Ich wollte Bankräuber werden

Finanztransaktionen Es war schon immer mein Wunsch, einmal ein erfolgreicher Bankräuber zu sein. Mit einem Überfall hätte ich es bewenden lassen. Doch zu ungerecht ist die Gesetzeslage.
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Seit früher Kindheit hatte ich den Wunsch, eine Bank zu überfallen. Rein ins Gebäude, Rucksack mit Geldscheinen gefüllt und wieder raus. Auch im Erwachsenenalter ist dieser Wunsch nicht verflogen. Ich hatte immer den Optimismus, es könnte klappen. Denn als Bankräuber und Einmaltäter mit bürgerlicher Existenz hätte ich die beste Tarnung. Die Polizei, vermute ich, würde mir nicht auf die Schliche kommen. Jede Zeitungsmeldung über einen gelungenen Banküberfall habe ich mit klammheimlicher Freude gelesen. Wieder hat's einer gepackt, ist von jetzt auf nachher zu einer unerwarteten Summe Geldes gekommen. So oder so ähnlich waren meine Gedanken.

Dass ich einen genialen Bankräuber abgeben könnte, glaubte meine Lebensgefährtin nicht. Ich könne nicht mal eine Pistole richtig in der Hand halten. Sie hielt mir immer die zu erwartende Strafe vor: Mehrere Jahre Knast, verbunden mit dem Verlust des Jobs und meiner einigermaßen gesicherten Existenz. Auch wenn ich nur 5.000 Euro erbeutet hätte, wären die Folgen gravierend, hätte der lange Arm des Gesetzes nach mir gegriffen.

Warum ich das erzähle? Seit einigen Jahren wird das skandalöse Verhalten der Bank-Manager transparent. Sie haben mit ihren Manipulationen und ihren Finanzprodukten, mit ihren Spekulationen und damit verbundenen Wetten auf die Währung ganze Staaten ins Rutschen gebracht. Viele Menschen wurden ins Unglück gestürzt, haben ihr Auskommen verloren oder sich in ihrer Verzweiflung das Leben genommen. Thttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/7/7b/Deutsche_Bank_logo_without_wordmark.svg/200px-Deutsche_Bank_logo_without_wordmark.svg.pngrotzdem werden die Bankangestellten, die diesen gesellschaftlichen Schaden verursacht haben, nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Gesetze sind so, als ob sie von den Oberen der Geldinstitute selbst niedergeschrieben worden wären. Anscheinend gibt es keine Handhabe gegen diese Verbrecher. Für den Betrug mit den Referenzzinssätzen, die Libor, Euribor und Tibor heißen und weltweite Auswirkungen auf alle übrigen Zinssätze haben, muss sich kein Täter vor irgend einem Gericht verantworten.

Die Banken als solche werden dafür ein wenig gerupft. Die Finanzakteure haben nichts zu befürchten. Der Geldexperte der Grünen, Gerhard Schick, sagte, die von der EU-Kommission verhängten Strafen von insgesamt 1,71 Milliarden Euro seien zu begrüßen. Die Bußgelder, meinte er, müssten aber hoch genug sein, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Viele Zeitungskommentatoren sehen das wie er. "Echten Schutz bieten Bußgelder, die kriminelles Verhalten zum Geschäftsrisiko werden lassen", schreibt etwa die Frankfurter Rundschau. Niemand kommt auf die Idee, dass eine konkrete Person, die kriminell gehandelt hat, für dieses Delikt in den Knast wandern müsse. Keine Staatsanwaltschaft ermittelt. Es passiert nichts, weil diese Taten als "Regelverstöße" verharmlost werden und die Gesellschaft diese Einschätzung wohl akzeptiert. So übt der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion Michael Meister nur eine Scheinkritik, wenn er als Antwort auf den Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, der die Geldbranche von der Politik ungerecht behandelt sieht, sagt: "Da immer wieder Regelverstöße der Banken bekannt werden, sollte man statt Politiker zu schelten lieber eine zurückhaltende Selbstkritik an den Tag legen."

So unterschiedlich ist das Bewusstsein, welches Verhalten als kriminell einzustufen ist. Nehmen wir an, der Unionspolitiker würde inhaltlich entsprechend zu einem Bankräuber, der wegen dieses Deliktes schon mehrfach in den Knast eingefahren ist, sagen: "Da immer wieder Regelverstöße von Ihnen bekannt werden, sollte man lieber eine zurückhaltende Selbstkritik an den Tag legen." Wahrscheinlich müsste er seinen Abgeordnetenstuhl räumen.

Ich selbst habe meinen Traum als Bankräuber ausgeträumt, weil meine Lebensgefährtin eine andere Idee hatte, möglichst schnell und ohne großen Aufwand zu einer doch nicht unerheblichen Geldsumme zu kommen. Einige Wochen nach ihrem Einfall war unser Bankkonto tatsächlich um 32.000 Euro gewachsen. In rund zwanzig Minuten hatte sie das Geld bei Günther Jauchs Sendung "Wer wird Millionär" mit dem Beantworten weniger Fragen "verdient". Radio Télévision Luxembourg hat diese Summe von seinen Werbeeinnahmen abgezweigt und, wie zugesagt, innerhalb einer Woche überwiesen. RTL gehört mehrheitlich zu Bertelsmann. Aber das ist ein anderes Abzockerthema…

10:12 08.12.2013
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Geschrieben von

Achtermann

Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
Achtermann

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