteil. Die Wertung beläuft sich hierbei auf den Bearbeiteten Teil und seine Auswirkung auf das Gesamtobjekt der Bearbeitung.

Nicht zu unterlassen ist hierbei auch die Position des Arbeiters selbst, seinem Verhältnis zum Bearbeiteten und der Arbeit selbst, sowie den Bedingungen die für Arbeiten nötig sind.

In der heutigen Gesellschaft ist zu beobachten, dass es gerade die körperliche Arbeit, vielleicht sogar ausschließlich diese, ist, welche zusehens durch Maschinen ausgeführt wird, die vom Menschen durch geistige Arbeit erdacht werden und lediglich in minderem Maße körperlich bedient werden. Ob diese Art der Bedienung einer Maschine überhaupt noch als körperliche Arbeit im Ursprünglichen bezeichnet werden kann, ist fragwürdig, das der wesentliche Prozess zur Bedienung, und zwar das Verständnis des dafür nötigen Mechanismus, eine rein geistige Anstrengung ist.

Wir sehen also den Bereich der körperlichen Arbeit schrumpfend, jedoch in einem weit höherem Maße als der Bereich der geistigen Arbeit wächst. Die Arbeitskraftdie jedoch benötigt wird bleibt gleich, sodass der Restbetrag auf Maschinen entfällt.

All diese Phänomene werde ich im späteren Verlauf ausfühlich erörtern, beginnen jedoch möchte ich mit einer Darstellung der Begriffe der geistigen und körperlichen Arbeit, in welcher ich das Alltägliche in den Begriffen auszuklammern und mich auf die eigentlichen Grundlagen der Phänomene zu berufen versuchen werde.

Körperliche Arbeit

Körperliche Arbeit, die im übrigen sehr viel näher an dem ursprünglichen Verständnis von Arbeit als Mühe, Last und bloßer Erhaltung der Notwendigkeit, steht, produziert immer auch selbst etwas körperliches, also substanzielles, sei es im Handwerk, in der Landwirtschaft und ähnlichen Bereichen.

Das Produkt der körperlichen Arbeit schlägt sich notwendig substanziell nieder.

Zudem sehen wir nicht nur den Körper als etwas nach außen arbeitendes, sondern auch im inneren verstehen wir uns als einen Organismus, der aus verschiedenen Prozessen der Umwandlung zusammengesetzt ist. Somit ist auch er etwas, der aus dem Einen etwas Anderes erschafft, welches mit ungeheurer Flüchtigkeit sogleich wieder zu anderem wird, bis es den Körper verlässt.

Diese merkwürdige Doppelbedeutung der körperlichen Arbeit enthält hierbei zudem einen weiteren exklusiven Faktor, und zwar jenen des Zerfalls.

Körperliche Arbeit ist seit jeher am schlechtesten geachtet, da sie den Zerfall des Körpers beschleuningt, ihn zerschindet und dabei nicht vielmehr hinterlässt als ihren bloßen Sold.

Doch auch im innerern des Körpers folgt ein Zerfallsprozess dem nächsten, wie auch ein Entstehungprozess dem nächsten folgt,jedoch nur bis zu dem Punkt produktiv, bis sich die Waage zwischen beiden verschiebt, und der Zerfall die Entstehung übertrumpft.

Arbeitskraft ist also, wenn als die Energie verstanden, die zur Erhaltung oder sogar zum Überschuss dient, eine Kraft, die ab einem gewissen Punkt schwindet und letzendlich erlischt.

Geistige Arbeit

Die geistige Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sieim Kopf entsteht und mit dem Denken beginnt, nicht wie die körperliche Arbeit, welche mit dem Handeln beginnt.

Damit aber dieses bisher bloß gedachte sich als wirkliche Arbeit niederschlagen kann, muss sie in die Welt des Materiellen gebracht werden.

Das Mittel hierfür ist die Sprache. Sprache ist jedoch nicht das exklusive Mittel zum hervorbringen von Arbeit und weniger noch muss jedes Gedachte sich sogleich als Arbeit niederschlagen.

Denken wird also erst zur Arbeit, wenn wir es auf einen Gegenstand übertragen, den wir zu verändern suchen.

Sie ist zudem eine Form des Erschaffens, welche nicht mit rein äußerlicher Materie geschieht, sondern auch nicht-materielle Prozesse hinzuzieht, wie Logik, Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit.

Geistige Arbeit ist vom Standpunkt der Produktivität zudem gegenüber der Körperlichen weitaus effektiver, da sie die punktuelle Umsetzung im selben Schritt vollzieht wie die Grundlegung, und sich so in gewisser Form ausserzeitlich abspielt, da sie nicht auf die äußeren Dinge und ihre Reaktion angewiesen ist.

Trotzdem ist geistige Arbeit mit einer Anstrengung verbunden, und zwar jener der Kombinatorik, also dem Zusammenfügen von Gedachtem zu etwas neuem.

Dieses Neue ist zudem in der Lage, über die Summe seiner Teile hinaus, neue Fähigkeiten hervorzubringen, also auf merkwürdige Weise mehr zu werden, als es tätsächlich im eigentlichen ist.

Wenn wir also im Bereich der geistigen Arbeit von Produktivität sprechen, verfällt diese nicht ab einem gewissen Punkt, sonder vermehrt sich gar.

Da das Handwerksmittel jener Arbeit kein Körper ist, welcher dem Zerfall ausgesetzt ist und sich vermindert, sondern der reinen Kombinatorik aus Logik, Wahrscheinlichkeit und Möglichkeit, ist die Arbeitskraft geistiger Prozesse gleich der Anzahl der Möglichkeiten der Kombinatorik, und somit um ein vielfaches höher, wenn nicht sogar nahezu unendlich.


Schon an dieser Stelle ist zu sehen, wie schwer es ist, eine klare Trennung im Sinne einer Unabhängigkeit beider geläufiger Formen der Arbeit voneinander, geltend zu machen.

17:21 23.02.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Abraham Scythe

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