WHO mit neuer Studie zum Thema Spielsucht

Onlinespielsucht Ein Thema das kaum Beachtung findet, Onlinespielsucht.
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Laut WHO, der Weltgesundheitsorganisation wird die Internetspielsucht seit Juni 2018 in der ICD 11 als eigenständige Krankheit deklariert. Wissenschaftler warnen allerdings davor, dass das Krankheitsbild falsch verstanden werden könne und ein jeder Konsument von Onlinespielen psychologischer Therapie bedarf.

Fakten und Informationen zu Online Games

Laut der WHO ist es durch exzessives Spielen über 20-30 Stunden bereits zu Todesfällen gekommen. Zum Beispiel 2015 ein 24jähriger in Shanghai, der 19. Stunden bei "World of Warcraft" spielte, oder ein Teenager in Taiwan 2012, der 40 Stunden ohne Unterbrechung mit dem "Game Diablo 3" am Computer saß. Anfang 2018 verstarb ein Mann in Virginia Beach bei den "World of Thanks Marathon".

Nach Angaben der WHO berichteten Ärzte vermehrt von spielsüchtigen Patienten, worauf die WHO den Entschluss fasste die Onlinespielsucht international als Krankheit zu klassifizieren. Das ist natürlich auch auf das Internet und einfachen Einzahlungsmethoden zurückzuführen, dadurch werden Glücksspiele einem viel größerem Publikum eröffnet als noch vor 20 Jahren. In seinem Statement mit der deutschen Presseagentur zeigte der Experte Vladimir Poznyak vom WHO-Programm "Suchtmittel" die Grenzen zwischen Spielen und Spielsucht auf. So wird nach WHO die Spielabhängigkeit in drei Kategorien unterteilt:

1.Wie oft und über welchen Zeitraum wird im Online Casino gespielt?
2.Ist das Spielen wichtiger als der normale Tagesablauf und die sozialen Kontakte?
3.Wird das Spiel nicht unterbrochen, obwohl die spielende Person mit negativen Auswirkungen zu rechnen hat?

Als spielsüchtige Person bezeichnet Vladimir Poznyak Menschen, die ihre sozialen Kontakte abbrechen, einen gestörten Schlafrhythmus haben, sowie ihre Ernährung und Hobbys vernachlässigen. Ein normaler Tagesablauf sei für einen Spielsüchtigen undenkbar, und das Traurige dabei sei, das hauptsächlich junge Menschen davon betroffen seien.

Kritische Stimmen aus wissenschaftlicher Sichtweise

Wissenschaftler warnen davor, dass das Krankheitsbild Spielsucht falsch ausgelegt werden könnte und so jeder Spieler oder am Computer arbeitender Mensch als krank bezeichnet wird.
Auch der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quand äußerte Bedenken über die Pläne der WHO. So müssten alle, die ihren Haushalt nicht sofort erledigen oder unbeliebte Aufgaben zeitlich verlagern und zur Entspannung vorher ein Onlinespiel machten, unter psychiatrische Beobachtung. Zudem müsste die WHO noch Medien-Krankheiten deklarieren, wie Handysucht, Sozial-Media-Depression und vieles andere mehr.

Das hätte im Zeitalter der Computerisierung zur Folge, das die meisten Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein Fall für den Psychologen wären. Auch der Psychologe Andy Przybylski von der Universität Oxford wandte sich mit seinen 30 Mitarbeitern an die WHO und warnte vor der Klassifizierung und somit des Missbrauches der Spielsucht als Krankheit. Nach seiner Meinung ist die Ursache für die Spielsucht in einer tieferliegenden Krankheit , wie Depressionen oder sozialen Bindungsängsten, zu suchen.

Stimmen aus der Spielindustrie

Auch der Geschäftsführer des Verbandes "Game", Felix Falk, äußerte seine Bedenken über das neue Krankheitsbild der WHO. Aus eigener Erfahrung kann er bezeugen, dass die wenigsten Menschen übertrieben spielen.

Laut Statistik des Verbandes Game spielen:

- 34,1 Million Deutsche Computer- und Videospiele, ca. 46% der Bevölkerung,
dazu gehören Smartphone Spiele
- 14,3 Millionen sind unter 30 Jahre
- unter 1% davon spielen exzessiv

Außerdem werden Computerspiele so programmiert, dass nach einer gewissen Zeit, Aktionen sich verlangsamen und weniger Belohnungen erspielbar sind. Zudem sollte der Elternratgeber gelesen und den Angaben der Unterhaltungssoftware Folge geleistet werden. Er empfiehlt eine maximale Spielzeit von 20 bis 120 Minuten am Tag.

07:53 05.02.2020
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alexander S. Klingenberg

Mit einem abgeschlossenen Studium in Sportwissenschaften liegen meine Interessenschwerpunkte in den Bereichen Sport & Gesundheit sowie Politik &Kultur
Alexander S. Klingenberg

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