Achtermann

Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
Achtermann
RE: Sie werden gehasst | 23.03.2019 | 09:04

@ Jonah Jarvis

Statt hier ausfallend und beleidigend zu werden, wäre angemessener und der Sache dienlicher, wenn du auf die berechtigte Frage von iDog geantwortet hättest: Welche unbeliebten Reformen werden denn verhindert?

RE: Geringe Empathie | 22.03.2019 | 15:36

>>wer takt-volles/repektierliches verhalten fordert,

kann sich meist: abweichende haltungen nicht vorstellen.<<

s. meinen Beitrag an Rebellierender.

RE: Geringe Empathie | 22.03.2019 | 15:34

>>Und wer einen Gläubigen verhöhnt, der muss schon eine gewisse Selbstgerechtigkeit an den Tag legen.<<

Ich versuch mal selbstgerecht zu sein: Über die Stadt Bhuapur in Bangladesh, ein Land, dessen Hauptreligion der Islam ist (90%), las ich heute in der Zeitung von hohen Strafandrohungen für Barbiere, wenn sie ihren Kunden Haar- bzw. Bartschnitte verpassten, die sie "ausländisch" aussehen ließen. Von 400 Euro ist die Rede, die zu berappen seien, da westliche Moden die Jugend verderben könnten.

Liest sich mit Schmunzeln eine solche Nachricht. Sie ist ihrem Inhalt nach ziemlich barbarisch, wenn man dies auf Deutschland übertragen würde. Ein guter Moslem würde sofort den Einwand mit dem Kopftuchverbot bringen, das mindestens so barbarisch sei wie die Unterdrückung einer bestimmten Art von Haar- oder Barttracht. Das ist die Diskussionsebene, auf die man sich herablassen oder hinaufbegeben müsste.

RE: Geringe Empathie | 22.03.2019 | 09:20

>>Kann man diese Aussage nicht auch ein wenig anders lesen, wenn man dabei eher darauf abstellt, dass ein "selbstgerechter Nichtgläubiger ... den Glauben verhöhnt"?<<

Texte sind Auslegware. Wenn ein Glaubender einem Atheisten Selbstgerechtigkeit unterstellt, muss dies nicht zwingend der Fall sein. Ziemlich niemand wird sich als selbstgerecht bezeichnen. Gläubige sind m.E. schnell beleidigt, wahrscheinlich weil so viel Kindliches eine bedeutsame Rolle einnimmt (hl. Geist, Jungfrauengeburt, Auferstehung). Deshalb gibt es den Paragraphen der Gotteslästerung: Gemäß des § 166 StGb kann diese mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden, wer öffentlich oder durch Schriften religiöse oder weltanschauliche Bekenntnisse anderer beschimpft. Nicht verstanden bis heute habe ich, was religiöse Gefühle sind. Sie stellen sich bei mir nicht ein, vielleicht aus Mangel an Empathie.

RE: Geringe Empathie | 22.03.2019 | 09:06

>>Naja, Kleinrechnen...<<

Ja. Insbesondere wenn er zwei Zahlen gegenüberstellt: "Wir reden über etwas mehr als 400.000 türkische Staatsangehörige ... und in Deutschland leben knapp drei Millionen türkischstämmige Menschen." Da trickst er einiges zusammen: Er setzt türkische Staatsangehörige und türkischstämmige Menschen gleich und er bezieht bei den drei Millionen die Minderjährigen ein. Kein redlicher Vergleich.

Eine für konträre Position nimmt Serdar Somuncu (Stern-TV) ein, der seine türkische Staatsangehörigkeit zurückgegeben hat. Erdogan wirft er vor, sich in die deutsche Innenpolitik einzumischen, und wer für eine türkische Dikatatur stimme, hätte in Deutschland seinen Platz verloren. Das sind Äußerungen, die würde sich der gemeine Deutsche nicht trauen, aus Angst hat als ausländerfeindlich zu gelten.

RE: Geringe Empathie | 21.03.2019 | 19:39

>>Insgesamt vermittelt der Artikel eine befremdliche Sicht auf unsere Gesellschaft.<<

Das sehe ich ähnlich. Gerade auch deshalb, weil er mit Unterstellungen arbeitet, die sich der Autor aus den Fingern saugte. Etwa wenn er behauptet: "95 Prozent der deutschen Bevölkerung haben nach 20 Jahren Islamdebatte die These von der existenziellen Bedrohung durch fünf Prozent muslimische Mitbürger verinnerlicht." Es erstaunt, dass er mit solchen Argumenten bei der Freitag-Redaktion durchkommt.

Ein kurzer Blick auf den Ausgang des Referendums, mit dem sich Erdogan seine Macht verabsolutieren ließ, verdeutlicht die politische Einstellung der hier lebenden Türken:

"Die Menschen in der Türkei haben äußerst knapp mit etwa 51 Prozent für das Präsidialsystem gestimmt, das Staatschef Recep Tayyip Erdogan mehr Macht verschafft. In Deutschland hingegen fiel das Ergebnis sehr viel deutlicher aus. Nach vorläufigen Ergebnissen stimmten 63,2 Prozent der in Deutschland lebenden Staatsbürger für die Verfassungsänderung. Nur 36,8 votierten mit Nein, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu." (Der Spiegel)

In einem Fernsehinterview rechnet er dieses Ergebnis klein.

RE: Geringe Empathie | 21.03.2019 | 12:07

>>Es gibt auch nachvollziehbare rationale Gründe für Vorbehalte gegen den organisierten Katholizismus.<<

Das ist richtig. Das brauchen Sie mir nicht vorwerfen, dies nicht zu sehen. Schließlich war mein Bestreben, mich zum Inhalt des Artikels zu äußern, der m.E. die problematische Seite des Islam außer Acht lässt, um zu belegen, dass es einen "ideologischen Nährboden" des Muslimhasses in Deutschland gäbe, der mit dem "Gedankengut des Terroristen von Christchurch" identisch sei.

RE: Geringe Empathie | 21.03.2019 | 11:56

>>Sie wollen mich anscheinend mißverstehen. Wenn Sie meinen Kommentar bis zuende gelesen hätten, wären Ihnen meine kritische Haltung gegenüber religiösen Organisation (gleich welcher Ausrichtung) nicht entgangen.<<

Keineswegs will ich Sie missverstehen. Natürlich habe ich Ihren Einwurf zuende gelesen. Das gehört sich so, wenn man darauf antwortet. Dass Sie mit dem Einwand kommen, Sie hätten doch unterschieden zwischen Organisation und Gläubigen, wagte ich schon vorauszusehen. Aber: So einfach geht das nicht mit der Trennung zwischen Gläubigen und Organisation, wenn man dazugehört. Wer Ditib-ler ist, kann sich kaum glaubhaft von seiner Erdogan-Gefolgschaft distanzieren, indem er "sich gläubig zu einem Schöpfer bekennt", wie Sie das nennen.

Ihre Aussage, mit der Sie sich offenbarten, zeigt schön, wie Sie zwischen gut und böse unterscheiden:

>>Jeder Mensch, der sich gläubig zu einem Schöpfer bekennt, ist mir lieber als ein selbstgerechter Nichtgläubiger, der aus (pseudo)wissenchaftlichen oder sonstigen zusammengefriemelten Gründen den Glauben verhöhnt.<<

RE: Geringe Empathie | 20.03.2019 | 16:35

>>Jeder Mensch, der sich gläubig zu einem Schöpfer bekennt, ist mir lieber als ein selbstgerechter Nichtgläubiger, der aus (pseudo)wissenchaftlichen oder sonstigen zusammengefriemelten Gründen den Glauben verhöhnt.<<

Etwas blauäugig. Liegt vielleicht am Glauben an den Schöpfer. Mir fällt erst mal Ditib ein, der größte islamische Verband hierzulande. Von nicht wenigen wird er als verlängerter Arm Erdogans gesehen. Nicht umsonst haben einige Bundesländer die Zusammenarbeit auf Eis gelegt.

'Die Zeit' schreibt: "Vor allem das Verhalten der Ditib nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei, die Berichte um Bespitzelung von oppositionellen Deutschtürken durch den Verband hatten die Behörden alarmiert. Auch mit der überhasteten Eröffnung der Kölner Zentralmoschee durch Erdoğan im September 2018 hatte die Ditib sowohl die Kölner Stadtspitze als auch die Landesregierung gegen sich aufgebracht."

Leider geht der Artikel darauf nicht ein, dass es nachvollziebare, rationale Gründe geben könnte, weshalb Vorbehalte bestehen (können). So pseudo-naiv ohne politische Dimension die gläubigen Muslime in Deutschland darzustellen, grenzt schon an PR.

RE: Not the yellow from the egg | 18.03.2019 | 19:46

>>Der deutsche Bildungsbürger kennt Balladen aus dem 19. Jahrhhundert auswending. Damit kann er zeigen, dass er wenigstens während seiner Schulzeit nicht im Gemüseladen helfen musste.<<

Der Seehofer-Horst ist halt kein Bildungsbürger. Er kommt aus einer Arbeiterfamilie und machte die Mittlere Reife. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Amtsboten. Sein damaliges soziales und berufliches Umfeld hatten nichts mit einer anderen Sprache zu tun. Man sprach und sang rund um die Uhr bayerisch respektive deutsch. Kurzum: Einen Anlass, eine Fremdsprache zu benutzen, gab es nicht. Man kann ihm schlecht seine Sozialisation in der Nachkriegszeit vorwerfen.