Immer mehr Menschen macht ihr Job krank

Deutscher Arbeitsmarkt Trotz höherer Sicherheitsrichtlinien in allen Branchen, gesundheitliche Förderprogramme und weiterer Maßnahmen, der Trend scheint sich zu intensivieren.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Aktuellen Statistiken aus der Regierung zugrunde liegen, werden immer mehr Menschen durch ihren Job krank. Die Anzahl als Berufskrankheit anerkannten Krankheiten ist allerdings immer noch gering. Einer Anfrage der Linkspartei über die Entwicklung der letzten zehn Jahre ergab, dass die Anzahl anerkannter Berufskrankheiten um etwa ein Viertel zunahm und die Kosten um ein Drittel stiegen. Die Daten legen auch offen, dass etwa die Hälfte aller Ausgaben von nur fünf Krankheiten verursacht werden. Vorrangig sind es durch Asbest entstandene Krankheitsbilder.

Viele Ursachen sind nicht anerkannt

Hautkrebs ist eine häufig auftretende Erkrankung, welche vor allem bei Menschen mit viel Arbeit im Freien auftritt. Auch der regelmäßige Kontakt mit Chemikalien oder andauernde mechanische Belastungen können zu Langzeitschäden führen. Psychische Erkrankungen, welche oft durch Stress ausgelöst werden, verursachen die meisten Fehltage im Job. Die Anzahl der durch psychische Krankheiten ausgelösten Krankentage stieg in den letzten zehn Jahren um circa 144 Prozent an. Diese gelten allerdings nicht als Berufskrankheit. Dies sorgt für Probleme, da in diesem Fall die Unfallversicherung nicht zu Leistungen verpflichtet ist.

Doch selbst bei anerkannten Krankheiten sind die Hürden eines Verfahrens sehr hoch. So müssen Erkrankte nachweisen können, dass die Erkrankung wirklich nur von der Ausübung des Jobs ausgelöst wurde und nicht etwa durch private Umstände. Das ist vom Berufskrankheiten-Recht so vorgesehen.

Die Beweisführung ist oft nicht möglich

Ein sogenanntes Expositionskataster, also eine Statistik für das Festhalten der Tätigkeiten, welche ein Beschäftigter in einen Beruf nachgeht, ist in Deutschland nicht existent. Da viele Erkrankungen auch erst nach Jahren auftreten können, gibt es oft auch keine Aufzeichnungen mehr, welche belegen würden, welchen Bedingungen ein Angestellter ausgesetzt war.

In der Arbeitsmedizin gibt es daher schon seit längeren die Forderung, dass für jedes Job-Profil die durchschnittliche Belastung dokumentiert werden sollte. Diese Daten sollen auch nicht personenbezogen, sondern nach Tätigkeit erhoben werden. Diese Daten sollen dann von einer unabhängigen Organisation gespeichert und aktuell gehalten werden. So wäre es offiziell belegt, dass Krankenpfleger tatsächlich oft schwer heben müssen, um ein Beispiel zu nennen, und daher auch dementsprechende Krankheitsbilder entstehen können.

Die meisten Fälle, welche anerkannt werden, sind sehr eindeutig. Hörschäden ausgelöst von Baulärm oder Hautkrankheiten durch Sonneneinwirkung. Und dennoch werden nur wenige dieser Ansuchen tatsächlich anerkannt. Die zwei größten Hürden sind allerdings einerseits, dass die Bearbeitung des Verfahrens bis zu 40 Monate in Anspruch nehmen kann, während dieser Zeit darf der Beruf nicht mehr ausgeübt werden, und andererseits, dass es zu wenig Arbeitsmediziner gibt, Tendenz sinkend.

Arbeitsministerium legt Reformvorschlag vor

Dass der Arbeitsschutz verbessert und das Erkranken noch mehr Arbeitnehmer verhindert werden soll, hat die Koalition im Koalitionsvertrag vereinbart. Nun hat das Bundesarbeitsministerium seinen Gesetzesentwurf vorgelegt. Der Kabinettsbeschluss soll noch dieses Jahr erfolgen. Auch soll es erleichtert werden durch Umschulungsförderungen die Arbeitsbranche zu wechseln. Auch soll die medizinische Versorgung verbessert werden. Besonders im Bereich der Zahnmedizin müssen Patienten aktuell hohe Eigenleistungen erbringen. Grund sind die kontinuierlich steigenden Kosten der Zahnarztpraxen und -labore, Qualitätszulieferer wie beispielsweise Omnident haben ihren Preis. Hier sollen staatliche Zuschüsse steigen.

Eine weitreichende Reform ist es jedoch nicht. Psychische Krankheiten werden können noch nicht in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen werden, da es zu wenig Forschung in diesem Bereich gibt. Das Budget zur Erforschung von Berufskrankheiten wurde von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung auf 13 Millionen Euro angehoben. Ebenso werden 228 Millionen für Prävention investiert.

Die Linke-Politikerin Jutta Krellmann findet das dennoch nicht ausreichen. Sie fordert noch zusätzliche Verordnungen gegen Stress, denn am wichtigsten sei eine umfassende Vorsorge.

20:41 27.01.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

Kommentare