Warum die EU nicht Sozial handeln kann I- Grundlegung der Begriffe I

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Die aktuellen Umwälzungen im europäischen Raum, denen gegenüber häufig die Kritik geäußert wird, sie seien das Resultat einer Zentralregierung, die bewusst wirtschaftliche Interessen vor sozialen Interessen gelten lässt und durch repressive "Hilfen" Regierungen entmachtet, geben Anlass, sich die Gesamtsituation in ihrer Entwicklung und mithilfe ihrer definierenden Komponenten anzuschauen.

Am wesentlichsten innerhalb dieses Komplexes sehe ich die Begriffe der Gesellschaft, des Kapitals und, wenn auch zuerst vielleicht befremdlich anmutend, den Begriff der Arbeit. Aber ich glaube, dass hierin der Schlüssel zu einem weitreichenderem Verständnis der aktuellen Entwicklungen liegt.

Programmatik

Ich werde mich hierbei vorwiegend auf die Thesen und Definitionen Hannah Ahrendts aus der "Vita activa" stützen, und versuchen, sie den aktuellen Gegebenheiten wenn nötig anzupassen und vor allen Dingen an einigen Stellen zu erweitern.

Der Hauptteil wird daher aus Begriffsdefinitionen bestehen, aus welchen ich am Ende durch die Schnittmengen und Wechelwirkungen die oben genannte These herzuleiten versuche. Der Versuch ist rein intuitiv, das Ergebnis daher weitestgehend offen.

Den oben genannten Begriff "Sozial" verstehe ich als Zusammenfassung sozialer Maßnahmen, Programme und Hilfen in Bezug auf Krankenversorgung, Arbeitslosenhilfe, Erziehungs- udn Pflegesysteme und Armutsprävention.

Der Begriff Gesellschaft

Wenn wir über Gesellschaft reden, reden wir immer auch über Politik, denn das Politische, als Wirkmacht des Intersubjektiven, ist ein Prozess der sich im gesellschaftlichen Raum, also im öffentlichen Raum realisiert.

Wir reden also von dreierlei, wenn wir behaupten, etwas habe Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, nämlich vom politischen Handeln, vom öffentlichen Raum und von den Dingen, die wir als die Gesellschaft im speziellen definierend herausstellen.

Im Falle der Staaten Europas, insbesondere der EU, reden wir daher immer auch von Arbeit und Kapital, den Grundpfeilern der Wirtschaftsordnung, auf denen wir unseren Staat und Staatenbund begründen.

Hieraus ist ersichtlich, das wir im Rahmen eine Betrachtung der Gesellschaftsverhältnisse und Umwälzungen nicht um eine Betrachtung der Arbeit, des Kapitals, der Politik und des öffentlichen Raums herumkommen.

Der öffentliche Raum

Als öffentlichen Raum bezeichne ich das, worin wir diejenigen Handlungen ausführen, die jenseits des Privaten und Intimen liegen, und welche notwendig intersubjektiv ablaufen, also immer auf mehrere Handelnde angewiesen sind.

Dieser öffentliche Raum ist jedoch immer notwendig auch ein politischer, denn aus ihm erwächst das Zusammenleben, das letzendlich zur Bildung von Gemeinschaften führt, die über das familiäre hinausgehen.

Daher finden alle Handlungen im öffentlichen Raum statt, die den Rahmen des familiär-intimen überschreiten.

Dies ist der Warenhandel, welcher heute seltener auf öffentlichen Marktplätzen und mithilfe von tatsächlichem "verhandeln" stattfindet, und in welchem Kapital eine entscheidende Rolle spielt.

Hinzu kommen in unserer Gesellschaft auch Gruppen wie Konzerne, welche zwar im Bereich des öffentlichen agieren, jedoch in sich geschlossene, teil-private Konstrukte sind. Zusätzlich kommt zu dem Konstrukt des Konzerns der Faktor der Arbeit, welcher dieselbe ambivalenz des privat-öffentlichen mit sich trägt.

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Um die Textmasse überschaubar zu halten, werde ich diesen Text in 3-4 Teilen jeweils täglich veröffentlichen.

Ich bin wie immer sehr dankbar für Anregungen und konstruktive Kritik.

Morgen folgt die Betrachtung der Begriffe Arbeit, Kapital und Politik (im Kontext).

17:56 22.02.2012
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Geschrieben von

Abraham Scythe

Schrift ist Text, Text ist Sprache, Sprache ist Lyrik, Lyrik ist Kunst. Schrift ist Kunst, Kunst ist beliebig, Kunst ist ewig, Kunst ist Leid. Leid ist beliebig, Ewigkeit künstlich, Leben sind Texte, Schriften sind Zeit.
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