Heinz Eggert im Interview zum Thema: Sterben

ehm.Innenminister Sachsen Zur Person:Heinz Eggert, Jahrgang 1946, ehemaliger Innenminister des Freistaats Sachsen & ehrenamtlicher Mitarbeiter in der Hospizarbei
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Was ist die größte Herausforderung an der Arbeit mit todtkranken, sterbenden Menschen?
Sich seiner eigene Sterblichkeit bewusst zu sein und zu wissen das Sterben zum Leben und nicht zum Tod gehört.
Welche Chance ist gegeben, wenn man bewusst erfährt, dass einem selbst noch eine sehr begrenzte Zeit zum Leben bleibt?
Es ist die letzte Chance bewusster Kommunikation. Was in dieser Zeit nicht mehr gesagt wird, wird für immer ungesagt bleiben. Es ist zeitlich gesehen die letzte Möglichkeit noch Dinge des Lebens zu ordnen, die bis dahin ungeordnet waren.
Welche Erfahrungen, Sorgen, Gefühle erfährt ein Sterbender?
Diese Frage kann nur ein Sterbender beantworten und die Antwort wird jedesmal eine andere sein. Aber allen ist die Hoffnung gemein, nicht unter großen Schmerzen und ohne menschliche Anteilnahme sterben zu müssen. Die Angst vor der Einsamkeit im Sterben verbreitet die größte Furcht.
Wie wichtig ist ein Glaube an ein Leben nach dem Tod bei Sterbenden?
Unabhängig vom Glauben ist die Hoffnung immer , ausgesprochen oder unausgesprochen, allgegenwärtig. Wer die christliche Bildersprache kennt hat es etwas einfacher. Er kann diese tröstlichen Bilder, in einer Zeit, in der oftmals die Worte versagen, wie selbstverständlich für sich verwenden, weil er ihre Aussagen kennt.
Wie können Angehörige von einem Sterbenden lernen?
Der Tod des anderen kann bei vielen namenlose Ängste freisetzen. Sich mit diesen Ängsten ganz bewusst auseinander zusetzen, ist ihr Arbeitsgebiet angesichts des Todes, um einmal darauf vorbereitet zu sein, und nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht selbst in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Mit diesen Bemühungen kommen wir wr immer weiter -aber nie ans Ende.
Die Einsichten von Heinz Eggert in ein immer wieder tabuisiertes Thema sollten ermutigen, dass wir uns mit einer tiefgründigen Nüchternheit dem Lebensabschnitt widmen, der jedem von uns irgendwann bevorsteht. Der Tod, das Sterben, das Vergehen beginnt bei jeder Geburt, bei jedem Neuanfang. Es folgt dem Leben bis zum letzten Atemzug. Bis zum letzten gesagten, oder geschriebenen Wort.
Herzlichst
Euer Adam Worozanski
16:43 24.04.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Prominent & Rat

In diesem Blog geben Personen des öffentlichen Lebens Rat an all jene, die eine andere Perspektive auf ihrem Lebensweg gewinnen wollen.
Prominent & Rat

Kommentare