Der Krise zum Trotz – oder?

Medientagebuch Frankreich hat eine neue Zeitung: "L'Opinion". Es ist die erste Neugründung seit fast 20 Jahren. Doch Skepsis ist angebracht, ob der Titel die Medienlandschaft bereichert
Ausgabe 21/2013

Französische Zeitungsleser konnten vergangene Woche an den Kiosken eine Neuheit in Augenschein nehmen: L’Opinion (auf Deutsch: Die Meinung). Die Tageszeitung, die einen Umfang von acht bis zwölf Seiten hat, erscheint von Montag bis Freitag und kostet im Einzelbezug 1,50 Euro. Neben der Printausgabe gibt es auch ein digitales Abonnement. L’Opinion wird fürs Erste an 8.000 Zeitungsständen in Paris und in den großen Städten Frankreichs verkauft.

Das letzte Mal, dass eine neue Zeitung in Frankreich in Druck ging, war vor knapp 20 Jahren: 1994 erschien die Erstausgabe der Tageszeitung Info-Matin. Der Preis damals: drei Francs. 1996 wurde das Blatt aus Kostengründen wieder eingestellt.

Den Printmedien in Frankreich geht es heute nicht besser. Obwohl die Presseerzeugnisse zwischen 2009 und 2011 laut Rechnungshof mit fünf Milliarden Euro subventioniert wurden und ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von 2,1 Prozent gilt, sind Anzeigen und Auflagen in den letzten Jahren kontinuierlich geschrumpft. L’Opinion stemmt sich gegen diesen Abwärtstrend. Es sei ein „optimistisches Signal an alle, die glauben, dass Printmedien wichtig sind“, schreibt Chefredakteur Nicolas Beytout im Editorial der ersten Ausgabe. Über eineinhalb Jahre hat der einstige Chefredakteur von Les Echos und Le Figaro die Publikation mit seinem Team minutiös vorbereitet. In den nagelneuen Redaktionsräumen im vornehmen 16. Pariser Arrondissement herrscht ein Aufbruchsgeist. Die Redaktion besteht aus gut 20 Journalisten. Beytout setzt auf eine flache Hierarchie. „Kein stellvertretender Chefredakteur, kein Ressortleiter – nur Journalisten, die ihre Arbeit machen“, sagte er der Gratiszeitung Metro. L’Opinion hat sich ein „liberales, europäisches und prowirtschaftliches“ Leitbild auf die Fahnen geschrieben. Die Artikel decken die Bereiche Politik, Wirtschaft und Internationales ab. Die erste Ausgabe kommt schlicht und unaufgeregt daher: vier Spalten, übersichtliche Texte, wenig Bilder, viel Weißfläche. Dass L’Opinion überhaupt als gedruckte Ausgabe erscheint (im Gegensatz zu rue89 oder Mediapart), liegt daran, dass Print nach Einschätzung der Redaktion mehr Werbeeinnahmen generiert als eine reine Internetzeitung.

Allein, wer die Zeitung besitzt, ist nicht klar. Fakt ist, dass Chefredakteur Beytout zehn Prozent am Kapitalstock hält. Die anderen Aktionäre der Holding Bey Medias sind unbekannt. Für den Journalisten Jean Stern besteht hier ein Transparenzproblem: „Seit den Verordnungen von 1944 müssen die Eigentümer der Zeitungen bekannt sein. Das System der Holding erlaubt es, die eigentlichen Aktionäre der Pressetitel zu verdecken“, sagte er gegenüber dem Radiosender France Info. Es wird spekuliert, dass der milliardenschwere Unternehmer Bernard Arnault, Besitzer von Les Echos und dem Luxuskonzern LVMH, mit sechs Millionen Euro Kapital eingestiegen ist.

Die undurchsichtige Eigentümerstruktur lässt bezweifeln, dass mit L’Opinion wirklich ein Wandel in der Medienlandschaft eintritt. In Aufmachung und Inhalten jedenfalls hebt sich die neue Tageszeitung bislang kaum vom Wirtschaftsblatt Les Echos ab. Das optimistische Signal könnte sich am Ende als Blendgranate erweisen.

Adrian Lobe ist freier Journalist und lebt derzeit in Paris

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