Alien59
02.05.2011 | 06:16 17

Mord - kein Mord?

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Alien59

Im einem SPON-Artikel von heute morgen wurde die Idee, Gaddhafi gezielt zu töten, als Mord bezeichnet. Das kann man so ausdrücken - schließlich wurde Gaddhafi weder angeklagt, noch verurteilt.

Das gleiche Blatt jedoch bezeichnete die gezielte Tötung von Menschen, die keines Verbrechens schuldig sind, durch amerikanische Drohnen, keineswegs als Mord.

Interessanter Sprachgebrauch.

OBL wurde angeblich auch getötet. Was war das dann? auch Mord? oder nicht?

Fragen in meiner Twitter-Timeline: was werden die Amerikaner mit seiner Leiche machen? Könnte kompliziert werden.

Und wer hier jetzt einen geharnischten Kommentar absetzen will, bitte dazu schreiben, ob er/sie für oder gegen die Todesstrafe (nach ordnungsgemäßem Verfahren und Beweisen!) ist.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (17)

Gold Star For Robot Boy 02.05.2011 | 10:09

OBL:Notwehr,Mord,gezielte Tötung...sie nehmen sich eh
alles raus und die Welt schaut zu. Amerika ist in Partystimmung,
Champagnerkorken knallen hieß es eben im Morgenmagazin.
Was für eine geschmacklose PR Aktion.
Schade,nun können die USA ihrer nützlichen Marionette
keinen Prozess mehr machen.Aber das wollen sie ja eh
nicht so gerne öffentlicht verhandeln,siehe KSM/Guantanamo
Militärgerichte.

www.bradblog.com/?p=7332

www.freitag.de/community/blogs/gsfrb/der-neunte-jahrestag-der-terroranschlaege-vom-11september-2001

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 10:10

Obama sagte in einer Rede an die Nation, er habe den geheimen Einsatz von Spezialkräften angeordnet.
Vor dem Weißen Haus versammelten sich Hunderte zu Freudenkundgebungen.

Der als Messias gestartete, lobhudelnd vorauseilend als Friedensnobelpreisträger ausgezeichnete "mächtigste Mann der Welt", entpuppt sich als ordinärer Auftraggeber eines Killerkommandos.
Der Rechtsstaat ist nach ordnungsgemäßem Verfahren und Beweisen nach Guantanamo verbracht worden.

Im Deuschlandfunk werden im Börsenbericht ein stärkerer Dollar und ein fallender Ölpreis als Folge vermeldet.

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 10:12

Während man den Zipfelmützenträgen hierzulande die "four lions" als ganz gefährliche Terroristen nahebringen wollte (siehe meinen gestrigen Blog), so geht es nun nach und nach wirklich zur Sache, wird von dem (atom)technischen, dem ökonomischen, dem aufziehenden gesellschaftspolitischen Desaster der sog. "alten Welt" abgelenkt, mögen wir uns hinter unseren allwissenden, unfehlbaren Führern, unseren Eliten versammeln.

Auf in den Kampf, noch ist er weit weg, werden unsere Einladungen, wird unsere imperiale Attitüde immer noch nicht so richtig angenommen, müssen wir den Schurken, Feiglingen ggf. in den Rücken schießen. Das muss sich nun endlich ändern!

Btw. und ein seriöses "hallo" Alien59,
natürlich bin ich gegen die Todesstrafe und selbst nach ordnungsgemäßem Verfahren, welches immer und im besten Fall lediglich relativ sein kann; der Tod dagegen ist absolut, ist endgültig.

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monsieur-rainer 02.05.2011 | 11:32

Liebe Alien 59, zum Thema Tyrannenmord hat Pastor Dietrich Bonhoefer einige interessante Aufsätze geschrieben, die in der Biographie von Bethge sehr gut aufgearbeitet wurden. Der Tyrannenmord ist legitim, zumindest vom christlichen Standpunkt aus gesehen.

Herzliche Grüsse
Monsieur Rainer

20plusfuture 02.05.2011 | 11:59

Es wird mit zweierlei Mass gemessen. Gute und schlechte Diktatoren und danach entscheidet sich im Zweifelsfall ob es sich um Mord oder Töten handelt. Für mich ist es reiner Zynismus und ein probates Mittel um das Wahlvolk so oder so ruhig zu stellen.
Ich bin generell gegen Gewalt. Niemand aber auch niemand auf dieser Welt sollte sich anmassen über das gezielte Töten von Menschen entscheiden zu dürfen.
Möglicherweise begreift das Nobelpreiskomitee nunmehr, dass es ein Riesenfehler war, einen US-Präsidenten mit diesem ehrenvollen Preis auszuzeichnen.

In diesem Zusammenhang würde ich gerne nochmals auf unseren Artikel "Demokratievorstellungen der westlichen Welt"

20plusfuture.wordpress.com/2011/01/29/35/

vor einigen Wochen verweisen wollen.

Maria Jacobi 02.05.2011 | 15:52

@20plusfuture
"Es wird mit zweierlei Mass gemessen. Gute und schlechte Diktatoren und danach entscheidet sich im Zweifelsfall ob es sich um Mord oder Töten handelt."
Sie nennen es "gute und schlechte Diktatoren", ich teile sie ein in solche, deren Beseitigung (wenn möglich gleich mitsamt der Familie !) den USA die Möglichkeit eröffnet, auf die Rohstoffreserven dieser Länder zurückzugreifen (Libyen) - und in solche, an denen man sich die Finger verbrennen könnte, entweder weil sie im Besitz von Kernwaffen sind (Nordkorea) oder starke Verbündete haben (Syrien), die ggf. Israel gefährlich werden könnten .

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Ehemaliger Nutzer 02.05.2011 | 17:52

Ich höre Nachrichten, lese Artikel, lese Kommentarstränge und lese und höre immer wieder

...er hat den Tod verdient..

Wer beurteilt das?
Aus welcher Persektive heraus?

Das ist dieselbe Logik des Osama Bin Laden und eines jeden Terroristen. Aus deren Sicht heraus die Menschen, die durch Terror umgebracht wurden, auch den Tod verdient hatten.
Es ist die Logik eines Saddam Husein gewesen, wie es die Sicht eines Ahmadinedschad ist, etc., etc.

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ignaz-w 02.05.2011 | 17:59

krieg ist die erklärung von nationen, warum mord nicht solcher, sondern "legitimiert" sei. gleiches gilt für jede gruppe oder einzelpersonen, die derartiges für sich als "legitim" in anspruch nehmen.

bei den ganzen "differenzierungen", die ich hier so lese, wird mir nicht nur speiübel, sondern himmelangst - die guten ins töpfchen, die schlechten ins kröpfchen, mit beliebig austauschbaren parteiungen.

ich bin froh, dass der massenmörder bin laden tot ist! und ich bedaure, dass er getötet wurde! macht daraus, was ihr wollt *abwend*

Waldkönigin 02.05.2011 | 18:01

In meiner timeline gab es auch einige Meinungen dazu. (Habe ein bisschen was davon eben mal retweetet.)
Einer vermutet, dass jetzt erstmal die Börse steigt und damit der Dollar.

IsinElicin: TC Dışişleri: Bin Ladin’in sonu, masum insanların hayatına kıyan teröristlerin işledikleri insanlık suçlarının cezasız kalmayacağını, +adaletin mutlaka tecelli edeceğini ortaya koyması bakımından ibret vericidir. +Bu gelişme sadece El Kaide bakımından değil, tüm terörist örgütlere yönelik bir derstir (Übersetzung etwa: ermutigendes Zeichen gegen den Terror gegen unschuldige Menschen.. im Hinblick auf Gerechtigkeit. Lektion auch für andere Terrororganisationen)

RivKos mirjam r.k.: I don't understand why they celebrate Bin Laden's death. As if it changed anything.

RivKos mirjam r.k. :Warum hat man Osama eigentlich so fix begraben? Pflock durchs Herz + Knoblauch in'n Mund?

Afelia Marina Weisband: Ernsthaft, Leute? Nach 10 Jahren Suche habt ihr Bin Laden in seinem Haus gefunden? Bravo. Einfach nur Bravo.

Herr Schinka: Kaum habe ich erfahren, dass Osama Bin Laden noch lebt, ist er auch schon wieder tot.

RivKos mirjam r.k.: Bin Laden festzunehmen und vor Gericht zu stellen war wohl keine Option?

Cemil_Sahinoez: also der Aufenthaltsort des Komplizen des Topterroristen, George Bush, ist doch eigentlich auch bekannt, oder?
Isin Elicin: Fisk:Before we start worrying about revenge attacks we ought to see irrelevance of al Qaeda now politically of bin Laden himself

IsinElicin: wave of protests in Arab world showed al Qaeda lost battle for hearts and minds, yet to crush Arab resistance West needs al Qaeda awakening

Hala Gorani: The operation targeting Osama bin Laden was designed as an operation to kill him, rather than take him alive, U.S. govt official tells CNN.

IsinElicin: Arab Muslims are getting rid of their dictators because they want secular free democratic society which is opposite of what bin Laden wanted
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Also, meiner Meinung nach wollten die Amis Blut sehen. Egal wie gerechtfertigt ein Todesurteil erscheinen mag, aber dazu gehört doch wohl vorher auch 'ne Verhandlung, oder?

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Ehemaliger Nutzer 03.05.2011 | 16:20

Im einem SPON-Artikel von heute morgen wurde die Idee, Gaddhafi gezielt zu töten, als Mord bezeichnet. Das kann man so ausdrücken - schließlich wurde Gaddhafi weder angeklagt, noch verurteilt.
Das gleiche Blatt jedoch bezeichnete die gezielte Tötung von Menschen, die keines Verbrechens schuldig sind, durch amerikanische Drohnen, keineswegs als Mord.
Interessanter Sprachgebrauch.
OBL wurde angeblich auch getötet. Was war das dann? auch Mord? oder nicht?

Gottchen, was heißt schon "Mord"? Der Staat, jeder Staat dieser Erde, nimmt für sich das Recht in Anspruch, Dinge zu tun, die er dem privaten, nur für sich handelnden Staatsbürger strengstens verbietet. Der Staat sperrt Leute ein, was bei dir und mir "Freiheitsberaubung" hieße und streng bestraft würde - indem man uns einsperrte. Der Staat tötet Menschen, sei es im Krieg, sei es im Rahmen der Todesstrafe. Würden wir beide desgleichen tun, wir würden für diese Tötung eingesperrt oder - je nach Weltgegend - getötet.
Dagegen ist im Prinzip nicht viel einzuwenden, das staatliche Gewaltmonopol macht unser Leben doch um einiges angenehmer als wenn wir noch in der Zeit des Faustrechts lebten.
Es wird also in dieser gottverdammten Welt getötet und es wird und wurde ständig und massenhaft getötet. Entgegen anderslautenden Gerüchten ist nämlich das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit kein unveräußerliches Menschenrecht. Dieses wird veräußert und genommen, auch und gerade von denen, die es verkünden.
Die Frage ist: Wenn denn schon getötet werden muß, wen sollte man dann töten? Den Soldaten, den Gotteskrieger, den "Terroristen"? Oder irgendwelche Leute, die gerade zufällig in einem Haus in Bagdad oder einer U-Bahn in London zusammensitzen? Oder doch eher die Anführer, jene, die hinter dem Soldaten, dem Gotteskrieger, dem Terroristen stecken?
Ich mein, an die Anführer kommt man normalerweise nur sehr, sehr schwer ran, klar. Wenn aber... Sollte man sich dann wirklich Gedanken drüber machen, ob ihre Tötung eventuell Mord ist, während man gleichzeitig die Tötung der von diesen Anführern geschickten Leute als normale Kriegsfolgen in eine Statistik einträgt?
Wen denn , wenn nicht Bin Laden hätte man töten sollen? Den begehrten Titel "Schmusebär des Jahres" hätte Bin Laden sowieso nicht bekommen, auch dieses Jahr nicht.
Wenn ich - es wird nie dazu kommen, klar, aber machen wir halt ein Gedankenexperiment - ...wenn ich also eine MP in die Hand gedrückt bekäme und man mich vor die Alternative stellte, entweder einen iranischen (1) Gotteskrieger, Ali Irgendwer etwa, zu erschießen oder die gesamte iranische Regierung samt angeschlossener Höherer Geistlichkeit - glaubst du im Ernst, ich würde auch nur einen Moment lang darüber grübeln, welche der beiden Alternativen die sinnvollere wäre? Ich würde darüber grübeln, ob es überhaupt sinnvoll ist, eine der mir gestellten Alternativen zu wählen, ob es nicht eine Zumutung ist, mir überhaupt das Töten zu befehlen. Ich würde also grübeln, ob es nicht vielmehr erheblich sinnvoller wäre, den zu erschießen, der mir die MP in die Hand gedrückt hat. Aber wenn denn nur die Wahl bliebe zwischen den beiden Alternativen... Natürlich ist es sinnvoller und ethisch vertretbarer, einen General zu erschießen anstatt eines normalen Rekruten und es ist nochmal sinnvoller und ethisch vertretbarer, den Oberbefehlshaber des Generals zu erschießen als den General.
Nein?
Sag jetzt nicht, die Tötung Bin Ladens wäre keine Kriegshandlung gewesen sondern eine zivile Tötung. Der Terrorismus ist nicht eine Sache von Serienmördern, die schlicht Vergnügen dran finden, Leute - und möglichst viele davon - zu töten. Der Terrorismus ist vielmehr der Krieg des kleinen Mannes (zunehmend auch der kleinen Frau). Wer nicht das Geld und die Infrastruktur hat, Flugzeuge oder Raketen loszuschicken, um eine Stadt zu bombardieren, der ist gezwungen, die Bombe von Hand in die Stadt zu tragen und sie dort zu zünden.
Machen wir uns nichts vor, der Dritte Weltkrieg ist längst im Gange.

Die Frage, ob es opportun war, Osama bin Laden zu töten, wäre noch mal eine gänzlich andere Frage. Ebenso die Frage, ob es nicht bemerkenswert und verdächtig ist, einen Mann zu töten, der bei einem Prozeß gegen ihn eine Menge Dinge hätte ausplaudern können.

Was die von dir angemahnte Stellungnahme zur Todesstrafe betrifft: Ich bin dagegen. Ich so sehr dagegen wie es Maximilien Robespierre war und bis zu seinem Tod auf der Guillotine geblieben war. In einem leidlich geordneten und zivilen Staatswesen ist die Todesstrafe weder nötig noch sinnvoll. Die Tötung Bin Ladens war keine Exekution sondern ein gezielter kriegerischer Akt. Der Tod Bin Ladens ist nicht beweinens- und verurteilungswerter (eher weniger) als die Vernichtung irgendeines Kriegstoten.

Ciao
Wolfram
(1) Wenn dir "iranisch" nicht gefällt, was wahrscheinlich der Fall sein wird, dann setze getrost irgendeinen anderen Ländernamen ein.