Großerben profitieren

Erbschaftssteuer Wer sich die Zahlen anschaut kann nur zu dem Schluss kommen: unser Erbschaftssteuergesetz ist unfair. Zeit, dass sich etwas ändert
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Großerben profitieren
Unser Erbschaftssteuergesetz ist unfair

Foto: Flickr/Die Linke (CC 2.0)

Personen, die viel Geld von verstorbenen Angehörigen oder Freunden erben, müssen kaum Steuern an den Staat zahlen. Aktuelle Studien belegen, dass der Betrag, der an deutschen Staat abgegeben werden muss, deutlich geringer ist, wenn der geerbte Betrag steigt.

Im Jahr 2018 mussten bei einem geerbten Betrag von mehr als 10 Millionen Euro kaum Steuern an den deutschen Staat gezahlt werden. Diese Information wurde von der Bundesregierung vor kurzem veröffentlicht. Nur durchschnittlich 5 % Erbschaftssteuer waren für ungefähr 600 Deutsche fällig, die rund 31 Millionen Euro geschenkt oder vererbt bekommen haben.
Rund 60 Prozent der Bürger in Deutschland, die mehr als 100 Millionen Euro geerbt haben, mussten dabei gar keine Steuer an den Staat zahlen und blieben komplett steuerfrei. Durchschnittlich mussten die Bürger, die eine höhere Summe als 100 Millionen geerbt bekommen haben, eine Erbschaftssteuer von durchschnittlich 0,2 % zahlen.

Die Gründe für den erheblichen Steuervorteil erläuterte Stefan Bach aus dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er erklärt, dass der Steuersatz bei der Vererbung oder dem Verschenken einer Firma schlichtweg weniger sei als bei beispielsweise Immobilien oder auch Wertpapieren. Deshalb müssen Personen, die eine Firma von einem Familienmitglied oder Freund erben, einen geringen Steuersatz zahlen. Der Durchschnitt des Steuersatzes für die Großerben liegt dabei rund bei der Hälfte von dem, der Erben von einem bis zehn Millionen Euro bezahlen müssen. Vor betrifft das den Bereich Immobilien. Klevere Wohlhabende können schon vor dem Ableben mithilfe von Bauexperten in Immobilien Großprojekte investieren oder gehen den regulären Weg über Immobilienmakler. Der gesonderte Steuersatz ist in Deutschland auf Ausnahmeregelungen zurückzuführen, die fiskalische Unternehmen unterstützen und in dem Steuersatz bevorzugen.

Dieser besondere Steuersatz, der die Großerben in Deutschland bevorzugt, da diese von einem niedrigeren Satz profitieren, stößt unter anderem in der Politik auf Kritik. Dabei können Politiker kein Verständnis zeigen, dass der Steuersatz für höhere Beträge höher sind. Speziell die Linkspartei äußerte erhebliche Kritik an der Regelung des Steuersatzes in Deutschland. Der Fraktionschef der Linkspartei Dietmar Bartsch äußerte, dass Multimillionäre in diesem Land von dem Steuergesetz profitieren würden. Dabei müssten die hohen geerbten Summen, im Gegensatz zu den geerbten Summen von gering verdienenden Personen, nicht gerecht versteuert werden. Dadurch würden darüber hinaus Kinder in Armut leben. Außerdem müssten Rentner in den letzten Jahren einen immer höher werdenden Steuersatz zahlen müssten.
Laut des Fraktionschefs der Partei müsste der Steuersatz überdacht werden und Reiche dürften in Zukunft nicht mehr bevorzugt werden.

Wirtschaftsverbände hingegen verteidigten diese spezielle Regelung zur Bevorzugung von Großerben. Dadurch würden die Arbeitsplätze im Mittelstand sicherer bleiben und in der Zukunft bestehen bleiben. Die Ausnahmen im Gesetz ergeben für die Verbände deshalb Sinn und sollten in der Zukunft weiter bestehen bleiben.

01:00 07.12.2019
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Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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