Fußball-Deutschland-Irrsinn

Ein Rundumschlag Bei diesem "Brief" geht es um wenige der vielen kleinen und großen "Unsauberkeiten" bis hin zum Irrsinn der Manipulationen, denen man in rund 80 Jahren ausgesetzt wird.
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Fußball - Deutschland - Irrsinn

kleine und große Unsauberkeiten

Ein Brief:

Lieber K.

als ich vorhin losgehen wollte, war der Himmel so schön rosig. Ich trat auf den Balkon, um das zu genießen, wurde aber mit Blitz und Knall begrüßt. Als es dann auch noch zu Gießen begann, hab‘ ich mich wieder ausgezogen und schicke nun wenigstens, wie versprochen, den Fußball-Text der geradezu zur Wetterlage passt.

Nichts habe ich gegen Fußball, und wenn ich mal mit Leuten zusammensitzend zuschaue, schreie ich auch mit. Wogegen ich viel habe ist, dass man Fußball zum nationalen Anliegen hochstilisiert und die eigentlichen gesellschaftlichen Widrigkeiten darüber vergessen macht.

Bei meinem diesbezüglichen Vorlesen habe ich diesen oder jenen, - was ich ja auch wollte, damit genervt, dass ich ein Dutzend Fußball-Zeitungsseiten, alle vom 14.6.12, nur Schlagzeilen vorlesend vorblätterte, darin kam natürlich fast nur Gomez vor, bejubelt, klar.

Aber was ich mir nach dem Auftritt von jemandem anhören musste, der auch Lesungen organisiert, irritierte mich schon sehr: „Das Einzige, was von meinem Text zu verstehen sei, ist, dass ich etwas gegen Gomez hätte“. Das ist eine mir unverständliche Fehlinterpretation. Bei einer weiteren Lesung in einer Gruppe mit einem höheren Anteil von Mitbürgern aus unterschiedlichen Ursprungsländern waren es wiederum diese, die am positivsten reagierten, während eine Ursprungs-Deutsche den Raum verließ und hinterher darauf hinwies, dass sie stolz auf Deutschland sei. Peinlich das undifferenzierte Denken und die daraus resultierenden Fehlinterpretationen.

Der dunkelrote Faden bei dieser so bunten Mischung ist doch wohl der:

Es geht immer um Verdummung, um kleine oder große. Und die funktionieren immer noch am besten vor dem Hintergrund von "Brot und Spielen". Natürlich auch immer noch mit anderen Opiaten, wie z.B. mit den von vielen Glaubens-Institutionen ausgestreuten, die außerdem auch noch zur Festigung des Kadavergehorsams beitragen. Das sind Dinge, die mich zum Strampeln bringen und auch - nicht immer nur innerlich - mein Nervenkostüm vibrieren lassen.

Es geht also nicht darum, ob ich Deutschland liebe oder nicht, sondern nur darum, in welcher Form wir es erhalten können.

Und nun der Text ungestört, geschlossener:

Fußknall

Blättern mit Stichworten zu den gezeigten 10 Fußball-Zeitungsseiten bis Textteil 1

Ich glaube mein Schwein pfeift, also nicht mein Schweinsberger. Der ist nicht meiner. Nein, Glaube hilft hier auch nicht, was da pfeift, sind mein rechtes und mein linkes Gerät im Ohr. Ja, ein diesbezüglicher Geschäftsmann muss man sein und sich als solcher für den Fußball wichtig machen, dann kann man sich auch einiges leisten, z.B. die unfaire Behandlung von Kunden, einige sagen dazu sogar „versuchen über den Tisch zu ziehen“. Sie können die Behauptung prüfen, gehen sie in die betreffenden Geschäfte und schauen sie im Internet nach, es gibt nur hübsche Reklame in der weder eine Beschreibung der Fähigkeiten der zur Verfügung stehenden Geräte noch Preise vorhanden sind. (Verstoß gegen die Warenauszeichnungspflicht) Auf meine Beschwerde hin bekam ich zu hören: Bei uns geht es nur nach individueller Beratung. Meine Formel dafür: Mal sehen, was rauszuholen ist.

Es ist überhaupt interessant: Hörgeräte werden von den Kassen noch bezahlt, Brillen nicht. Das ist wohl auch gut so: Denn so verlieren wieder ein paar mehr den Durchblick. Die Hörfähigkeit aber muss erhalten bleiben, damit man allen einreden kann, dass alles so wie es jeweils der „Sozialstaat“ bestimmt, normal ist. Sozialstaat ist das Ding mit der Schwindsucht.

Gigant Gomez, sein Körper, seine Liebe, seine Wut, Seite um Seite. Gomez lässt uns tanzen. Geht vorsichtig mit ihm um, nicht, dass er mal davontanzt, weil er nicht so gut war und wir wieder eine Art unangemessenes „Staatsbegräbnis“ aushalten müssen.

Blättern 2x bis Textstück 2

Vor wenigen tagen starb Margarete Mitscherlich (es war von keiner Art „Staatsbegräbnis“-Annäherung zu hören). Sie veröffentlichte 1967 zusammen mit ihrem Mann Alexander die Schrift „Die Unfähigkeit zu trauern“ und veränderte damit die Bundesrepublik. U.a. beklagte sie seinerzeit: „Aus einer unter dem Nationalsozialismus rückschrittlichen, aggressiven - wandelten wir uns in eine apolitische konservative Nation. Alle unsere Energie haben wir auf die Wiederherstellung des Zerstörten bis zur Kücheneinrichtung hin konzentriert.“ (letzter Satz: Zusammenfassung in Anlehnung an die taz).

Was mag Frau Mitscherlich zuletzt gedacht haben bei immer geringeren Wahlbeteiligungen und unübersehbaren Werteverschiebungen.- Das seinerzeit unpolitische Verhalten war dann m.E. doch eher zu verstehen. Ein politisches Chaos herrschte mit Fremdbestimmung durch die Besatzer, mit Richtern, Politikern und Wirtschaftsleuten, die auch bei den Nazis schon unser Leben bestimmten. Einen Widerwillen erzeugten auch die Ungerechtigkeiten schon bei der Abwicklung der Währungsreform und danach immer wieder bei der staatlich geförderten Eigentumsbildung. Daneben hatte man die Vergangenheit „zu bewältigen“ (innerlich passierte da schon einiges) und dann auch die Entbehrungen zu überwinden, Hungern und Frieren, Eis in der Wohnung, Möbel verheizen, Hausrat gegen ein wenig zu Essen eintauschen. Das alles hat für etliche Jahre die anzustrebende Werteordnung verhindert. Ja, und wenn Frau Mitscherlich jetzt noch sähe, wie unsere Kanzlerin ihrem Amte unangemessen heftig Fußball bejubelt, was würde sie dann sagen. Ich meine: schön, dass die Kanzlerin sich so abreagieren kann, das schützt uns doch vor so etwas wie einem Falklandkrieg, oder doch nicht! Wo sind da die echten Werte?

Blättern, nächstes Zeitungsbild:

Niedlich: Beim Fußball hofft man noch auf Hilfe durch Beten.

Textstück 3 auf großem gefalteten Blatt

Jetzt zwischendurch mal ein Witz: Ein Mann kommt mit einem kleinen, in Decken gehüllten Hündchen zum Tierarzt und sagt, schauen Sie mal Herr Doktor, mein Hund, wie er zittert. Lassen sie mal sehen, sagt der Arzt. Diagnose: Das ist normal, der ist braun. Alle braunen Hunde werden noch zittern. So sahen die kleinen unbedeutenden Widerstände in der Nazizeit aus, selbst die höchst gefährlich. Bei den großen Widerständen packt man eine Bombe in die Aktentasche und geht erst 1944 zum Führer. Und das machte man sicher nicht wegen eines schlechten Gewissens, weil man das System an die 10 Jahre für Führer, Volk und Vaterland gestützt hatte. Dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, wurde zu der Zeit schon länger als Tatsache hingenommen. Und die „Helden“ der Gruppe, die nicht erwischt wurden, haben dann noch weiter gemacht. Kadavergehorsam sagt man dazu. In den letzten Kriegstagen im Mai 1945 kamen alleine südlich von Berlin etwa im Bereich Luckenwalde – Halbe noch an die 40.000 Menschen um; unter Ihnen mein Vater, der spät gefunden seit 1995 auf dem Friedhof in Halbe mit neun anderen in einem kleinen schwarzen Karton ruht.

großes Blatt auffalten, Textstück 4 auf kleinem Blatt

Und hier sehen Sie im Hintergrund eine zerfallene Sportanlage. Textzitat: Die Lust aufs Gewinnen die in mir tobt.- Darunter in den Farben der Bankengruppe Raiffeisen-/Volksbank: Jeder Mensch hat etwas, was ihn antreibt. Wir machen den Weg frei.- Dann soll man noch dem Hinweis folgend unter „was-uns-antreibt.de“ von mutigen Menschen und ihrem persönlichen Antrieb lesen. Nach dieser Ankündigung spricht der nächste Absatz von jemandem der noch mit 55 Jahren Lesen und Schreiben lernt. Ein Klick weiter ist die „Ernst-55 – Handschrift“ zu sehen, man kann sie runterladen und benutzen und soll für die Selbsthilfegruppe von Ernst spenden. So sind schon 7.500€ zusammengekommen sagen die Banken. Haben wir eigentlich diese Bankengruppe auch gerettet? Nur wenn ja, könnte man dieses billig absahnen von Werbung verstehen, denn die Banken sind dann ja logischerweise arm wie die Kirchenmäuse.

Die kommende Seite zeigt das Titelblatt einer Zeitung aus Belgrad. Da sind die sekundären Geschlechtsmerkmale der abgebildeten Dame größer als die Fußballspielerköpfe. Für mich ist das angemessen.

Zum guten Schluss noch ein „Liebesgedicht“ an diese Dame:

Ich liebe meinen Hund

Der ist so schön bunt

Du treibst es schön bunt

Aber bist eben nicht mein Hund

(Erstes Gedicht aus Zyklus „Liebesgedichte“, abgeändert)

AddiK

(Den Text hatte ich in etwas kürzerer Form als Erstes am 20.6.2012 beim "open mic" im „Das Kaminzimmer / SofaLoft (Hannover)“, gelesen)

Ja, lieber K. so ist das mit den unterschiedlichen kleinen und großen Unsauberkeiten.

Seinerzeit wurden auf der einen Seite uns Kindern damals die unfassbar grausamen Bilder aus den Konzentrationslagern vorgelegt und wir zu Mitschuldigen erklärt, was bei mir z.B. bewirkte, dass ich die Dusche bewusst zu heiß aufdrehte und mit anderen kindlichen Fehlreaktionen versuchte, Kompensation zu betreiben.

Auf der anderen Seite kamen Nazis in die höchsten Ämter und Wirtschaftsleute, die sich billig jüdisches Eigentum erschlichen hatten, erhielten ein Bundesverdienstkreuz, Raketen- und Autofachleute wurden hochgejubelt, obwohl sie viel zu der Kriegsmaschinerie beigetragen hatten. Bald wurde dann eine neue Umerziehung gestartet und Militärdienstverweigerer bestraft. Über so viel Irrsinn müsste man verzweifeln oder sich abgewöhnen noch irgendeine Leitfigur als normalen Menschen zu betrachten. Zu viele unter ihnen sind "Leid-Figuren", das bringen sie statt einer menschenwürdigen Ordnung.

Leute, die uns ihr unsoziales rechtsbeugendes Machtverhalten in Politik und Wirtschaft heute wieder zumuten, wären im Hinblick auf ein derartiges Verhalten in der Nazizeit nach dem Krieg nicht nur als Mitläufer eingestuft worden.

Lieber K., so ist das Leben. Aber sei froh, Du bist sicher noch viel, viel weniger als ich im bundesrepublikanischen Trott mitgetorkelt, was nicht daran liegt, dass Du einer späteren Generation entstammst, es kommt aus Dir selbst. Gut so!

Wegen Deiner nächsten Termine könnten wir uns vielleicht ja mal wieder bei mir treffen. Ich muss mich hier mal zusammenreißen und ein wenig Dreck rausschaufeln, auch wenn man das nur mit dem Äußerlichen schafft.

Liebe Grüße

AddiK

12:55 12.07.2012
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AddiK

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