Eigenwilligkeit schadet nicht!

Internetkonformismus Im Austausch auf Sozialen Medien wird sehr häufig eine einheitliche Meinung vertreten. Die Digitalisierung macht auch hier nicht halt.
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Dies dient der Einbindung in eine Gemeinschaft, hierbei ist die Informationsvermittlung teilweise in den Hintergrund geraten. Um die Zugehörigkeit zu einer Gruppe auszudrücken werden überwiegend die von der Gruppe vertretenen Ansichten wiederholt. Auch dank der Digitalisierung haben nun viel mehr Menschen Möglichkeiten sich schnell auszutauschen. Fast jeder verfügt über ein Handy mit Internetzugang, also eine Option sich immer und überall auszudrücken. Dass das erst der Anfang ist zeigen diese Neuentwicklungen am Technikmarkt. Natürlich ist es möglich auch kontroverse Thesen anzubringen, jedoch ist dies meist mit einem gehörigen Aufwand verbunden. Dies ergibt sich aus der Tatsache, dass einer Minderheitenmeinung mit Argumenten untermauert werden muss, um in der folgenden Debatte nicht entblößt zu werden. Eine ausführliche Recherche ist mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden, sodass die Mehrheit sich solch eine Eigensinnigkeit nur bei deren Lieblingsthemen leisten kann. Lieblingsthemen in diesem Zusammenhang beschreiben Themen bei welchem die jeweilige Person ein großes Wissen oder eine große Leidenschaft hat.

Digitalisierung schreitet voran

Folgend ein Beispiel, welches diese Problematik der Digitalisierung näher beschreibt. Ein analoges Gespräch eines Pärchens mit einer dritten Person drehte sich um Äußerungen der Verteidigungsministerin und Parteivorsitzende der CDU Annegret Kramp-Karrenbauer (kurz: AKK) zur Ehe für alle. Das lesbische Pärchen hielt dabei AKK für eine hervorragende Politikerin und ihre Aussagen nicht sonderlich schlimm in Bezug auf die Ehe für alle. Vor dem Hintergrund der Aussagen in den Gruppen der sozialen Medien irritierte diese Aussagen die dritte Gesprächspartnerin, obwohl Sie die Meinung des Pärchens teilte. Sie wurde durch die einstimmige Meinung in den sozialen Medien, dass AKK homophob sei, beeinflusst. Dieser Konsens in der Gruppe wurde nicht hinterfragt.

Ein weiterer eklatanter Unterschied zwischen einem Meinungsaustausch, der online oder analog stattfindet, ist das Fehlen weiterer kommunikativer Elemente. Bereits Platon beschrieb diese Problematik, bei der Herauslösung von Wörtern aus ihrem Zusammenhang. Dies wird deutlich, da in einem Gespräch viele Elemente die Kommunikation bereichern, wie beispielsweise die Gestik, Mimik, Kleidung, etc. Weiterhin besteht die Möglichkeit Antworten auf die kommunikativen Elemente des Gegenübers anzupassen. Diese situative Gesprächsführung ist nicht in Schrift möglich. Auch die Emojis können diese Ebenen der Kommunikation nicht ersetzen.

Änderungen in der Arbeitswelt und Gesellschaft

Daraus ergeben sich in Verbindung mit der Digitalisierung jedoch vielfältige Probleme für unsere Gesellschaft und für uns als Personen. Debatten ohne eine Mindermeinung oder Gegensätze sind langweilig und bringen uns nicht weiter. Es braucht Kontroversen, um Gedanken weiterzuentwickeln und nicht oberflächlich das Thema zu diskutieren. Hierfür sind neben Zweifeln und anderen Meinungen auch spontane Einwände wichtig, diese machen eine Diskussion erst interessant. Der Umgang mit solcher Eigenwilligkeit sollte jedoch entsprechend auch tolerant und entspannt sein, da ansonsten ein Konformismus im Denken und in den Meinungen entsteht, welcher ungesund für unsere Gesellschaft ist.

Um dies zu erreichen müssten zunächst auch bereits bekannte Probleme im Online-Austausch gelöst werden. Dies betrifft "Shitstorms", "Fake-News", "Hate-Speeches" und "Social-Boss". Die Verhinderung solcher negativen Einflüsse ist relevant für einen toleranten und gesunden Meinungsaustausch. Doch zuallererst kann der momentane Zustand durch jeden einzelnen und dessen Selbst-Reflexion und entsprechende Änderung beendet werden.

20:44 11.10.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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