"Die Heimat ist Teil des Schlachtfelds"

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Von wem ist das? Von einem deutschen Politiker, der davon träumt, dass die Bundeswehr auch im Inland eingesetzt werden kann? Falsch.

Dies ist vom "Land of the Free".

Im Rahmen des zu verabschiedenden Verteidigungsetats wurde über gesetzliche Regelungen mit abgestimmt, die dem amerikanischen Militär im Inland ungeahnte Befugnisse geben. Voraussetzung: Terrorverdacht.

Jeder, von dem die Regierung angibt, er sei Mitglied oder Teil von Al-Qaida oder einer Hilfsorganisation, soll in Militärgewahrsam gehalten werden dürfen, unbefristet und ohne Anspruch auf ein Gerichtsverfahren. Jeder - soll auch amerikanische Staatsbürger in den USA einschließen, auch wenn das zum Teil dementiert wurde.

Die ACLU, aber auch viele andere, selbst der Verteidigungsminister, der Direktor der CIA und der des FBI, sprachen sich dagegen aus - aber es scheint mit kleinen Änderungen Gesetz zu werden. Zunächst hieß es, der Präsident werde Veto einlegen, seit gestern hat er das offenbar aufgegeben.

Erstaunlich ist, dass ich fast nichts auf deutsch über das Thema finde - links wären sehr willkommen. Woran liegt es, dass so etwas nicht berichtet wird? Dass schon so viele andere Staaten ähnliche Regelungen haben?

Was ich fand, war ein Artikel von vor einer Woche:

Ende November verabschiedete der US-Kongreß mit 93 zu 7 Stimmen den Verteidigungsgesetz (National Defense Authorization Act) für kommendes Jahr. Fast versteckt in dem umfangreichen Werk findet sich ein wenig beachteter Passus, der nun für einige Aufmerksamkeit in US-Medien sorgt. Demnach kann künftig jeder US-Bürger bei einem Terrorverdacht vom Militär in Haft genommen werden. Eine Regelung, die an das berüchtigte Sonderlage Guantanamo erinnert.

In Kapitel 1867 wird dem Präsident das Recht eingeräumt, dem Militär im Inland Kompetenzen des Kriegsrechts zu verleihen. Damit kann gegen Personen vorgegangen werden, die etwa der Unterstützung von Taliban oder Al-Kaida verdächtigt werden. Diese können demnach ohne Prozeß inhaftiert, einem Sondergericht überantwortet, oder in ein fremdes Land transportiert werden. Letzterer Punkt nährt die Befürchtung, daß US-Behörden im Rahmen ihres Anti-Terror-Vorgehens mit Folter-Regimen zusammenarbeiten könnten. Die Neuregelung gelte für US-Bürger, legal im Land befindliche Ausländer, sowie jeden, der innerhalb der USA festgenommen werde.

Die Änderung würde faktisch zu einer Aufhebung wichtiger Bürgerrechte führen, sofern ein Terrorverdacht im Raume steht. Bislang undenkbar in den Vereinigten Staaten. So wurde das umstrittene Sonderlage Guantanamo nach dem 11. September 2001 bewußt in einem Gebiet errichtet, daß als kubanisches Territorium gilt und sich damit nach der US-Sichtweise außerhalb des Geltungsbereiches der Verfassung befindet.

Auffallend ist dennoch, daß die Regelung weitgehend unbeanstandet durchgewunken wurde. Widerstand gab es nach Angaben der Zeitung "Christian Science Monitor" im wesentlichen von den republikanischen Abgeordneten Ron Paul aus Texas und Rand Paul aus Kentucky. "Wir sprechen über Menschen, die lediglich eines Verbrechens verdächtigt werden und wir reden über US-Bürger", so Rand Paul. Protest kam auch von der nicht im Parlament vertretenen Liberatrian Party. "Das ist die Art der Macht von Tyrannen und totalitären Regimen", wird ihr Vorsitzender Mark Hinkle zitiert.

Welche Sichtweise dem Gesetz offenbar zu Grunde liegt, geht dagegen aus der Äußerung des Senators Lindsey Graham aus South Carolina hervor. Damit würde "zum ersten mal juristisch formuliert, daß die Heimat Teil des Schlachtfeldes ist."

Weiteres nur auf englisch:

The Senate voted last Thursday to pass S. 1867, the National Defense Authorization Act (NDAA), which would authorize the president to send the military literally anywhere in the world to imprison civilians without charge or trial. Prison based on suspicion alone. The power is so sweeping that the president would be able to direct the military to use its powers within the United States itself, and even lock up American citizens without charge or trial.

No corner of the world, not even your own home, would be off-limits to the military. And there is no exception for American citizens. Section 1031 — one of the indefinite detention provisions — of the Senate-approved version of the NDAA has no limitations whatsoever based on geography, duration or citizenship. And the entire Senate bill was drafted in secret, with no hearing, and with committee votes behind closed doors.

I'm not sure which was more surprising — that the majority of senators ignored the pleas of countless constituents, or that they also ignored every top national security official opposed to the provisions. Opposition to the detention provisions came from Secretary of Defense Leon Panetta, CIA Director David Petraeus, FBI Director Robert Mueller, Director of National Intelligence James Clapper, White House Advisor for Counterterrorism John Brennan, and DOJ National Security Division head Lisa Monaco. The Senate ignored them all.

Back in May, the House of Representatives passed its own version of the NDAA, which had a provision authorizing worldwide war wherever any terrorism suspect resides, even if there is no threat to America or Americans. Buried in the bill is a sentence that lets the president order the military to lock up without charge or trial American citizens and anyone else he decides is a suspect, even if the person is right here in America or in such friendly countries as Canada, Great Britain, or France.

ACLU

There are still changes swirling around the Senate, but this looks like the basic shape of the 2012 National Defense Authorization Act. Someone the government says is “a member of, or part of, al-Qaida or an associated force” can be held in military custody “without trial until the end of the hostilities authorized by the Authorization for Use of Military Force.” Those hostilities are currently scheduled toend the Wednesday after never. The move would shut down criminal trials for terror suspects.

But far more dramatically, the detention mandate to use indefinite military detention in terrorism cases isn’t limited to foreigners. It’s confusing, because two different sections of the bill seem to contradict each other, but in the judgment of the University of Texas’ Robert Chesney — a nonpartisan authority on military detention — “U.S. citizens are included in the grant of detention authority.”

An amendment that would limit military detentions to people captured overseas failed on Thursday afternoon. The Senate soundly defeated a measure to strip out all the detention provisions on Tuesday.

So despite the Sixth Amendment’s guarantee of a right to trial, the Senate bill would let the government lock up any citizen it swears is a terrorist, without the burden of proving its case to an independent judge, and for the lifespan of an amorphous war that conceivably will never end. And because the Senate is using the bill that authorizes funding for the military as its vehicle for this dramatic constitutional claim, it’s pretty likely to pass.

twitwall.com/view/?what=020A010F0151

Glenn Greenwald kommentierte das bissig in Salon.

13:27 16.12.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Alien59

Nächster Versuch. Statt PN: alien59(at)live.at
Alien59

Kommentare 12

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