Tesla kommt nach Berlin - Schön & gut aber...

Arbeitsrecht Elon Musk ist in der Vergangenheit nicht gerade durch Kommentare zu fairen Arbeitsbedingungen aufgefallen, er selber arbeitet nach eigenen Aussagen eine 120 Stundenwoche.
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Das amerikanische Unternehmen Tesla plant die Errichtung einer Fabrik in Brandenburg, um dort das SUV Model Y zu fertigen. Außerdem hat der Konzern ebenso die Produktion von Batterien und Antriebskomponenten ins Auge gefasst. Das Projekt in Brandenburg wäre dann die insgesamt vierte Produktionsstätte von Tesla; nun sei man bei Tesla auf Mitarbeitersuche in Deutschland. Um in Brandenburg ab 2012 den SUV Model Y zu produzieren, sollen hier bis zu 10000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Unter anderem hatten auch Frankreich, Finnland und Schweden Interesse an Tesla gezeigt, doch der amerikanische Konzern hat sich für den Landkreis Oder-Spree entschieden, im Süden Berlins und in der Nähe des noch uneröffneten Berliner neuen Flughafens BER.

Der Entschluss von Elon Musk in Deutschland ein Werk zu eröffnen, sei hauptsächlich auf den hervorragenden Ruf deutscher Ingenieure zurückzuführen. Außerdem ist der Tesla-Chef ein Verehrer der Region Berlin, da es eine unvergleichliche Start-Up-Szene und Ähnliches biete. Durch den multikulturellen Einschlag Berlins sei es neuen Mitarbeitern bei Tesla auch aus dem Ausland möglich, in Deutschland Fuß zu fassen, da die Region sehr kontaktfreudig sei und viele Englisch sprechen.

Der bekennende Berlin-Fan Musk postete gar seine Zuneigung zu Berlin in den sozialen Medien. Für Tesla ist das neue Werke eine Einnahmequelle, die das Unternehmen dringend benötigt. Daher kommt auch die drängende Frage auf, was genau deutsche Mitarbeiter einerseits von Tesla sowie vice versa Tesla von den Deutschen erwartet. Die Frage ist berechtigt, zumal Elon Musk ein Workaholic ist, für den eine 80 oder 100 Stunden Woche die Normalität darzustellen scheint. Umgekehrt fordert Musk auch vollsten Einsatz von seinen Mitarbeitern, wie eine Analyse der Arbeitsbelastung an den in den USA angesiedelten Standorten zeigt.

Auffällig war auch, dass die Mitarbeiter der Werke in den USA auffällig viele Krankheitstage aufweisen können, was sicherlich in der fehlenden Regeneration begründet liegt und schnell auch mal im Burn Out enden kann. Hier wird Musk sich in Deutschland an die notwendigen Regeln halten müssen. Doch die deutschen Politiker sind in freudiger Erwartung, Musk und Tesla bald in Brandenburg begrüßen zu können, denn es ist wohl eine Win-Win-Situation für beide Parteien: Brandenburg bekommt Zehntausend Arbeitsplätze und Tesla fähiges Personal. Musk vertritt die Auffassung, dass vom Fließbandarbeiter bis zum Management voller Einsatz gezeigt werden muss und verlangt somit den Fachkräften Einiges ab. Dies scheint typisch für die Start-Up Kultur zu sein: Hipp und Trendy, aber eben auch hohe Arbeitsbelastung bis hin zur vollkommenen Selbstaufgabe der Mitarbeiter.

Um also in Deutschland erfolgreich produzieren zu können, wird sich Tesla an einige Regeln halten müssen. Diese reichen von der Berücksichtigung des Arbeitsrechts bis zur Einhaltung des Mindestlohns. Die Schaffung einer akzeptablen Arbeitsatmosphäre steigert bekanntlich die Produktivität der Arbeitenden, oder anders gesagt: Wenn der Chef entspannt und lässig daher kommt, sind die Mitarbeiter mehr als loyal. Die Vorbereitungen sind allerdings schon in vollem Gange. Das Gelände gekauft, staatliche Unterstützungen beantragt, den Bauplan der zuständigen Behörde vorgelegt, an alles wurde gedacht bis hin zu umweltfreundlichen Werbeartikeln.

Selbstverständlich muss Musk auch das strenge Arbeitszeitgesetz und zahlreiche andere wichtige Formalien einhalten müssen, wozu auch die notwendige Etablierung eines Betriebsrats gehören wird, welcher in Deutschland ab fünf Mitarbeitern gegründet werden darf. Betriebsrat hin, Tarifvertrag her: wenn Musk sich an die Rahmenbedingungen hält und die vom europäischen Arbeitsgericht geforderten Arbeitszeiten und deren Dokumentation umsetzt(es darf nicht mehr als acht Stunden gearbeitet werden) wird er kompetentes, fähiges Personal an sein Unternehmen binden und sicherlich in Deutschland erfolgreich produzieren können. Denn eins ist sicher: diesen wirtschaftlichen Erfolg hat das Unternehmen Tesla nötig, um bestehen zu können.

19:40 15.11.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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