RE: „Das geht uns alle an“ | 12.05.2013 | 11:33

"Es gäbe einen ganz praktikablen Ansatz, dem alltäglichen Sexismus, der ausserhalb des gesetzlich Strafbaren liegt, zu begegnen: Viele Frauen sollten sich vielleicht auch einmal von der Mauerblümchenvorstellung verabschieden, eines Tages von einem Prinzen in den siebten Himmel gehoben zu werden, der natürlich auf einem weissen Schimmel daher geritten kommt- und selbst aktiv auf Partnersuche gehen, selbst wenn das mit gewissen Risiken verbunden ist: Die Balz ist schliesslich eine hohe Kunst, die viele Männer offenbar nicht beherrschen. Warum sollten Frauen den aktiven Part nicht auch übernehmen können? "

..eine Frau soll aus Sexismus reagieren, indem sie mehr und aktiver flirtet? HALLO? Sie werfen hier zwei Paar Schuhe durcheinander. Was hat einvernehmliches Flirten, Partnersuche, Balzen mit Seximsus zu tun, mit sexistischen Kommentaren über die Qualität des Körpers? Inwieweit soll denn ein aktives Flirten und Balzen seitens der Frau (das ja durchaus zu befürworten ist) Sexismus verringern?

Meinen Sie also, eine Frau, die z.B. in der Bahn blöd angequatscht wird, soll auf dieses Verhalten mit flirten reagieren? Sie verschieben hier die Rollen. Die Frau soll sich wehren, oder von vornherein anders verhalten? NEIN. Ihre Aussage impliziert, die Frauen sei ja selbst Schuld, dass sie Opfer von Sexismus werden, da sie zuwenig flirtiv aktiv seien und einigen armen Männern garnichts anderes übrig bleibt. Aus Opfer mach Täter.

RE: „Das geht uns alle an“ | 11.05.2013 | 23:23

"Sexismus = geschlechtsbezogene Abwertung/Herabwürdigung ist das eine, was mensch darunter konkret versteht u.U. individuell verschieden. Darüber sollte man sich verständigen können.

Auch darüber, ob sexuelle (körperliche) Gewalt nicht noch etwas anderes ist."

1. Dieser Definition würde ich zustimmen, sexuelle körperliche Gewalt ist ein anderer Bereich. Wenn wir über einen Alltagssexismus sprechen, würfe ich würde außerdem sexuelle/sexistische Inhalte in Kunst, Film, Literatur, Games und Werbung ausklammern (über die sicherlich auch diskutiert werden kann) und den Fokus auf zwischenmenschliche Begegnungen richten.

2. Für den Gradmesser Subjektivität ("u.U. individuelle verschieden") eignet sich der in etwaigen Talkshows und Zeitungen zitierte Hinweis: Ein Verhalten ist ok, wenn man es auch gegenüber seiner eigenen Frau/Freundin/Mutter/Tochter tollerieren würde.

RE: „Das geht uns alle an“ | 11.05.2013 | 22:55

"Ohne konkrete, fassbare und für bestimmte Männer klare Vorstellung davon, was Sexismus in der Alltagswirklichkeit überhaupt bedeutet, wird aber eine Diskussion darüber, was gegen ihn getan werden kann, sehr schwierig, gelinde ausgedrückt."

Ja, da stimme ich zu. Ich bestreite nicht die Schwierigkeit der Diskussion und auch nicht die Notwendigkeit einer Definition des Begriffs, nur zweifle ich daran, dass diese in drei Sätzen zu fassen ist. Zudem bezweifel ich, dass ein normativer Verhaltenscodex bei den "bestimmten Männern" zu eine Änderung ihrer Vorstellungen von angemessenen Verhalten führt.


"Da lässt sich die von Ihnen erwähnte Folie so gut wie über jede zwischengeschlechtliche Interaktion spannen, und praktisch alles kann als Sexismus gedeutet werden, selbst das eigentlich sexuell motivierte Balzen im gegenseitigen Einverständnis, was ja etwas sehr schönes ist. "

Nun zummindest eine gesetzliche und nicht subjektive Folie lässt sich darüber legen. -> Diese zeigt strafrechtlich relevante Verhalten, erfasst aber natürlich nicht das einvernehmliche Balzen. Aber ja, eine Unschärfe liegt in den Ebenen dazwischen.

"Wenn Subjektivität, also das subjektive Empfinden Einzelner, zum Gradmesser für einen gesellschaftlichen Missstand wird, dann wird es nicht zuletzt auch für den Gesetzgeber äusserst schwierig, Fehlverhalten in gesetzliche Normen zu giessen, um daraus dann letztendlich Strafuntersuchungen einzuleiten."

Gerade darauf habe ich hinweisen wollen: Für Strafuntersuchungen liegen natürlich gesetzliche (NICHT SUBJEKTIVE) Normen für ein Strafverfahren vor (wenn man vom nicht abzuweisenden Freiraum des jeweiligen Gerichtes absieht). Hierbei ist nicht die Subjektivität des Einzelnen Gradmesser, sondern das Gericht.

Dass subjektive Empfingungen als Gradmesser für Sexismus genommen werden, spiegelt ja bereits die Blog-Diskussion hier wieder. Diese findet sich auch in den Talk-Sendunge, der Berichterstattung in den Zeitungen und den #Aufschrei-Kommentaren. Kann man gesellschaftliche Missstände anders (außer gesetzlich) als subjektiv betrachten?

"Mir als Mann stellen sich verschiedene Fragen, was diesen subjektiven Begriff vom Sexismus anbelangt, der ja, wie Sie richtig sagen, in verschiedenen Bereichen zur Anwendung kommt: Wer soll z. B. in der Kunst bestimmen, was Sexismus ist? Ein nackte Frauenkörper ist schliesslich so gut wie in allen Kunstbereichen ein äusserst beliebtes Motiv, sowohl bei Plastikern, Malern, Literaten, Filmemachern als auch Fotografen. Müsste man z. B. Lolita von Vladimir Nabokov, die Filme von Russ Meyer oder die Akte von Peter Paul Rubens auf den Index setzen, nur weil sie dem subjektiven Begriff von Sexismus gewisser Kreise entsprechen? Wer bestimmt, wie frei die Kunst sein darf?"

1. Ohje. Das kann ich nicht beantworten. Was ist Kunst? Was nicht? was obzsön, vulgär oder politically incorrect? Wir kehren wieder zum Kern zurück - Sexismus greift in so viele gesellschaftliche, kulturelle und zwischenmenschliche Bereiche, dass EINE Definition nicht existent ist. Es ist polyperspektivisch und ja, auch subjektiv. - was noch nicht bedeutet, dass wir morgen im Museum die Bilder abhängen müssen.Ich denke, man muss zwischen Sexismus in Kunst, Literatur, Film und Alltag (d.h. zwischenmenschliche Begegnungen) unterscheiden.

2. Mir als Frau stellen sich die gleichen Fragen. Nur meistens umgekehrt. (also nicht, "darf ich das?" sondern "muss ich das hinnehmen?". Ich verstehe den Wunsch nach einer Definition zum festhalten, aber ich kann nur eine subjektive Definition geben.

RE: „Das geht uns alle an“ | 11.05.2013 | 19:27

"Warum gehen Frauen nicht radikaler vor, um ihre Ziele zu erreichen? Warum streiken sie nicht? Ich würde nicht warten wollen, bis etwas passiert, und mich erst einmal mit einer Flexiquote zufriedengeben.

Warum schieben Sie die Verantwortung jetzt wieder ausschließlich Frauen zu? Es geht ja um Probleme, die gesamtgesellschaftlich gelöst werden müssen."

Jawohl. Warum exlkudiert Herr Augstein die Herren denn? -> MITSTREIKEN!

"Rufen Sie auf"

RE: „Das geht uns alle an“ | 11.05.2013 | 19:18

Ist das denn möglich? Eine allgemeine Definition des Begriffs Sexismus wird in jedem Wörterbuch zu finden sein. Blättern wir allerdings in einem Standardwerk der Psychologie, Sozialpsychologie und Soziologie oder einer feministischen Schrift werden wir sehen, dass der Begriff unterschiedliche Aspekte betont - wahlweise Diskriminierung, Sozialstatus oder Geschlechternormen.

Selbst wenn es ein einheitliches Verstädnis gäbe, so würde die Definitionen an der Realität scheitern: An der Subjektivität.

Es gibt keine Folie, die wir auf ein eventuelles oder auch nicht sexistisches Moment legen können. (Gewiss bietet das Gesetzesbuch eine Folie für gravierenden Sexismus, aber eben nicht für einen alltäglich, so im Zwischendurch erlebten Sexismus.)

RE: Muss Deutschland mal austreten? | 12.04.2013 | 21:38

Sein Name taucht zum mindest neben den anderen Verdächtigen in den einschlägigen Medien als potentieller Kanditat auf. (Beispeil: http://www.stern.de/wirtschaft/news/spiegel-chefredakteure-nach-internen-konflikten-abgesetzt-1994777.html)

RE: Muss Deutschland mal austreten? | 12.04.2013 | 18:38

Blömchen: "Fahren wir nach Hamburg?"

Augstein: "Nein, wir bleiben in Berlin"

..ein Ende der Spekulationen über die Spiegel-Nachfolge? :)

RE: Jakob Augstein in „Wechseljahren“? | 09.04.2013 | 21:53

oder wie es Georg von Gote weiter oben formuliert hat "Blome wird hier von den meisten sowieso unterschätzt, einfach nur weil er bei der BILD ist. Der kann aber auch ganz anders." - Das Gefühl habe ich auch.

RE: Jakob Augstein in „Wechseljahren“? | 09.04.2013 | 21:51

Nein. Ich bin mir grad selber unsicher, ob mein Kommentar ironisch intendiert war oder nicht. :)

Unabhängig davon, ob es nun wahrscheinlich ist, dass es Blome wird - würde mich das Ergebnis doch interessieren. Seinen Ideen und Gedanken im Streitgespräch mit Augstein mag man vielleicht nicht immer folgen, aber einen klaren, analytischen Stil kann ihm sicherlich auch nicht absprechen. Ich frage mich, wie sich ein Blome-Spiegel lesen würde. Das ist alles.

RE: Jakob Augstein in „Wechseljahren“? | 09.04.2013 | 21:37

Blome als Chefredakteur ? Das würde die Zeitung sicherlich spannend machen.

In jedem Fall, eine interessante Vorstellung. :)