Grundlage für Ganztagsbetreuung

Schulpolitik Warum auch nicht, ist in anderen skandinavischen Ländern schon lange Normalität. Nun auch die Bundesregierung darüber nach bei den "schulstarken" Nachbarn abzugucken.
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Bundesregierung schafft erste Grundlage für Ganztagsbetreuung für Grundschüler. Ab dem Jahr 2025 soll jeder Grundschüler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung haben. So steht es im Koalitionsvertrag von CDU und SPD. Nun hat die Bundesregierung mit einem Sondervermögen erste Grundlagen für dieses Vorhaben geschaffen.

Die Bundesregierung will den Ausbau der Ganztagsbetreuung in unseren Grundschulen vorantreiben. Möglich machen soll dies der Aufbau eines Sondervermögens von zwei Milliarden Euro über die Jahre 2020 und 2021, mit dem die zuständigen Landesregierungen beim Ausbau von Betreuungsangeboten unterstützt werden sollen. Laut Koalitionsvertrag von Union und SPD sollen auch Kinder im Grundschulalter von 2025 an einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung haben. Hierfür sollen die Bundesländer die nötigen Voraussetzungen schaffen wie Um- oder Ausbau von Räumlichkeiten sowie die Schaffung neuer Arbeitsstellen für Pädagogen. Bislang gilt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nur für Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Schulbeginn.

Großer Schritt für die Ministerin – Länder und Kommunen skeptisch

Bundesbildungsministerin Anja Kalriczek von der CDU teilte mit, von den Plänen der Bundesregierung würden Kinder und Mütter profitieren. Laut Aussagen von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) stünden Erstklässler bereits um 12 Uhr mittags mit leerem Magen und eine Schultasche voller Hausaufgaben vor der Haustür. Eine geregelte Arbeit sei für Eltern so nicht möglich Zudem betonte Giffey, dass die Bundesregierung mit dem Kabinettsbeschluss einen großen Schritt vorangekommen sei. Laut der Ministerin müssen eine Million zusätzliche Ganztagsplätze einschließlich Spiel & Spaß Möglichkeiten zum Zeitvertreib in den insgesamt 15.000 Grundschulen geschaffen werden. Dazu gehören beispielsweise auch Kinderspiele für die mathematische Frühförderung. Wann und wie dies geschehen soll, ist noch unklar. Zunächst müssen gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht werden.

Von Seiten der Länder und Kommunen gibt es starke Skepsis, dass die Bemühungen der Regierung ausreichen, um Eltern in gut fünf Jahren einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu garantieren

Länder fordern mehr Unterstützung vom Bund

Hamburgs Schulsenator Thies Rabe fordert in Namen der SPD-geführten Kultusministerien mehr Unterstützung von der Bundesregierung. Laut Rabe würden die Investitionskosten 7,5 Milliarden Euro betragen, um die nötigen Voraussetzungen für die Umsetzung des Rechtsanspruchs zu schaffen. Darüber hinaus rechnen die Länder mit zusätzlichen jährlichen Betriebskosten von 4,5 Milliarden Euro. Dies geht auch aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums hervor. Somit ist die Forderung von Ländern und Kommunen nicht unberechtigt. Rabe erwartet vor allem die im Koalitionsvertrag verankerte Beteiligung des Bundes an den Betriebskosten. Die beschlossenen Zuschüsse von zwei Milliarden Euro werden alleine schon in Bayern benötigt, so Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer.

Anstieg der Einschulungen setzt sich fort

Im Schuljahr 2019/2020 sind insgesamt 733.000 Kinder eingeschult worden, davon 893,3 Prozent in Grundschulen. In Förderschulen wurden 3,2 Prozent eingeschult, in integrierten Gesamtschulen 2,5 Prozent. Schlusslicht bilden die Waldorfschulen mit 1,0 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt setzt sich somit der seit dem Schuljahr 2016/2017 begonnene Anstieg der Einschulungen fort.

GEW warnt vor Lehrermangel

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft mahnt, der Fachkräftemangel könnte das Vorhaben der Koalition zum Scheitern bringen. In vielen vor allem ländlichen Regionen gibt es auf dem Arbeitsmarkt kaum noch Lehrkräfte. Soll der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung 2025 tatsächlich umgesetzt werden können, müssen dringend Ausbildungskapazitäten aufgestockt und die pädagogischen Berufe attraktiver gemacht werden, so die Gewerkschaft.

00:10 21.11.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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