Besuch in Barrandov

ZUM TODE EDUARD GOLDSTÜCKERS (1913-2000) Ich hatte ihn angerufen. »Kommen Sie,« hatte er gesagt, »ich werde am Donnerstag in der Klinik sein, doch ich hoffe, sie lassen mich für Freitag ...
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Ich hatte ihn angerufen. »Kommen Sie,« hatte er gesagt, »ich werde am Donnerstag in der Klinik sein, doch ich hoffe, sie lassen mich für Freitag wieder heraus.« Ich besuchte vorher Lenka Reinerova in der Pilsner Straße: er neige im Moment ein wenig zur Schwarzseherei, meinte sie, darauf solle ich mich ja nicht einlassen. Sie rief ihn noch einmal an, führte das Gespräch auf Tschechisch. Ja, er freue sich, sagte sie mir, aber er sei doch sehr schwach, ich solle bei Fräulein U. klingeln. Er wohnte in Barrandov, wo auch die Filmstudios sind, in einer Siedlung von Betonhochhäusern, einmal gebaut für Re-Emigranten, nicht allzu hässlich, auf dem Hügel, mit Blick ins Grüne. Ich war etwas spät dran, auf mein Klingeln schien