Derivate und Futures

Wetten Spekulation Was steckt dahinter ? Wie funktionert das ?
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Historisch: Bauern sicherten sich gegen Preisschwankungen ab.

Bei guten Ernten fielen die Preise und kleine Bauern verdienten nicht genug Geld zum Leben, mußten Saatgut verkaufen oder Schulden machen. Deshalb verkauften sie gewisse Mengen im Voraus: auf Ziel, wie man heute sagt, oder Futures. Ein Händler verpflichtete sich im Januar, im Herbst eine gewisse Menge an Getreide zu einem gewissen Preis zu kaufen. Bei guten Ernten machte er Verlust, bei schlechten Gewinn. Der Bauer ist gesichert.

Klingt ganz gut. Sieht man es sich aber genauer an, zeigt sich: alles hat seinen Preis.

Natürlich wußte der Händler um die durchschnittlichen Erntemengen über längere Zeiträume, solche Information macht wenig Arbeit und bringt viel Gewinn. Da er die Macht hat, muß der Bauer so billig verkaufen, daß der Händler im Durchschnitt seinen Reibach macht. Ausweg wäre eine Genossenschaft wie die ursprüngliche Raiffeisenbank gewesen. Aber so war es halt. Eine gewisse Sicherheit wurde trotzdem erreicht. Das Finanzbuch bietet solche Analysen natürlich nicht an.

Der Begriff Wette ist eigentlich fehl am Platz, es ist eine Absicherung, ein Ausgleichsgeschäft.

Ein weiterer Nachteil liegt im System: bei schlechten Ernten kann der Bauer mit seinem Restgetreide selber Gewinn machen, aber er hat ja selber wenig. Bei guten kann er mehr dazu verkaufen, was aber weniger bringt. Ein sicherer Getreidespeicher würde auch Abhilfe schaffen, aber die Möglichkeiten waren damals begrenzt, für die kleinen Bauern sowieso. Je mehr man nachdenkt, desto öfter sieht man, wie Macht immer mehr Macht macht, und wie Armut und Ohnmacht sich selber erhalten, egal wie schlau man wäre.

Ein weiteres Beispiel aus dem Buch: ein Goldschmied hat den Auftrag, in einem Jahr Goldschmuck zu liefern, zu dem er für 100.000 Euro Metall braucht. Er fürchtet steigende Preise: also muß er es jetzt kaufen. Dann entgeht im der Zins fürs Geld, und er muß es sicher lagern. Er bietet ein Future an: kaufe in 10 Monaten eine feste Menge Gold zu diesem Preis: vielleicht macht es jemand. Oder er sucht nach Anbietern. Es gibt einen großen Markt für fast alles, in der Zukunft.

Weiteres Beispiel aus dem Buch: man kann Wetten auf Temperatur abschließen. Ein großer Eisproduzent stellt fest, daß er mit jedem Grad Durchschnittstemperatur unter dem Mittel 100.000 weniger Umsatz im Sommer macht. Ein Reiseanbieter hat umgekehrte Sorgen: jedes Grad über der Durchschnittstemperatur kosten ihn 100.000 Umsatz, weil zu wenig Leute ins Warme fliegen. Also machen sie einen Deal: je nach gemessener Temperatur zahlt einer an den anderen. Es bleibt natürlich das Risiko von unüblichen Kaufverhalten, aber das wiegt nicht so stark wie die sichere gleichmäßige Rendite.

Es muß aber klar sein, daß es keine Gewinne aus dem Nichts gibt. Einer muß das Geschäft anbieten, der andere muß es annehmen. Wenn keiner auf ein Angebot eingeht, geschieht nichts. Insgesamt ist es immer ein Nullsummenspiel: es entsteht kein neues Geld, es wird nur hin- und hergeschoben. Der Vorteil entsteht mittelbar durch sicherere Kalkulationen.

Problematisch ist dieser Markt auf dem Rohstoff- Lebensmittelsektor. Da viel mehr Geld als Ware existiert, sind Spekulanten immer auf der Suche nach Rendite. Sie könnte Ernten vorzeitig aufkaufen und dann einfach teurer verkaufen, oder nicht liefern, also erpressen. Es besteht das Risiko, daß die, die an arme Länder liefern, nicht mehr rauspressen können. Dann verhungern die Leute, aber der Spekulant hat Verlust. Es kann aber auch sein, daß einfach alles aufgekauft und, um einen Zahlenwert als Beispiel zu nehmen, um 10% teurer verkauft wird. Da müßte man aber genauere Untersuchungen anstellen. Wie gesagt, kaufen hilft nichts, wenn man es nicht teurer weiter verkaufen kann. Und wenn man zu teuer anbietet, kommt Konkurrenz zuvor und macht das Geschäft billiger.

Der Name Derivate rührt daher, da Handelsgut und Geldwerte entstehen, die von anderen Werten abgeleitet sind.

Kommen wir nun zu den Futures auf Finanzprodukte. Hier entstand wohl der Ausdruck Wetten. Es gilt hier aber auch: jede Wette braucht einen, der dagegen wettet. Es gibt Märkte, sogenannte Terminbörsen, auf denen solche Angebote gemacht werden, die man wahrnehmen oder übergehen kann. Man kann auch selber welche machen. Es entsteht aber nie Geld aus dem Nichts, der Gewinn des Einen ist der Verlust des anderen.

Man kann also festlegen, zu bestimmten Zeiten gewisse Aktien, letztlich aber wirklich alles, zu einem bestimmten Preis zu kaufen, oder zu verkaufen.

Einer bietet an: in 8 Monaten 10.000 BMW-Aktien um 2% über den jetzigen Preis zu kaufen. Ein anderer nimmt an. Sind die Aktien dann mehr wert, hat der zweite verloren, sonst der erste.

Hier gibt es ein spezielles Phänomen: man kann das Geschäft auch rein auf den Preis abschließen, ohne die Aktien wirklich zu besitzen. Denn wenn man Aktien auf Vorrat hält, wird Geld gebunden, und das bedeutet Zinsverluste. Also können zwei Händler den Deal machen, und je nach Kurs wird dann gezahlt, als ob die Aktien gehandelt würden. So kann man prinzipiell, gerade bei kleinen Unternehmen, mit mehr Aktien spekulieren, als es überhaupt von dieser Firma gibt.

Dann gibt es aber auch unbemerkte Wetten. Ein Börsenunternehmen, das für andere Leute oder Firmen Aktien handelt oder hält, hat diese Möglichkeit.

Man nehme an, im Auftrag eines Kunden kauft das Unternehmen für eine Million Aktien einer Autofirma, mit dem Geld des Kunden. Der Unternehmer ist der Meinung, daß diese Aktien fallen werden. Dann verkauft er sie und kauft einfach andere, die er profitabler hält. Angenommen, diese Aktien verlieren um 10%, die gekauften Alternativen gewinnen 5%. Der Kunde sagt zu seinem Börsenmakler, er soll die Autoaktien verkaufen, um weitere Verluste zu vermeiden, und will die 900.000, die sie noch wert sind. Dann verkauft der Makler für 900.000 von den Aktien, die er wirklich gekauft hat, und hat 15% Gewinn gemacht.

Täuscht er sich aber, und die andere Aktie verliert mehr, oder die Autoaktie steigt doch, dann hat er Pech gehabt.

Ich schrieb diesen Beitrag zu dem BlackRock-Blog von Christine Quindeau, weil sie dort von Wetten und Gewinnmöglichkeiten auf den Finanzmärkten sprach.

https://www.freitag.de/autoren/christine-quindeau/die-zersetzung-des-geldes-macht-im-schatten#1391558376107728

19:21 05.02.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

alalue

In einer Demokratie darf jeder so blöd sein wie er kann
alalue

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