EU-Daten weisen auf Umsatzsteuerbetrug hin

Cum-Ex 2.0? In der Cum-Ex Affäre wurde vor ein paar Jahren schon ein Umsatzsteuerbetrug in Milliardenhöhe nachgewiesen.
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Auch erstaunlich, dass nicht im größeren Umfang darüber berichtet wird, es geht schließlich um unglaubliche 307 Milliarden Euro. Die EU-Handelsdaten weisen auf großangelegten Umsatzsteuer-Betrug hin.

Deutsche Unternehmen exportieren mittels Containerschiff und Frachter sowie mittels Lastwagen und Kleintransporten. Doch dabei wurden wohl nicht alle Daten immer korrekt übermittelt. Experten vermuten eine massive Steuerhinterziehung welche aufgrund neuer EU-Handelsdaten ans Licht gerückt ist. Im Jahre 2018 ergab die Differenz von Import und Export einen Überschuss von 307 Milliarden Euro. Ein Überschuss, wo eigentlich keiner sein sollte.

Eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Münchner Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) weist auf einen enormen Umsatzsteuerbetrug innerhalb der EU hin. Die Studie stützt sich auf die offiziellen Handelsdaten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten und wurde erst kürzlich publiziert. Demnach kommt die EU im Jahr 2018 mit sich selbst auf einen Handelsüberschuss von 307 Milliarden Euro anstatt auf eine ausgeglichene Null-Rechnung.

Messfehler allein können gemäß des IfW Instituts und Ifo Instituts nicht für diese Abweichung verantwortlich gemacht werden, welche schon fast als systematisch angelegt bezeichnet werden kann. In den Mitgliedsländern wurde 2018 im Durchschnitt 18 Prozent zu viel Warenexporte und 26 Prozent zu viel Dienstleistungsexporte gemeldet. Dies überschreitet die erwarteten Abweichungen deutlich und zeigt wie ausgeprägt das Phänomen bereits ist. Als Ursache wird von Experten deshalb ein Umsatzsteuerbetrug an der EU, und somit folglich auch am Steuerzahler, von 30 bis 60 Milliarden Euro pro Jahr vermutet. Auch ein möglicher zusätzlicher Zinssatz kann nicht für die Abweichung verantwortlich gemacht werden. Zum einen liegt der Leitzins bei 0% (real gibt es nun sogar bei einigen Banken einen Minuszins), zum anderen können Verzugszinsen auch kein Faktor spielen.

IfW-Präsident Gabriel Felbermayr und Ifo-Forscher Martin Braml erklären, dass dieser Umsatzsteuerbetrug durch einen Trick der Unternehmen möglich wird. Umsätze werden dabei nicht als Umsätze im eigentlichen Sinne, sondern als Exporte deklariert und sind folglich von der Umsatzsteuer befreit. Die Umsätze im Ausland werden effektiv jedoch gar nie als erzielt und fehlen somit auch in der Importstatistik des angeblichen Handelspartners. Sie bleiben damit definitiv unversteuert. Dem Fiskus entgeht so jedes Jahr ein Milliardenvermögen. Ein Betrug am Staat und letztlich am Steuerzahler und der Gesellschaft.

Von Experten und Instituten wird daher ein digitaler und automatisierter Datenabgleich von Importen und Exporten innerhalb der EU gefordert. So könnte Bilanzfehler auf ein Minimum reduziert werden und gleichzeig Betrug erschwert werden. Denn wo Daten automatisch ausgetauscht werden, da fällt auch jedes Eingreifen in den automatischen Prozess auf.
Ein weiterer positiver Effekt von digitalen und automatisierten Datenabgleichen, ist eine Verbesserung der Bilanzqualität von einzelnen Staaten der EU, da diese aktuell noch sehr unterschiedlich ist. So kann unkompliziert die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der erhobenen Daten gesteigert werden, was schlussendlich auch die Forschung freut.

So liefert Deutschland gemäß den erhobenen EU-Handelsdaten (nur) eine mittelmäßig bis gute Datenqualität ab. Während die Niederlande die beste Datenqualität liefert, weisen Zypern, Irland, Luxemburg und Schweden die größten Abweichungen auf. Den Instituten ist zudem aufgefallen, dass Nachbarstaaten oft besonders ausgeprägte Unterschiede aufweisen. Auch bei Mitgliedsländern mit größeren Unterschieden in den Mehrwertsteuersätzen ist eine besonders große Abweichung zu beobachten. An den Gründen für diese Auffälligkeiten wird derzeit weiter eifrig geforscht.

21:26 15.01.2020
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Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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