Wer macht die AfD so stark?

Landtagswahlen Die AfD wird als Partei der Rechten eingeschätzt. Ihre Wähler kommen jedoch aus dem gesamten politischen Spektrum
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Wer macht die AfD so stark?
Die NPD ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht in den Landtag eingezogen, viele iher Stimmen landeten bei der AfD

Foto: Sean Gallup/AFP/Getty Images

Laut der Analyse des ZDF hat die AfD von allen Parteien, ob als links oder rechts eingestuft, Stimmen eingesammelt. Von der SPD kommen 17 Prozent, der CDU 15 Prozent, den Linken 12 Prozent, den Grünen 3 Prozent, der NPD 16 Prozent, der FDP 3 Prozent und den Anderen 34 Prozent. Darunter ist der größte Anteil vormalige Nichtwähler.

Das Ergebnis stellt sich etwas anders da, wenn die Prozentanteile der gesamten Wählerschaft einbezogen werden, also nicht nur von den Menschen, die an der Wahl teilgenommen haben: Den größten Anteil stellen nach wie vor die Nichtwähler mit 38,4 Prozent, gefolgt von SPD mit 18,8 Prozent, AfD mit 12,8 Prozent, CDU mit 11,7 Prozent, Linke mit 8,1 Prozent, Grüne mit 3,0 Prozent, FDP und NPD mit jeweils 1,8 Prozent. Sonstige haben 3,6 Prozent von allen Wahlberechtigten erhalten.

Politische Überzeugungen, die jemanden an eine Partei binden, schwinden. Sonst könnte nicht eine Partei aus dem Stand zur zweitstärksten in einem Landtag emporsteigen. Die Wählerinnen und Wähler nutzen den Wahltag, den regierenden und politisch etablierten Parteien knallhart mitzuteilen, was sie von der praktizierten Politik halten. Dieses Mal ist es vornehmlich die Flüchtlingspolitik, die den Verliererparteien von SPD, CDU, Linken und Grünen Stimmenverluste einbrachte. Die Ursache dieser Angst vor dem Fremden liegt einerseits in der anderen kulturellen-religiösen Tradition der Migranten, aber auch in der eigenen prekären Lage, in der sich immer mehr Wählerinnen und Wähler gedrängt sehen. Laut den Umfragewerten der Forschungsgruppe Wahlen (siehe ZDF) waren für die Bürgerinnen und Bürger des Landes zwei Themen die mit Abstand wichtigsten: Arbeitsplätze und Zuwanderung. Die Arbeitsplatzsituation liegt in der langfristigen Politik des sozialen Abbaus begründet. Man fühlt sich unsicher. Die Hoffnung auf eine positive soziale Entwicklung der Gesellschaft geht weiter zurück. Die aktuelle Migrationspolitik verstärkt den negativen Blick in die Zukunft.

Dies spiegelt sich wider in Berufsgruppen, aus denen sich die Wählerinnen und Wähler der Parteien zusammensetzen (siehe ZDF): So wählten die SPD 28 Prozent Arbeiter und 33 Prozent Angestellte, die CDU 16 Prozent Arbeiter 19 Prozent Angestellte und die Linke 13 Prozent Arbeiter und 14 Prozent Angestellte, die AfD 27 Prozent Arbeiter und 18 Prozent Angestellte. Die Grünen und die FDP werden von diesen Berufsgruppen am wenigsten favorisiert. Die AfD ist die Partei, die nach der SPD bei den Arbeitern und Angestellten am besten angekommen ist. Demgegenüber haben die Linken in dem Arbeitermilieu ein überraschend dünnes Standbein, obwohl ihre Politikrhetorik gerade auf diese Klientel zielt.

Das Schema Links-Rechts ist an immer weniger Politikfeldern festzumachen. Obwohl laut amtlichem Wahlergebnis eine rot-rote Koalition möglich wäre, favorisieren die Sozialdemokraten wieder eine Regierungsbildung mit den Christdemokraten. Sie setzen auf das Weiterso.

09:40 05.09.2016
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Geschrieben von

Achtermann

Ich lass' mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen.
Achtermann

Kommentare 156

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