Die Diktatur des Kapitalismus

Konsumterror Kampfansage Sich dem Konsumzwang zu entziehen scheint für die meisten Menschen eine unlösbare Aufgabe, dabei gibt es neue Methoden anstelle vom Totalverzicht.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wir leben in einem nie geahnten Überfluss an Dingen, dem man sich kaum entziehen kann. Das macht sich gerade in der Elektronikbranche bemerkbar: Wir haben meist mehrere Fernseher, einen Laptop, ein Tablet, ein Smartphone, und vieles mehr. Wer die neusten Produkte nicht besitzt oder besitzen will, gehört einfach nicht dazu. Unter diesem Diktat leidet, meist unbemerkt, besonders die Generation Y, welche in den sozialen Medien täglich short Clips, News und Stories sieht, die von Werbung umgeben sind oder sie in maskierter Form sogar zum Inhalt haben. Allmählich setzt jedoch ein Umdenken ein und viele Jugendliche probieren es wenigstens ab und an mit einer „digitalen Diät“. Doch wenn wir ehrlich sind, müssen wir befürchten, dass ihre Freiheit meist nur die „Freiheit des Marktes“ ist und sein wird. Der Neoliberalismus hält seine Kinder fest umklammert. Wir sind frei, Dinge zu kaufen und so ein vermeintlich besonders gutes Leben zu führen. Dass diese Freiheit gleichzeitig einen Zwang erzeugt, wird immer mehr Menschen schmerzlich bewusst. Wer sich nicht selbst optimieren will, wer vielleicht krank oder weniger leistungsfähig ist, der ist natürlich auch „selbst schuld“.

Keine Kreislaufwirtschaft

Diesem Phänomen kann man sich nur von mehreren Seiten nähern und sollte nicht erwarten, es von heute auf morgen lösen zu können. Wie dringlich es jedoch ist, zeigt die Welt selbst, indem sie dem modernen Menschen die Folgen seines Handelns vor Augen führt. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Insektensterben sind hier die Schlagwörter. Die Wirtschaft beutet die natürlichen Ressourcen aus. Sie ist keine Kreislaufwirtschaft, wie die Natur es vormacht, sondern lebt von Produktionsprozessen, die stets einen Anfang und ein Ende haben. Es ist unvernünftig, unzählige Dinge zu produzieren, die nur um des Kaufen willens gekauft werden, um am Ende auf einem giftigen Abfallberg zu landen.

Wie vermeide ich es, noch mehr elektronische Geräte anzuhäufen?

Auch wenn wir wissen, dass die vielen Dinge ihre Schattenseiten haben, möchten wir natürlich trotzdem nicht auf ihre Annehmlichkeiten verzichten. Das müssen wir aber auch nicht, denn je pfleglicher wir mit unseren vorhandenen Geräten wie dem Handy, PC oder TV umgehen, umso länger ist ihre Lebensdauer. Dann müssen wir nicht alle zwei Jahre oder noch häufiger ein neues Modell kaufen, sondern können dieses oftmals noch viel länger nutzen. Mit einer Handyversicherung wie beispielsweise diese, die im Fall der Fälle auch Reparaturen bezahlt, wird die Anschaffung eines neuen Smartphones noch weiter hinausgezögert. Das schon die Umwelt und den Geldbeutel.

Sharing Economy als Alternative

Wir können natürlich einen großen Schritt zurück machen und aus dem Hamsterrad aussteigen, so gut es geht. Das funktioniert für einen Stadtmenschen in einer Mietwohnung nicht wirklich gut, denn er müsste sein ganzes Leben umkrempeln, wozu die meisten Menschen nicht bereit sind. Wir können jedoch auch sehr ernsthaft darüber nachdenken, welche Dinge wir wirklich brauchen und welche wir uns mit Nachbarn und Freunden teilen können. In einer Ökonomie des Teilens müssen wir die Dinge nicht mehr alle ressourcenintensiv selbst kaufen, warten und pflegen. Das Schönste an dieser Lebensweise ist jedoch, dass die Menschen dadurch wieder Gemeinschaften bilden.

Das Teilen lässt sich auch auf die elektronischen Geräte anwenden. So kann man beispielsweise, wenn man doch irgendwann ein neues Smartphone will, sicher noch jemanden finden, der Interesse an einem gebrauchten und dafür günstigeren Handy hat, etwa im Familien- oder Freundeskreis. So landet das Smartphone nicht im Elektromüll, sondern wird weiterverwendet.

Bewusstes Konsumieren

Wer aktuell keine Möglichkeit sieht, ein wenig mehr Shared Economy in seinem Leben zu etablieren oder noch „etwas mehr“ tun will, der überdenkt sein Konsumverhalten gründlich und beginnt, bewusster zu konsumieren. Dafür ist es nötig, sich einige Fragen zu stellen, zum Beispiel: Brauche ich das wirklich? oder: Wie oft und wie lange werde ich das benutzen?

1. Viele Konsumwünsche sind spontan und werden von der Werbung oder von Freunden und Kollegen beeinflusst. Schreibt man sich die Wünsche zunächst einmal auf (und widersteht dem großen „Heute im Angebot“ Schild), wird man häufig nach wenigen Tagen feststellen, dass der Wunsch bereits verflogen ist.

2. Einkaufen sollte man am besten stets mit einem Einkaufszettel. Das erfordert einerseits einiges an Planung und zudem Selbstdisziplin.

3. Gebrauchte Dinge sind einfach toll! Durch den Überschuss an Produkten sind viele gebrauchte Teile in einem hervorragenden Zustand, weil sie lange vor Ende ihrer eigentlichen Nutzungsdauer abgegeben werden. Besonders der Kauf gebrauchter Kleidung ist eine kleine Rebellion gegen die Fast Fashion Industrie, die auf Mensch und Umwelt eine besonders zerstörerische Wirkung hat.

4. Am besten kauft man Dinge von hoher Qualität, die das Potenzial haben, auch besonders lange zu halten. Die von der Industrie geplante Obsoleszenz macht das zugegebenermaßen etwas schwierig, weil die meisten Dinge so produziert wird, dass sie eher früher als später kaputtgehen. Wenn Plastik auf Metall trifft oder wärmeempfindliche Bauteile in der Nähe einer Wärmequelle montiert werden, dann halten die Geräte eben nur eine kurze Zeit. Wer sich informiert und bewusst konsumiert, kann das zumindest teilweise umgehen.

Fazit:

Achtsames Konsumieren und Teilen führt zu einem bewussten Umgang mit den gegebenen Ressourcen, seien es die der Umwelt oder die eigenen. So kann man sich wenigstens zum Teil der Diktatur der Dinge entziehen, die der Motor der neoliberalen Industrie ist.

01:56 29.09.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

Kommentare 7

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar