Abulafia

Unser größtes Bestreben in dieser Welt sollte es sein, die Grundpfähler des kapitalistischen Handelns - Angst, Hedonismus und Wille zur Macht - durch die harmonisierenden Werte Mut, Ehrlichkeit und Lauterkeit zu ersetzen.
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RE: 10 Sätze über das sinkende Schiff | 21.01.2012 | 23:22

Die Angst vor einer "übergeordneten Instanz" mag nach historischen Gesichtspunkten plausibel erscheinen; aber ich denke, inzwischen haben viele Menschen solch eine Panik davor, sich unterzuordnen, dass sie - sozusagen als Flucht nach vorne - anfangen sich ständig überzuordnen.

Dass es eine übergeordnete Instanz (d.h. etwas uns transzendierendes, unser Erkenntnishorizont übersteigendes) geben muss, ist m.E. doch à priori gegeben und vernab von Religiösität empirisch erfahrbar: das ganze Universum ist miteinander verschränkt, die Quantenmechanik hat es in ihrem eigenen Kosmos sogar schon skizziert; die Übergeordnete Instanz ist die Gesamtheit unserer Instanz. Unser Universum also. Und somit sagt der Atheist gar nicht 'mal die Unwahrheit, wenn er behauptet, er selbst sei die übergeordnete Instanz.

Denn ob wir das Gefühl, das kopfkompass in seinem Artikel offenlegt nun als Empathie bewerten, oder annehmen, mit dem sinkenden Schiff würde auch ein Teil von ihm versinken und Leben unter sich begraben; - diese Grenze existiert nicht wirklich. Die Wirklichkeit ist jenseits davon und Zeuge einer Verbindung, die uns manchmal als Scham, manchmal als Mut, und ab und zu sogar als Liebe erscheint.

RE: Jazzmusik als kostbares Kulturgut | 19.01.2012 | 09:49

"Was sagt der Rock-Musiker zum Jazz-Musiker?
Einmal zum Hauptbahnhof bitte!"

Der Jazz hat sich selber in den letzten 40 Jahren ins Abseits katapultiert. Die Metamorphose, die er zwanghaft doch ungezielt versuchte, hat ihm die Identität beraubt: entstanden als i-Tüpfelchen der amerikanischen Dekadenz, als pure Tanzmusik nach dem ersten Weltkrieg, mutierte er erst zur aristokratischen Pseudo-Intellektuellenmusik, bei der man sich im Rollkragenpullover die stets instrumentale, musikalische Masturbation einzelner Künstler anzuhören hatte; und anschließend zum Atlantis der Unterhaltungsmusik - Jede Musikrichtung wird versucht, zwanghaft durch so genannte "Jazz-Elemente" aufzuwerten. Gemeint ist damit meist ein swingiger Groove oder eine für den Jazz typische, "freiezügige" Art der Harmonisation.

Ich finde die Frage "brauchen wir den Jazz, oder überlassen wir ihn seinem Schicksal?" ist daher durchaus berechtigt - und Bedarf durchaus einer Antwort. Denn wie sagte Frank Zappa bereits 1974:

"Jazz is not dead, it just smells funny."

RE: Die Boulevardangestellten | 19.01.2012 | 09:06

P.S.
Ich sehe gerade: das "nur" nach "kopfschüttelnd" ist dort leider zu viel des Guten.

RE: Die Boulevardangestellten | 19.01.2012 | 09:04

Entschuldigen Sie, Lieber Herr Dell, das waren zu viele Schritte auf einmal für mich. Wie kann ich mir die von Ihnen angesprochene Sendung ansehen? Muss ich dafür erst einen Fernseher erwerben?

Ach ja, und wo wir gerade dabei sind, habe ich noch eine Frage an Sie: sind Sie sicher, dass sie hier nicht im Deckmantel einer nichtkonformen kritischen Sicht auf Medien Triebabfuhr betreiben und Ihr Text eventuell nicht mehr sein könnte als ein verzweifelter Versuch, die Freude, die Sie beim gucken der oben genannten Sendung wahrnehmen - die Sie im Innersten jedoch erfolgreich als Perversion identifizieren -, zu rechtfertigen?

Zu dem Argument, der "Reiz entfalte sich in der Erzählung", kann ich Ihnen als Psychologe nur kopfschüttelnd nur das Experiment nahelegen, sich mal mit der Hypothese zu beschäftigen, ob es denn überhaupt irgendetwas gäbe, was bei einer Betrachtung, die nur lange genug erfolgt, keinen Reiz entfalte. Ich fordere Sie sozusagen indirekt dazu auf, Ihr Dschungelcamp erst einmal gegen ein Placebo zu testen, wie es sich zumindest in der Wissenschaft gehört. Vielleicht führt Ihre kleine Reise dann auch zu einem Phänomen, was der Mensch makabrerweise Stockholm-Syndrom getauft hat.