Angelina Gazquez

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: Den Daumen hoch | 05.12.2014 | 17:07

Seit dreissig Jahren in bzw. nah der Schweiz lebend, bin ich grundsätzlich froh über den Ausgang des Ecopop-Votums. Wenn ich mir aber die stimmungsmässige Entwicklung zu verdeutlichen versuche, die ich in den dreissig Jahren beobachtet habe, so erlebe ich in der Schweiz ähnlich wie in vielen andren Weltgegenden eine deutliche Zunahme an Nationalismus und an Ressentiments, besonders gegen Deutsche. Was ich auch sehr deutlich sehen kann, ist die beklagte Bevölkerungsdichte. Die Schweiz ist in weiten Teilen kein schönes Land (mehr) sondern total verbaut und zersiedelt. Natürlich heisst dicht bauen nicht zwangsweise hässlich bauen, aber Schönheit findet man hier nur in den Bergen oder den Altstädten. So gibt es in der Ecopop-Initiative durchaus emotional nachvollziehbare Facetten - auch für mich als "chaibe Usländr". Ecopop ist zwar gescheitert, scheint mir aber eher am Anfang als am Ende zu sein. Der erlebte Dichtestress ist eben real, solange man in Nationalstaaten und Grenzen denkt.

Die Ecopop-Initianten geben sich also völlig rational, wollen oder können aber anscheinend die erlebte Problematik nicht zu Ende denken. Denn wenn man sich fragt, warum so viele Menschen in die Schweiz wollen, so liegt es wohl kaum am Klima oder der landschaftlichen Schönheit, sondern in allererster Linie am verhältnismässigen Wohlstand, an einer guten und einfachen Steuerpolitik und an weit überdurchschnittlichen Einkommensverhältnissen.

Nun ist dieser Wohlstand ja wohl auch und vor allem darin begründet, dass die Schweiz seit sehr langer Zeit ein sicherer Hort für sehr grosse Vermögen ist, der durch Neutralität noch jedem Krieg etwas abgewinnen konnte, mit dem es sich sehr profitabel wirtschaften lässt. Das, kombiniert mit einer regelrechten Genialität in Finanzfragen, ist wirklich ungeheuer anziehend.

Das Geld ist natürlich jederzeit willkommen, nicht aber der Effekt, dass es Menschen von überall her anlockt. So wie insgesamt in unserer Festung Europa.

Das ist m.E. ein Zusammenhang, den die Ecopops (so wie viele andere) nicht sehen wollen. Sie stellen die Schweiz und die Schweizer wohlfeil als Opfer dar, dass sich jetzt endlich wehren muss und sehen nicht, dass sie den jetzigen begehrenswerten Wohlstand wohl kaum als urchige Bergbauern erreicht hätten.

Unglaublich vermessen und zugleich nachvollziehbar war und ist allerdings der Ecopop-Ansatz der Bevölkerungskontrolle. Denn ich kenne kein Land, in dem ich mit meinen fünf Kindern so geringschätzig(oder schlimmeres) angeschaut werde wie in der Schweiz. Noch schlimmer als in Deutschland! Woher das kommt, habe ich bis heute allerdings nicht verstanden.

RE: Wohin aber gehen wir | 03.12.2012 | 22:21

Vielen Dank fürs Lesen, Mitdenken und Kommentieren. Ich merke, dass vieles noch unausgegoren ist; ich glaube, nicht nur bei mir. Schön wäre es, wenn jeder bereit wäre, seine eigenen Gedanken und Meinungen anhand anderer Ansichten zu hinterfragen. Ich mach mich mal auf den Weg. lg