Wenn Berufsschreiber sich anbloggen

Kontroverse Wie zwei Journalisten Michael Angele (der Freitag) und Alexander Marguier (Cicero) sich öffentlich austauschen. Sie schätzen sich, hat man den Eindruck. Doch stimmt das?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das gibt es manchmal. Zu Beginn des letzten Jahres als Michael Miersch, Mitbegründer der Achse des Guten, sich verabschiedete, veröffentlichte er ein Ausstiegsblog und kehrte das Innere der Achse nach außen: "Gelassenheit und Distanz – zwei wichtige journalistische Tugenden – sind verloren gegangen." Er beklagte den Rechtsruck der Schreiber und Leser dieser Website. Dagegen habe er keine Kraft mehr anzuschreiben. Auch wenn Berufsschreiber sich anbloggen, kann sich ein Spalt für einen Blick hinter die Fassade des Journalismus öffnen.

Kürzlich veröffentlichte der Stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift Cicero, Alexander Marguier, einen Online-Artikel zu den Köln-Vorfällen, den der Stellvertretende Chefredakteur des Freitag, Michael Angele, auf Facebook etwas despektierlich kommentierte (Angele: "Da rastete ich aus und postete auf Facebook ein paar böse Zeilen.") Daraufhin lud man ihn ein, auf Cicero eine direkte Gegenrede zu verfassen. "Einen apokalyptischen Ton vernehme ich in Cicero häufiger…", schrieb Angele zurück. Denn Marguier hatte beispielsweise festgestellt: "Was in Köln passiert ist, kann nicht einmal mehr von den linksideologischen Willkommens-Medien und einem sich selbst gleichschaltenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk unter den Teppich gekehrt werden.“

Die Replik ließ Marguier nicht ruhen, denn in den Kontext des apokalyptischen Denkens wollte er sich nicht stellen lassen. Er konterte. Allerdings beschränkte er sich nicht auf das Sachliche, eine Tugend, die auch manchem Blogger zu fehlen scheint, wie wir immer wieder aus den Medien entnehmen können. So gab Marguier einen kleinen Einblick in das persönliche Verhältnis schreibender Berufskollegen: "Finden Sie es okay", fragte er, "dass Ihr eigener Verleger, Jakob Augstein nämlich, hinter meinem Rücken bei Cicero-Redaktionsmitgliedern Stimmung gegen mich machen will, weil ihm meine Ansichten nicht passen? (Sollten Sie ihm demnächst begegnen, so richten Sie ihm doch bitte aus, er könne sich auch direkt an mich wenden.) Und wie gefällt es Ihnen, wenn das Kulturmagazin eines öffentlich-rechtlichen Senders bei ehemaligen Kollegen anruft, um irgendwelche Ungeheuerlichkeiten über die vermeintlich rechtspopulistischen Umtriebe bei Cicero erzählt zu bekommen?"

Werden wir da nicht an unser eigenes Bloggerniveau erinnert? Aber lest selbst, wenn ihr wollt. Größtenteils geht es angestrengt sachlich zu, nahezu vorbildlich.

Artikel von Alexander Marguier: Der Kontrollverlust

Replik von Michael Angele: Die Apokalypse der Konservativen

Replik von Alexander Marguier: Kurze Antwort vom "Drecksblatt"

19:24 11.01.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Achtermann

Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
Achtermann

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